Premiere in Hamburg

Wenn selbst Harry Potter zu scheitern droht

Vor gut anderthalb Jahren sollte „Harry Potter und das verwunschene Kind” an den Start gehen. Doch Dumbledores Jünger konnten das Virus nicht wegzaubern. Jetzt konnte die Premiere gefeiert werden.
Die Erwachsenen müssen es am Ende richten: Hermine (von links), Ron, Ginny, Harry und Draco.
Die Erwachsenen müssen es am Ende richten: Hermine (von links), Ron, Ginny, Harry und Draco. Manuel Harlan
Das Stück startet auf dem Bahnhof mit dem Abschied der Kinder von Hermine und Ron, sowie von Harry und Ginny.
Das Stück startet auf dem Bahnhof mit dem Abschied der Kinder von Hermine und Ron, sowie von Harry und Ginny. Manuel Harlan
Plötzlich taucht wieder das dunkle Mal auf. Ist der dunkle Lord zurück?
Plötzlich taucht wieder das dunkle Mal auf. Ist der dunkle Lord zurück? Manuel Harlan
Er hat den dunklen Lord getötet und die Welt gerettet. Doch an der Erziehung seines Sohnes droht er zu scheitern: Harry P
Er hat den dunklen Lord getötet und die Welt gerettet. Doch an der Erziehung seines Sohnes droht er zu scheitern: Harry Potter (Markus Schöttl). Manuel Harlan
Was tun? Harry Potter und Zaubereiministerin Hermine Granger warnen das MInisterium vor der Rückkehr des dunklen Lords.
Was tun? Harry Potter und Zaubereiministerin Hermine Granger warnen das MInisterium vor der Rückkehr des dunklen Lords. Manuel Harlan
Natürlich wird auch gezaubert in „Harry Potter und das verwunschene Kind”.
Natürlich wird auch gezaubert in „Harry Potter und das verwunschene Kind”. Manuel Harlan
Hamburg

Er hat den Stein der Weisen gefunden. Er hat den dunklen Lord Voldemort bezwungen. Er hat die Welt gerettet. Harry Potter, der Zauberer, der Generationen von Kindern und Erwachsenen entzückt hat. Doch an der Erziehung seines Sohnes Albus droht er zu scheitern.

Der junge Mann, mitten in der Pubertät steckend, wird erdrückt von der Berühmtheit seines Vaters, so erzählt es die Schöpferin Harry Potters, die englische Schriftstellerin J. K. Rowlings in ihrem Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind”. Nachdem das Drama bereits in London und den USA Erfolge feierte und zahlreiche Theaterpreise abräumte, sollte die Deutschlandpremiere im eigens dafür umgebauten „Mehr! Theater”! Hamburg im Frühjahr 2020 gefeiert werden.

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Doch dann kam das Coronavirus, so dass das Theaterspektakel nun erst am Wochenende seine Erstaufführung feierte. Und was für eine: Selbst die 2Gplus-Bestimmungen konnte die Laune der Potter-Fans nicht verderben. Nach mehr als sechs Stunden reiner Theaterspielzeit gab es stehende Ovationen. Samt Pausen kamen Darsteller und Publikum auf mehr als acht Stunden Aufenthalt in magischen Welten.

Rowling spielt mit der Zeit

In solch zauberhafte Welten werden die Zuschauer durch das knapp 50-köpfige Schauspielerensemble zusammen mit den vielen Experten im Hintergrund tatsächlich entführt: Es öffnen sich überraschende Räume und Zeiten, die „guten alten Zeiten” der Zauber-Schule Hogwarts und die weniger guten Zeiten des dunklen Lords und seiner Anhänger.

Rowling spielt mit der Zeit, indem sie Harry Potters Sohn Albus (überzeugend in seinen Zweifeln dargestellt von Vincent Lang) und seinem Freund Scorpius Malfoy (herrlich durchgeknallt Mathias Reiser) einen Zeitumwandler in die Hand gibt, der es ihnen ermöglicht, um Jahrzehnte zurückzureisen. So wollen sie versuchen, den einst im Trimagischen Turnier getöteten Cedric Diggory zu retten.

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Doch bei ihren Reisen bringen sie die Zauberwelt ordentlich durcheinander, so dass doch wieder die Erwachsenen eingreifen müssen: Die Zaubereiministerin Hermine Granger (Jillian Anthony spielt souverän, wie Hermine eben schon immer war), ihr Mann, der Zauberartikel-Unternehmer Ron Weasley (Sebastian Witt sorgt für viel Humor), Draco Malfoy (ein sehr kühler Alen Hodzovic) und eben Harry Potter (Markus Schöttl spielt nicht den heldenhaften, sondern einen nachdenklichen Harry).

Glänzende Ensemble-Leistung

Dank des genialen Zeitumwandler-Einfalls werden Bewohner der Zauberwelt wiederbelebt, die längst schon von uns gegangen waren: Severus Snape und Lord Voldemort (Uwe Serafin auf den Spuren von Alan Rickmann und Ralph Fiennes) sowie natürlich der größte Zauberer aller Zeiten Albus Dumbledore (Fritz Hille gibt Harry väterliche Ratschläge aus dem Gemälde). Man mag aber eigentlich gar keine Schauspieler hervorheben, weil es eine glänzende Ensemble-Leistung war.

Zwei Darstellerinnen seien aber doch noch genannt: Anita Maria Gramser spielt eine souveräne Professorin McGonegall, die sich selbst von einer Zauberministerin Granger und einem Harry Potter nicht den Mund verbieten lässt. Und Glenne Weber gibt eine wunderbar witzige Maulende Myrthe, die Harry auch nach fast 30 Jahren noch anschmachtet.

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Die große Frage für viele Fans war aber, ob es gelingt, auch Magie und Illusionen überzeugend auf eine Bühne zu bringen, schließlich befinden wir uns in einer Zauberwelt. Ja, das ist ohne Zweifel gelungen: Sprechende Bücher, Reisen mit Flohpulver über das Kamin-Netzwerk und wirklich gruselige, durch den Zuschauersaal rauschende Dementoren, die den Menschen die glücklichen Gedanken aussaugen, sind zu erleben. Und natürlich noch viel mehr.

Karten für beide Teile ab 99,90 Euro www.harry-potter-theater.de

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Hamburg

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