Großraumdiskos

Vom DDR-Dorfbums zur Lasershow der Superlative

Nur wer dabei war, kann mitreden: Nach einem Artikel über Großraumdiskos schwelgen Leser in Erinnerungen. Einer blickt nach vorne und sagt: Die Zeit der Diskotheken war schon vor der Pandemie vorbei. Nun könne es nur noch besser werden in der Partylandschaft von MV.
Sehnsucht nach dem Techno-Bunker: So haben die Leute im legendären Hyperdome in Murchin gefeiert.
Sehnsucht nach dem Techno-Bunker: So haben die Leute im legendären Hyperdome in Murchin gefeiert. NK-Archiv
Neubrandenburg

Früher war mehr Lametta, zumindest wurde eindeutig mehr gefeiert. In den 90er-Jahren und den frühen 2000ern gab es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg noch eine ganze Reihe von Großraumdiskos, in denen die Menschen mindestens jedes Wochenende, oft auch an normalen Wochentagen, feiern gehen konnten. Der Nordkurier hatte in einem Artikel an diese Zeit erinnert – und zahlreiche Leser schwelgten in Erinnerungen.

„Ich habe miterleben können, wie aus dem DDR-Dorfbums, was dann doch eher ein Besäufnis mit Musik war – ein Disco-Tempel mit Lasershow der Superlative wurde”, schreib uns Heiko Krause, ein Leser des Heimweh-Newsletters. Die An- und Abreise sei oft ein Problem gewesen. „Wer ein Moped besaß, der kam natürlich in weiter entferntere Regionen, als mit dem Fahrrad oder zu Fuß.” Nach der Wende sei es dann so richtig abgegangen: „Mit dem aufkommen der ersten Großraumdiscos und als nachher auch fast jeder meiner Kumpels ein Auto besaß, haben wir dann Fahrgemeinschaften gebildet.” Derjenige, der gefahren ist, brauchte keinen Eintritt bezahlen und seine Getränke waren auch frei. „Der brauchte nur nüchtern zu bleiben und sollte uns alle sicher nach Hause fahren. Das klappte immer ganz gut und die Woche darauf war dann ein anderer dran.”

Fotos konnte uns Heiko Krause leider nicht zeigen. „Das Smartphone war noch nicht erfunden und Fotohandys kamen erst seit der Jahrtausendwende auf den Markt, aber da war die Disco-Zeit für mich schon längst vorbei.” Dafür erinnert er sich noch an die Hits von damals: CB Milton mit „Hold on” oder Cartouche mit „Feel the Groove” oder auch Kim Sanders mit „Tell me what you want me”, um nur einige zu nennen.

Der Heimweh-Newsletter des Nordkurier: Wer weggezogen ist, sollte das hier lesen

Keine Smartphones, keine Beweise

„Das Beste daran ist, es gab keine Smartphones und somit gibt es keine Beweise”, kommentierte auch eine Leserin bei Facebook. Was in der Großraumdisko passierte, blieb also auch dort!

Vicki Müller schrieb: „Früher, in unserer Jugend, war es immer ein witziger Spruch zwischen uns 'Kommen die Alten schon zum Sterben her.', wenn die Ü30iger in die Disko kamen.” Heute sei das anders: „Wenn wir auf eine Party gehen und die Jugend so komisch schaut, möchte ich laut rufen: 'Bestell schon mal den Leichenwagen!'" Kleiner Spaß.

In ihrer alten Heimat Neubrandenburg sei es so gewesen: „Freitags sind wir immer über die Lande gezogen. Drögeheide, Röbel, Waren, Torgelow, Neukalen, Neddemin oder irgendwelche kleinen Clubs auf den Dörfern.” Den Sonnabend hätten sie definitiv in Neubrandenburg verbracht. Anfang der 90er waren sie im BAZ, später dann im Schlachthof. „Das Colosseum hat mich nie wirklich umgehauen.”

„Der Alte Schlachthof ist jetzt eine Seniorenresidenz und unser altes Wohnzimmer, das Apart, auch”, kommentierte ein anderer Leser bei Facebook. Andere Namen, die in den Kommentaren immer wieder fallen: Das Heizhaus in Parchim, das alte KKH in Waren/Müritz oder Pasewalk, RWN, Vorfertigung, DVZ, Kraftverkehr, Pflaumenbaum, Waschanlage, der Hyperdome in Murchin, das Easy in Stralsund, das Holiday In Torgelow. Aber Neddemin? „War das nicht eher ein Puff?”, fragt jemand. Das war wohl Ansichtssache.

