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Video: Beim Horn kommt es auf die Lippen an

Johannes Gnau ist Solohornist der Neubrandenburger Philharmonie. Er spielt seit 26 Jahren in dem Orchester.
Johannes Gnau ist Solohornist der Neubrandenburger Philharmonie. Er spielt seit 26 Jahren in dem Orchester.
Frank Wilhelm

Teil 2 unserer kleinen Instrumentenkunde: Heute stellen uns Johannes Gnau das Horn vor. Er ist Solist der Neubrandenburger Philharmonie und spielt das Blasinstrument seit seiner Kindheit.

Wie sind Sie zum Horn gekommen?

Ich habe als Kind Blockflöte gespielt. Als ich in Kassel ins Gymnasium kam, wollte ich ins Schulorchester und dort ein Blasinstrument spielen. Spieler fürs Horn wurden gesucht. Ich bekam gleich ein Instrument und auch einen guten Lehrer.

Wie alt waren Sie zu dem Zeitpunkt?

Neun oder zehn Jahre.

Das ist doch relativ spät, wenn man hört, dass Geiger oder Pianisten oft schon mit fünf, sechs Jahren anfangen, ihr Instrument zu erlernen?

Bei der Geige gehört eben viel Technik dazu. Was das Alter anbetrifft, wird das heute auch nicht mehr so eng gesehen. Man kann auch noch später anfangen und trotzdem ein professioneller Hornist werden.

Was schätzen Sie am Horn?

Ich mag den warmen, runden Klang. Wir können mit dem Horn eine sehr große Bandbreite an Klangfarben erzeugen. Wir können sehr leise, aber auch sehr laut spielen. Und wir mischen uns sehr gut mit den Holzblasinstrumenten.

Sie haben immer die rechte Hand im Schallbecher. Warum das?

Einerseits halte ich damit das Horn. Andererseits nehme ich mit Hilfe der Hand Einfluss auf den Klang.

Oft sieht man auch, dass die Hornisten ihre Instrumente schütteln.

Ja, beim Blasen bildet sich oft Kondenswasser, was ab und zu entfernt werden muss. Meist findet sich das Wasser im oberen Teil der Metallröhre. Da gibt es extra Öffnungen, um die Feuchtigkeit rauszuschütteln.

Haben Sie es je bereut, Horn zu spielen?

Nein. wenn ich jetzt als Kind vor die Wahl gestellt würde, ein Instrument zu lernen, würde ich mich wieder fürs Horn entscheiden. Man hat als Kind auch schneller Erfolgserlebnisse als beispielsweise mit der Violine.

Aber sind Sie manchmal nicht neidisch auf die Geiger, Cellisten und Pianisten, die weiter vorne sitzen und bei ihren Soli oft im Mittelpunkt stehen?

Nein. Ab und an durfte ich auch schon Solist spielen. Aber die meisten Komponisten haben in vielen Stücken schöne Stellen für uns Hornisten geschrieben. Wir haben immer gut zu tun. Außerdem trete ich als Hornist nicht nur im Orchester auf, sondern beispielsweise auch mit einem Organisten in Kirchen oder aber zusammen mit meiner Frau, die singt.

Haben Sie Ihr Instrument schon einmal irgendwo vergessen?

Nein, zum Glück noch nie.

Es ist bestimmt auch wertvoll?

Ja. Für ein gutes Horn muss man schon 6000 bis 7000 Euro planen. Einsteiger können aber auch deutlich günstigere, gebrauchte Hörner kaufen.

Unsere Themenseite zu Instumenten finden Sie hier.

Teil 1 – die Oboe – können Sie hier nachlesen.

Johannes Gnau und die Neubrandenburger Philharmonie sind in der kommenden Woche mit dem 2. Philharmonischen Konzert zu erleben. Gespielt werden Werke von Franz Schubert, Richard Strauss (Hornkonzert) und Ludwig van Beethoven. Konzertkirche Neubrandenburg, 12. Oktober, Generalprobe (10 Uhr) und 19.30 Uhr; Theater Güstrow, 13. Oktober, 19.30 Uhr; Theater Neustrelitz, 14. Oktober, 19 Uhr.

Die Töne im Horn werden durch die Lippen erzeugt. Die Lippen vibrieren und man bläst die Luft über das Mundstück ins Instrument. Die Luft versetzt die sich im Horn befindliche Luftsäule in Schwingungen. Der tiefste Ton wird mit der längsten, knapp vier Meter langen Luftsäule erzeugt. Je nachdem, wie der Hornist die Lippen vibrieren lässt, verändern sich die Schwingungen, die wiederum die Naturtonreihe erzeugen. Mit den fünf Ventilen werden die Halbtöne erzeugt. Zudem können die Töne mit Hilfe der im Schallbecher gesteckten Hand variiert werden. Ein Hornist sollte in der Lage sein, über vier Oktaven hinweg zu spielen.