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Welturaufführung am Sonntag in Neubrandenburger Konzertkirche

Der alte Meister Georg Friedrich Händel hat es der jungen Pianistin Ragna Schirmer angetan. Seit vier Jahren beschäftigt sie sich intensiver mit dem Klassiker. Entstanden ist ein ganz besonderes Projekt, das sie am Sonntag vorstellt.

Ragna Schirmer gilt als eine der besten deutschen Pianistinnen. Am Sonntag ist sie mit einem ganz besonderen Projekt in der Neubrandenburger Konzertkirche zu erleben.
Frank Eidel Ragna Schirmer gilt als eine der besten deutschen Pianistinnen. Am Sonntag ist sie mit einem ganz besonderen Projekt in der Neubrandenburger Konzertkirche zu erleben.

In Ragna Schirmers Stimme schwingt die Vorfreude mit. „Ich liebe die Konzertkirche. Neubrandenburg besitzt einen der besten Konzertsäle Deutschlands mit einer beeindruckenden Akustik. Hier sieht und hört der Zuschauer auf jedem Platz sehr gut“, schwärmt die Musikerin, die in Halle zu Hause ist. Wie auch Georg Friedrich Händel, der musikalische Sohn der Saale-Stadt. Genau dieser Händel hat es der jungen, mehrfach preisgekrönten Pianistin angetan. „Man darf nicht vergessen, dass Händel in seiner Zeit, vor 300 Jahren, als jemand galt, den wir heute als Popstar bezeichnen würden. Er hat die populäre Musik seiner Zeit geprägt“, sagt Ragna Schirmer.

Da scheint es auf der Hand zu liegen, Händels Musik nicht nur klassisch nachzuspielen, sondern auch modern zu interpretieren. So hat Ragna Schirmer 2009, zum 250. Todestag Händels, sämtliche Cembalo-Suiten des großen Komponisten auf einem modernen Flügel eingespielt. Aktuell steht die Veröffentlichung einer CD-Box mit den Orgelkonzerten kurz bevor, die Ragna Schirmer allerdings nicht auf der Orgel, sondern auf verschiedenen anderen Tasteninstrumenten interpretiert. In einer ersten Version auf einem historischen Hammerflügel mit Begleitung durch ein Barockorchester. In der zweiten Variante gehe sie einen Schritt weiter, sagt sie: Händels Orgelwerk arrangiert für Orchester und einen modernen Konzertflügel. Schließlich die ungewöhnlichste Version: „Händel gespielt auf einer Hammond-Orgel, begleitet von Koryphäen der Jazz-Musik“, sagt Ragna Schirmer. Am Sonntag habe das Neubrandenburger Publikum die einmalige Gelegenheit, alle drei CD-Teile in einem Konzert zu erleben.

Für solch ungewöhnliche Projekte braucht es auch ungewöhnliche, weil kreative Partner. Einen fand Ragna Schirmer in Neubrandenburgs Generalmusikdirektor Stefan Malzew. Der Chefdirigent ist bekanntermaßen experimentierfreudig, wenn es um die Vermittlung klassischer Musik geht. Zudem hat er eine Affinität zum Jazz, spielte selbst jahrelang Klarinette in einer Kombo. Das traf sich gut, suchte Ragna Schirmer doch einen Arrangeur, der Händels Orgelmusik umschreibt für Saxophon, Posaune, Schlagzeug und Bass – und eben die Hammond-Orgel von Ragna Schirmer. Malzew sei ihr von zwei Kollegen empfohlen worden. Zudem wisse sie, dass er bei aller Experimentierfreudigkeit „großen Respekt vor der Hinterlassenschaft der alten Komponisten hat“.

Anfang des Jahres habe sie ihn angerufen und gefragt, ob er bei ihrem Händel-Projekt mittun wolle. Malzews Antwort: „Lust sofort, Zeit muss ich sehen.“ Doch natürlich erlag er dem Reiz des ungewöhnlichen Projekts. „Ich habe nicht lange überlegt“, sagt er. In wenigen Wochen schrieb er die Orgelmusik für eine kleine Jazzformation um. Dem Quintett obliegt quasi die Aufgabe des Orchesters.

Malzew suchte auch die Musiker, die Händel-Musik in hoher Qualität jazzen können. Er sei überrascht gewesen, dass er einige der Besten der Zunft recht schnell gewinnen konnte: Prof. Peter Weniger (Saxophon) – künstlerischer Leiter des Jazz-Instituts Berlin –, Gerhard Presencer (Trompete), Geoffroy de Masur  an der Posaune, Matthias Daneck (Schlagzeug) sowie Winfried Holzenkamp, „ein Traum von einem Bassisten“, wie Malzew sagt.

Und, was würde Händel dazu sagen, dass er gejazzt wird? Malzew lacht. „Händel wäre begeistert, da bin ich mir sicher! Er war selber ein Lustmensch.“

Am Sonntag in der Neubrandenburger Konzertkirche haben die Zuhörer die einmalige Chance, alle drei Teile des Händel-Projekts von Ragna Schirmer zu erleben. Der Jazz-Part gilt sogar als Welturaufführung.

Von Händel bis Hammond, unter anderem mit Ragna Schirmer an den Tasten, Philharmonie Neubrandenburg , Prof. Peter Weniger (Saxophon), Gerhard Presencer (Trompete), Geoffroy de Masur (Posaune), Matthias Daneck (Schlagzeug) sowie Winfried Holzenkamp (Bass).
Sonntag, 29. September, 18 Uhr.
Die CD-Kollektion „Georg Friedrich Händel: Concertos“ kommt am 1. November in den Handel.

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