Die kleinen Partys waren die besten

Die fetten Klubs mussten es sowieso nicht immer sein, schrieb jemand: „Die kleinen, oft 'privaten' Partys nur einmal an einem Ort waren die besten überhaupt.” Und weiter: „Ich wünsche der heutigen Jugend, dass sie irgendwie auch 'Erinnerungen' in die spätere Zeit mitnehmen kann!” Anderer war beim Thema Jugend pessimistischer: „Leider sitzt die Jugend heutzutage mit nem Kasten Bier und einer Bluetooth Box im Park oder am See.” Das sei natürlich auch schön, aber keine große Tanzveranstaltung mehr, so wie früher. Bei der einfach alle dabei waren.

Einig waren sich viele Leute in den Kommentaren unter dem Nordkurier-Artikel bei Facebook, dass dieser Wandel bei den Partys nichts mit der Corona-Pandemie zu tun hat. Das Sterben der Großraumdiskos sei schließlich schon viel früher losgegangen. „Diskotheken sind schon Jahre vor Covid 'Zombies' und eigentlich tote Patienten”, schrieb Christoph Mielke. Er schätzt die Hochzeit der Clubs in MV auf die 90er Jahre bis ungefähr zum Jahr 2008. „Ist alles vorbei, weil alle zu Hause sitzen und Gründe finden, nicht in Clubs zu gehen.”

Sicherlich: Auch die Digitalisierung und die sozialen Medien hätten dazu beigetragen. Heute würden auch andere Branchen den Wandel zu spüren bekommen, mit dem die Diskotheken schon seit Jahren kämpfen. Christoph Mielke zitiert den Rostocker Rapper Marteria, der 2014 textete: „Keiner hat mehr Bock auf kiffen, saufen, feiern”. Denn alle die, die die offenen Clubs jetzt vermissen würden und nach ihnen schreien, waren in den vergangenen Jahren wahrscheinlich nur noch selten dort.

Weiterlesen: Marteria und Feine-Sahne-Sänger Monchi können noch saufen und feiern

„Finde gut, dass die Clubs seit 2020 zu sind.”

Christoph Mielke holt in seinem Kommentar weiter aus und hat eine steile These parat: „Ich finde es gut, dass seit März 2020 die Clubs zu sind. Warum ?! Weil es nach Corona nur besser werden kann und die paar Diskotheken, die es noch gibt, hoffentlich wieder mehr Wertschätzung erhalten und sich das Ausgehverhalten wieder zum positiven korrigiert.”

Er hofft auf bessere Partys nach der Pandemie, mit weniger schlechten Partymottos, „die nachher auch niemanden mehr interessiert haben.” Diese Zwangspause sei absolut notwendig für die Diskotheken und Clubs in ganz Deutschland, schätzt er. Denn die Gästezahlen waren schon länger mies und nicht mehr mit früheren Zeiten vergleichbar. „Sicherlich wird es nicht so mega wie in den 90ern mit Mittwoch, Freitag und Samstag, aber besser sollte es werden nach so einer langen Pause, die noch lange nicht vorbei ist.”

„Umso länger die Clubs zubleiben, umso nachhaltiger werden sie nach der Pandemie auch wieder laufen. So ist zumindest meine Vermutung.” Es dürfte also spannend bleiben und die letzte Party ist definitiv noch nicht gefeiert.

Mehr solcher Erinnerungen liefert der Heimweh-Newsletter des Nordkurier. Wer ihn bis zum 15. April abonniert, kann sogar etwas gewinnen. Mehr Infos gibt es in der Infobox.

Heimweh - der Newsletter für Weggezogene

Der wöchentliche Überblick für alle, die den Nordosten im Herzen tragen. Im kostenfreien Newsletter erzählen wir jeden Montag die Geschichten von Weggezogenen, Hiergebliebenen und Zurückgekehrten und zeigen, wie die Region sich weiterentwickelt.

Jetzt schnell und kostenfrei anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (6)

Je länger Clubs zu bleiben desto besser. So ein Blödsinn dieser Beitrag trägt linientreue in sich. Alles in Verbindung mit corona. NK unerträglich. Bringt mal endlich was anderes.

😅😂

Im Übrigen "Linientreu" - bester Club ever ✌.

Erst googlen, dann rumspasten Talla3XXXL🤣😂.

Bitte nicht chatten ...

Bester Club ever Dorftrottel.

Aber nicht am Bikinihaus in Bln.zoo.

Am Berliner Ostbahnhof. Noch Fragen? Und da ist es besser gewesen. Aber halt Ansichtssache.

als früher im Landkreis MSE tätiger Wirtschaftsberater hätte ich schon ganz gute Idee für eine Wiederbelebung der Partyszene ähnlich Anfang der 2000er Jahre

nur stehen kulturmarxistisch geprägte Gesetze dem entgegen, vor allem das sogenannte "Jugendschutzgesetz", welches seit Jahren immer mehr verschärft wurde (im negativen Sinne). Beispiel: in neukalen wurden selbst 13jährige höchstselten vom Türsteher abgewiesen.