LITERATUR

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden als Krimi-Held

Im richtigen Leben kämpft Joe Biden gerade um das Präsidentenamt in den USA. In den Romanen von Andrew Shaffer jagt er Verbrecher; gemeinsam mit seinem immer etwas cooleren Kumpel Obama.
US-Präsidentschaftkandidat Joe Biden und sein Kumpel Obama auf Verbrecherjagd – in den Krimis von Andrew Shaffer.
US-Präsidentschaftkandidat Joe Biden und sein Kumpel Obama auf Verbrecherjagd – in den Krimis von Andrew Shaffer. Copyright by Droemer-Verlag
Neubrandenburg.

Dass jegliche Ähnlichkeit mit realen Personen „rein zufällig und nicht beabsichtigt” sei, gehört hierzulande zum guten Ton des Roman-Wesens. Ein Kriminalroman, in dem ein Politiker namens, sagen wir, Olaf Scholz ermittelnd durch Berlin zieht und auch gleich seine Vorgesetzte namens, sagen wir, Angela Merkel in die Sache mit hinein zieht – undenkbar! Selbst mit nicht mehr in erster Reihe agierenden Protagonisten wie, sagen wir, Joschka Fischer und Gerhard Schröder: Auf keinen Fall! Persönlichkeitsrechte! Unzulässige Verquickung von Realität und Fiktion!

Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheit

Der US-amerikanische Autor Andrew Shaffer indessen hält sich mit derlei Bedenken nicht auf. Im Gegenteil: Gerade erschien sein zweiter Kriminalroman mit einem Ich-Erzähler namens Joe Biden, seines Zeichens ehemaliger Vize-Präsident der USA, der mit seinem Ex-Chef Barack Obama auf Verbrecherjagd geht.

Nicht ganz freiwillig, versteht sich; der Mann ist Politiker und nicht Polizist. Aber sein Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheit und überhaupt hehre Werte lässt ihn nicht ruhen, wenn sein Lieblingsschaffner aus dem Wilmingtoner Pendlerzug unter fragwürdigen Umständen ums Leben kommt oder in der Kriminalitätshochburg Chicago ein – dank eines Obama-Projekts hoffnungsvoll auf dem Wege der Resozialisierung befindlicher – Junge angeschossen wird.

Obama ist immer der coolere Typ

Also fürchtet der Senior keine Strapaze und keinen Irrweg, höchstens den Zorn seiner Frau und die nachsichtig-lakonischen Kommentare seines Gefährten – der im Roman (ganz zu schweigen von der Cover-Abbildung!) wie auch im richtigen Leben einfach immer der coolere Typ und einfach immer einen Schritt voraus ist. Aus der etwas ungleichen Männerfreundschaft – oder wie es auf Neudeutsch gern heißt: Bromance, eine „Romanze unter Brüdern” – erwächst der Humor der Geschichten, die im zweiten Band durchaus an Pointenstärke zulegen.

Mit den Romantiteln „Hope never dies” (Die Hoffnung stirbt nie) und „Hope rides again” (Die Hoffnung reitet wieder) beschwört der Autor die großen Hoffnungen herauf, mit denen die Ära Obama verbunden ist. Die Romanfigur Biden muss dabei die Gratwanderung hinkriegen zwischen der einstigen (ewigen?) Nummer 2, immerhin einem nicht mehr ganz jungen und manchmal etwas „von gestern” denkenden Herrn – und dem entschlossenen All American Man, der als künftige Nummer 1 den angeschlagenen Ruf seines Landes wieder herstellen will.

Ein dritter Band – mit einem Präsidenten Biden?

Der erste Band ist kurz nach dem Ende von Obamas Präsidentschaft angesiedelt; der zweite im Jahre 2019, als der Roman-Biden wie auch der echte seine eigene Kandidatur ins Auge fasst. Ähnlichkeiten sind da natürlich nicht nur zufällig, sondern Programm. Eine kleine Anspielung gibt es am Rande auf ein weiteres literarisches Präsidenten-Abenteuer: den Roman „The President Is Missing”, der Obamas Vor-Vorgänger Bill Clinton gemeinsam mit Thriller-Ikone James Patterson als Autor ausweist. Auch da soll gerade eine weitere Kooperation in Arbeit sein.

Der echte Joe Biden wiederum will in den nächsten Tagen das Präsidentenamt in den Vereinigten Staaten erobern. Das Lese-Publikum darf gespannt sein, wie Andrew Shaffer das – wie auch immer es ausgeht – wohl in einer weiteren „Hope”-Story verarbeitet.

 

Andrew Shaffer: Hope never dies. 320 Seiten, ISBN 978-3-426-30746-5; Hope rides again: 288 Seiten, ISBN 978-3-426-30811-0. Beide übersetzt von Eva Bonné erschienen als Droemer Paperback, je 14,99 Euro, als E-Book 9,99 Euro.

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