UWE-JOHNSON-TAGE

Vom Experiment zur Erfolgsgeschichte

Die Initiatoren der Uwe-Johnson-Tage können auf ein Jubiläum zurückblicken. Seit 20 Jahren gibt es die Literaturtage und den Preis, der nach dem großen Autor benannt ist.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Die Diskussion über den großen ernsten Uwe Johnson kann auch Spaß machen. Im Gespräch: Autor Norbert Gstrein (links) und MDR-Redakteur Michael Hametner.
Die Diskussion über den großen ernsten Uwe Johnson kann auch Spaß machen. Im Gespräch: Autor Norbert Gstrein (links) und MDR-Redakteur Michael Hametner.
Neubrandenburg.

Zum Auftakt gab es natürlich mehrfache Würdigungen für Uwe Johnson. Die anrührendste gelang Norbert Gstrein. Der aus Österreich stammende Autor war 2013 mit dem Johnson-Preis ausgezeichnet worden. Gstrein beschäftigte sich in seinem Eröffnungsvortrag am Mittwochabend mit den englischen Jahren Johnsons. Nach intensiven Arbeitsjahren in New York wollte Johnson die Rückkehr nach Deutschland nicht mehr gelingen. „Es fällt mir nichts mehr auf in Berlin. In England wird mir etwas auffallen, so viel ist gewiss; nur es wird am Ende nicht das Richtige sein“, zitierte Gstrein aus einem Brief an Hannah Arendt.  Sein letztes Lebensjahrzehnt wohnte Uwe Johnson in Sheerness an der Themse-Mündung. Im Februar 1984, kurz vor seinem 50. Geburtstag, verstarb Uwe Johnson einsam.

Uwe Johnson hat das Wort „Mutmaßungen“ geprägt

80 Jahre alt wäre er in diesem Jahr geworden. „Wenn einer so lange schon tot ist, vergisst man leicht, dass er noch leben könnte“, schreibt Gstrein. „Uwe Johnson, heute achtzig Jahr‘, nur siebenundzwanzig Jahre älter als ich und dabei drei Jahre jünger und fortan für immer der Jüngere. Ich verbeuge mich.“

Gstrein beschreibt damit auch die Aktualität Johnsons, der nicht nur sein Schreiben beeinflusst habe. Allein, was die Rolle der Mutmaßungen betrifft. Zur Erinnerung: Johnsons erster veröffentlichter Roman „Mutmaßungen über Jakob“ (1959) zählt nach wie vor zu den Klassikern der jüngeren deutschen Literatur. Für Gstrein und den MDR-Redakteur Michael Hametner gelten Mutmaßungen als ein Maßstab für die Qualität von Belletristik, wie sie im Zwiegespräch konstatierten. Gegenwartsliteratur halte sich oft zu sehr ans Faktische. Die Fiktion, insbesondere aber der Übergang zum Erfundenen, der „erzählte Zwischenraum“, gehe verloren, sind sich beide einig. Gerade die Mutmaßungen würden aber den Reiz für mündige Leser ausmachen.

Veröffentlichung zum Jubiläum

Da erscheint es fast zwangsläufig, dass Prof. Carsten Gansel, Mitgründer und Vorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft, den Band zum 20. Jahrestag des Johnson-Preises mit „Mutmaßungen“ überschrieb. In dem Buch finden sich alle Laudationes und Dankesworte. Zwei Jahrzehnte, das ist schon ein ziemlich langer Zeitraum, um sich an alle Details der Gründungsgeschichte zu erinnern. Von daher ist den Herausgebern Carsten Gansel, Lutz Schumacher (Nordkurier) und Markus Frank (Gentz & Partner) zu danken, dass der Band durch ein erhellendes Gespräch zwischen Gansel und Detlef Stapf, langjähriger Feuilletonist des Nordkurier, eröffnet wird.

Mutmaßungen. Uwe Johnson und die Gegenwartsliteratur. 20 Jahre Uwe-Johnson-Preis. Verlag für Berlin-Brandenburg, 2014. 239 Seiten, 24,99 Euro. ISBN 978-3-945256-21-3

Das Buch kann in der Geschäftsstelle des Verlagshauses zum Vorzugspreis von 20 Euro erworben werden.

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