„Wie in der DDR”

Uwe Steimle spricht erstmals über Rauswurf

Nach seiner Absetzung beim MDR hat Kabarettist Uwe Steimle lange geschwiegen. Nun hat er ein ausführliches Interview geben – und ausgeteilt.
Uwe Steimle (56) hat sich erstmals ausführlich zur Absetzung seiner Sendung „Steimles Welt” im vorigen Jahr geäußert.
Uwe Steimle (56) hat sich erstmals ausführlich zur Absetzung seiner Sendung „Steimles Welt” im vorigen Jahr geäußert. Frank May (Archiv)
Dresden

Mit bitteren Worten über die Meinungsfreiheit in Deutschland hat sich der Dresdner Kabarettist Uwe Steimle (56) in den Medien zurückgemeldet. In einem Interview mit der Zeitschrift SuperIllu äußert er sich erstmals ausführlich zur Absetzung seiner Sendung „Steimles Welt” im vorigen Jahr.

„Erinnert mich an finsterste DDR-Zeiten”

„Mich erinnert das an finsterste DDR-Zeiten, wo es vielen Künstlern ähnlich erging”, sagt Steimle in dem Gespräch. Der MDR hatte als Begründung für das Ende der Zusammenarbeit ein zerstörtes Vertrauensverhältnis genannt, weil Steimle den MDR immer wieder öffentlich kritisiert habe. Tatsächlich war aber spekuliert worden, dass der wahre Grund für die Absetzung Steimles Umgang mit den Themen AfD und Pegida war. Er hatte wiederholt um Verständnis für die Positionen von deren Anhängern geworben.

Dazu sagte er nun: „Ich habe mich nicht für die AfD oder Pegida eingesetzt, weil ich die so sympathisch finde. Aber sehr wohl dafür, mit ihnen zu reden.” Wenn 25 Prozent der Wähler die AfD wählten, könne man diese nicht ignorieren, so Steimle weiter.

„Gedankenfreiheit ist die Hauptschlagader einer Demokratie”

Das Gespräch habe er in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Kraft durch Freunde” geführt, berichtet die SuperIllu in dem Interview. Für dieses Motiv hatte Steimle schon in der Vergangenheit scharfe Kritik eingesteckt. Dazu sagte er nun, der Spruch stamme vom Kabarettisten Werner Finck, der im Dritten Reich im KZ gesessen habe: „Was bitte will man mir unterstellen? Satire muss ätzen, übertreiben, zuspitzen. Gedankenfreiheit ist die Hauptschlagader einer Demokratie. Wird die beschädigt, droht der Infarkt.” In einer Gesellschaft, die beginne, ihre Kasper zu köpfen, lägen die Nerven blank.

Er führte auch aus, dass die Absetzung beim MDR schon sein zweiter Rauswurf bei dem Sender gewesen sei. Kurz nach der Wende sei er dort schon einmal rausgeflogen, weil er in ein Drehbuch geschrieben habe: „Die Wiedervereinigung ist erst vollzogen, wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch gelöscht wurde.” Diesen Satz habe der MDR streichen wollen, wogegen er sich gewehrt habe – darauf hin sei die Zusammenarbeit beendet worden. Später habe der Rundfunkrat seinen Rauswurf allerdings rückgängig gemacht, so Steimle.

Der Kabarettist meldet sich seit dem Beginn der Corona-Zeit regelmäßig via Youtube bei seinen Fans – Auftritte sind derzeit nicht möglich.

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