Mike Svoboda (62) ist auf Guam (USA) im Pazifik geboren und lebt heute in Basel. Wer den sympathischen Komponisten und Musiker
Mike Svoboda (62) ist auf Guam (USA) im Pazifik geboren und lebt heute in Basel. Wer den sympathischen Komponisten und Musiker interviewt, kann sich auf ein Gespräch freuen, in dem viel gelacht wird. Michael Fritschi
Mike Svoboda

Wie fühlt sich ein Amerikaner in Neubrandenburg?

Der gebürtige US-Amerikaner Mike Svoboda hat bei einem seiner Auftritte in der Konzertkirche gekniet. Für ein Auftragswert spielt der Posaunist bald eine eigene Komposition in Neubrandenburg. Ein Interview.
Neubrandenburg

Wie kam es denn zu dem Auftrag der TOG?

Ich hätte eigentlich schon vor zwei Jahren als Artist in Residence mit der Philharmonie spielen sollen. Aber durch Corona ist alles verschoben worden. Sebastian Tewinkel, der Generalmusikdirektor, hatte die Idee, mir einen Auftrag für ein Werk zu geben, das ich für das Orchester schreibe. Weil es ein Ko-Auftrag zusammen mit einem Schweizer Orchester ist, fand die ursprünglich in Neubrandenburg geplante und wegen Corona verschobene Uraufführung bereits statt. Aber ich glaube, das spielt keine große Rolle. Für die Zuhörer und das Orchester ist es ein ganz neues Stück.

Gibt es bei solchen Aufträgen Vorgaben?

Es gibt schon gewisse Vorgaben, aber nichts, was den Ausdruck oder den Inhalt betrifft. Der Auftraggeber sagt mir, welche Länge das Werk haben und mit welcher Besetzung es gespielt werden soll. Im Fall der Neubrandenburger Philharmonie stand fest, dass ich ein kürzeres Stück schreiben werde, das zum Anfang des Philharmonischen Konzertes erklingen soll. Das Werk ist zehn Minuten lang, hat einen energischen Charakter und eignet sich deshalb gut für den Beginn eines Konzerts.

Ihre Kompositionen tragen oft seltsame Namen wie „Die Katze, die ihre eigenen Wege ging“ oder „vielleicht ja, vielleicht nein“. Die aktuelle Komposition heißt einfach nur „Play“. Warum?

Man muss vielleicht auch den Untertitel beachten. Das Stück ist dem freien Geist gewidmet, der in jedem Musiker, jeder Musikerin steckt. Nach der langen Pause, in der wir kaum gemeinsam Kunst machen konnten, wollte ich das Zusammenspiel eines Orchesters zelebrieren. Das, was Musik ausmacht, das Interagieren, das Miteinander. Es geht um das Spiel, um „Play“.

Ist es eher selten, dass Sie Auftragswerke schreiben?

Es ist eher die Regel. Davon lebe ich ja auch. Das Honorar für die Komposition ist das eine, der Komponist bekommt aber auch Tantiemen, wenn das Werk an anderen Orten wieder aufgeführt wird.

Wie gestaltet sich vom Aufwand her das Verhältnis zwischen der Arbeit als Soloposaunist und dem Komponieren?

Posaune muss ich jeden Tag spielen, um in der Übung zu bleiben. Komponieren tue ich oft beim Spazierengehen, Busfahren oder Einkaufen. Wenn ich diese Idee niederschreibe, sitze ich natürlich lange am Tisch. Ich würde sagen, es ist ein produktives Hin und Her zwischen Posaune und Komponieren. Aber auf jeden Fall liegt mein Hauptfokus auf dem Komponieren.

Was erwartet die Zuhörer mit „Play“: schräg modern oder klassisch harmonisch?

Harmonie spielt in dem Stück natürlich eine große Rolle. Es handelt sich eher um ein rhythmisch geprägtes Werk. Es ist feingliedrig, aber auch energisch. Das Besondere ist: Die ersten drei Minuten spielen die Musiker ohne Dirigent.

Ach was?

Es fängt sehr überraschend an: Der Dirigent hat noch gar keine Zeit gehabt, die Bühne zu betreten, da geht es schon los. Die Musiker interagieren miteinander, teils über die große Distanz innerhalb des Orchesters. Dann verdichtet sich die Musik, der Dirigent kommt, und es geht in eine andere Richtung weiter.

Bei einem Ihrer ersten Auftritte in der Konzertkirche sollen sie auf der Bühne gekniet und gespielt haben.

Ja, das stimmt, ich erinnere mich. Der Konzertmeister hat mich mit seinem Bogen erstochen. Es war ein Drama!

Bei Ihnen ist offensichtlich immer auch ein Überraschungsmoment dabei. Und sogar Humor.

Ich schreibe meine Musik ja nicht nur für mich, sondern für die Menschen, die zuhören. Und die will ich natürlich auch mit etwas Neuem erreichen, damit sie sich damit beschäftigen. Ich will ihrer Kreativität Raum geben. Deshalb gebe ich mit meinen Werken möglicherweise Rätsel auf, das kann vielleicht etwas anstrengend sein. Aber keine Sorge! Das neue Werk ist lustig, leicht, manchmal vielleicht etwas laut. Aber es tut nicht weh.

Die Posaune als Soloinstrument in der Klassik ist ungewöhnlich. Wie kamen Sie dazu?

Ich wollte als Kind eigentlich Klarinette spielen. Aber mein Vater hat mir eine Posaune gegeben. Und ich tue jetzt das, was ich kann mit dem Ding. Es gibt einige schöne Werke für die Posaune. So auch das Stück des Dänen Launy Grøndahl, das ich mit der Philharmonie Neubrandenburg spiele. Ich spiele das zum ersten Mal im Konzert.

Ihr Landsmann Gershwin hat „Ein Amerikaner in Paris“ geschrieben. Wie fühlen sie sich als Amerikaner in Neubrandenburg?

Ich lebe mittlerweile 40 Jahre in Europa. Ich war auch schon vor meiner Zeit als Artist in Residence in Neubrandenburg, auf Einladung des damaligen GMD Stefan Malzew bei mehreren Konzertnächten. Neubrandenburg finde ich super. Es ist eine tolle Gegend.

Und das Orchester mit Sebastian Tewinkel, der ein ganz anderer Typ als Malzew ist?

Ich kenne Sebastian Tewinkel lange. Er hat schon zwei meiner Uraufführungen dirigiert, 2003 das erste Mal. Er ist ein super Dirigent, und die Atmosphäre im Orchester ist sehr angenehm. Es ist selten, dass ein Orchester so gut beieinander ist.

Und dann auch noch die tolle Konzertkirche.

Ja, die Kirche ist wirklich großartig. Und das Publikum bei den Generalproben finde ich toll. Das ist wirklich einmalig, das kenne ich aus keiner anderen Konzertstadt.

9. Philharmonisches Konzert: Mike Svoboda: „Play“, Launy Grøndahl: Konzert für Posaune und Orchester, Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2.

Konzertkirche, 5. Mai, 10 Uhr (Öffentliche Generalprobe), 19.30 Uhr (Premiere)

Barlach-Theater Güstrow, 6. Mai, 19.30 Uhr

Landestheater Neustrelitz, 8. Mai, 18 Uhr.

Da die Corona-Regeln aufgehoben sind, gibt es noch Karten für alle Konzerte beim Ticketservice und an den Abendkassen. Mehr Informationen hier.

Mehr Lesen: Die Konzertkirche, sie lebe hoch!

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