Operetten-Rezension

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"Wie einst im Mai": Eine sommerliche Romanze mit frecher Berliner Schnauze

Vorne: Angostura (Viola Zimmermann), Fritz Jüterbog (Bernd Könnes) und Ottilie von Henkeshofen (Lena Kutzner) tanzen auf der großen Bühne vor begeistertem Publikum.
Vorne: Angostura (Viola Zimmermann), Fritz Jüterbog (Bernd Könnes) und Ottilie von Henkeshofen (Lena Kutzner) tanzen auf der großen Bühne vor begeistertem Publikum.
Jörg Metzner

Die Operette hielt die Zuschauer nicht auf den Sitzen. Die Premiere der Festspiele im Neustrelitzer Schlossgarten überraschte mit nostalgischem Charme und prominenten Gästen.

Unvergessliche Open-Air-Unterhaltung geht auch ohne Krawall-Effekte. Das hat das Musiktheater Ensemble auf den diesjährigen Festspielen im Schlossgarten Neustrelitz eindrucksvoll bewiesen. Mit Ohrwurm-Evergreens und Tänzen von schwebender Leichtigkeit hat die Premiere von „Wie einst im Mai“ das Publikum in ihren Bann gezogen.

Bei zahlreichen Liedern haben die Zuschauer unentwegt mitgeklatscht. Zum Finale hat es niemanden auf dem Platz gehalten. Stehende Ovationen rundeten den Abend voll nostalgischem Berliner Charme ab.

Einfacher Arbeiter und Adlige unsterblich verliebt

Dabei fußt die bittersüße Operette von Walter und Willi Kollo auf einer tragischen Geschichte: Der einfache Arbeiter Fritz Jüterbog (Bernd Könnes) und die Adlige Ottilie von Henkeshofen (sehr wandlungsreich: Lena Kutzner) haben sich in Berlin unsterblich ineinander verliebt. Doch ihre Klassenunterschiede treiben die beiden auseinander.

Sie heiraten andere Partner, bekommen schließlich Kinder. Über Jahrzehnte hinweg treffen sie immer wieder aufeinander. Doch die Liebe kann erst in einer späteren Generation die sozialen Differenzen überwinden.

Leichtigkeit durch irrwitzige Wortspiele

Klingt kitschig, ist es aber bei Weitem nicht: Die Inszenierung strahlt mit frecher Berliner Schnauze und irrwitzigen Wortspielen eine Leichtigkeit aus, der sich der Zuschauer schwer entziehen kann. Die Neubrandenburger Philharmonie unter Leitung von Panagiotis Papadopoulos legt eine außergewöhnliche Performance hin. Für reizende Hingucker sorgt die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz.

Bernd Könnes fängt mit seinem Gesang den Zeitgeist der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts perfekt ein. Überaus komisch: Andrés Felipe Orozco als ewiger Frauenheld Stanislaus von Methusalem. Mit außerordentlicher Spielfreude schafft er Lacher und Schwung gleichermaßen. Außerdem hervorzuheben: Viola Zimmermann spielt eine herrlich absurde Femme fatale.

Plakatierung verändert sich in den Jahrhunderten

Das Bühnenbild ist gewohnt liebevoll ausgestaltet – wirkt zuweilen aber etwas leer. Regisseur Reinhardt Friese hat sich bewusst für eine dezente Ausstattung des Hintergrunds entschieden: „Das hat das Stück nicht nötig“, sagt Friese. Es sei ohnehin eine starke Geschichte.

Die teils großen Zeitsprünge müsse der Zuschauer unbedingt mitbekommen. „Wir wollen davon nicht ablenken.“ Dennoch erfreuen einige kleine Details auch Zuschauer, die gerne genauer hinschauen: So verändert sich in den gespielten Jahrzehnten mitunter die Plakatierung der typisch berlinerischen Litfaßsäulen. Die Darsteller wechseln so oft ihre Kleider, dass sich die rund 200 Kostüme kaum zählen lassen.

Fulminantes Feuerwerk am Nachthimmel

Mit gesellschaftskritischen Anspielungen wird auch nicht gegeizt: Die Aristokratie lässt lieber das Geld für sich arbeiten, als auch nur einen Finger zu krümmen. Und die kleinen Bauern sehen einer dunklen Zukunft entgegen.

Mit etwa 1000 Zuschauern war die große Bühne am Premieren-Abend gut gefüllt. Das fulminante Feuerwerk am Nachthimmel begann noch während der letzten Gesangseinlage – eine Reizüberflutung.

Überraschend: Neben der regionalen Politprominenz wohnten dem Spektakel einige Ehrengäste bei. Die Familie Kollo – Nachfahren der Komponisten – saß an einem kleinen Tisch vor der Tribüne.

Die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz zeigen die Berliner Operette „Wie einst im Mai“ mit Musik von Walter und Willi Kollo. Die nächsten Vorstellungen finden am 12. und 13. Juli statt. Auch am Tag des Nordkurier am Samstag, den 14. Juli. Alle Termine und Karten unter www.theater-und-orchester.de.