ZEITZEUGE NIKLAS FRANK

Wie sich die Sprache von Nazis und AfD gleicht

Niklas Frank ist der Sohn des Generalgouverneurs der Nazis in Polen, Hans Frank. Für seine Verbrechen wurde Hans Frank gehenkt. Sein Sohn erkennt ihn heute in Parolen der AfD wieder.
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Hans Frank zusammen mit Adolf Hitler, für den er vor 1933 als Rechtsanwalt tätig war.
Hans Frank zusammen mit Adolf Hitler, für den er vor 1933 als Rechtsanwalt tätig war. Niklas Frank
Niklas Frank wird am Montag sein aktuelles Buch im Stadtarchiv Neubrandenburg vorstellen.
Niklas Frank wird am Montag sein aktuelles Buch im Stadtarchiv Neubrandenburg vorstellen. Niklas Frank
„Mein Vater grinst mich frech an.” Hans Frank nach der Hinrichtung 1946.
„Mein Vater grinst mich frech an.” Hans Frank nach der Hinrichtung 1946. Niklas Frank
„Nur ein schöner Moment mit dem Vater.” Niklas Frank als Kind mit seinen Eltern Hans und Maria Frank.
„Nur ein schöner Moment mit dem Vater.” Niklas Frank als Kind mit seinen Eltern Hans und Brigitte Frank. Niklas Frank
Hans Frank war Generalgouverneur in Polen und galt als „Schlächter von Polen”.
Hans Frank war Generalgouverneur in Polen und galt als „Schlächter von Polen”. Niklas Frank
Neubrandenburg.

Immer wieder fühlt sich der heute 80-jährige Niklas Frank an seinen Vater Hans Frank und die Nazis erinnert, wenn die AfD Ausländer sowie politisch andersdenkende Journalisten und Politiker kritisiert. In einem Interview mit dem Nordkurier erinnerte er unter anderem an eine Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Hochtaunuskreis, die Mitte 2018 erklärt hatte: „Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Pressehäuser gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken.”

Sein Vater Hans Frank (1900-1946) hatte 1930 an seinen NSDAP-Parteifreund Wilhelm Frick telegrafiert: „Ich schwelge in dem Gedanken, einige jüdische Redakteure wegen Beleidigung des nationalsozialistischen Innenministers hinter Schloss und Riegel gebracht zu sehen.” Frick wurde später unter Hitler Reichsinnenminister und 1946 in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und wie Hans Frank hingerichtet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main hatte die Ermittlungen gegen die AfD Hochtaunus im Übrigen Anfang 2019 eingestellt.

Vater galt als "Schlächter von Polen"

Hans Frank war vor der Machtergreifung der Nazis Rechtsanwalt von Adolf Hitler. Während des Zweiten Weltkrieges agierte Hans Frank als Generalgouverneur für Polen. Er galt angesichts zahlreicher Erschießungen und Deportationen von Juden als „Schlächter von Polen”. 1946 wurde für seine Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingerichtet.

Niklas Frank wird am Montag zu einer Lesung in Neubrandenburg erwartet. Er hat sich in dem Buch „Mein Vater. Eine Abrechnung” äußerst kritisch mit seinem Vater auseinandergesetzt. Später ebenso mit seiner Mutter Brigitte (1895-1959) und seinem Bruder Norman. Angesichts der Sprache vieler AfD-Funktionäre habe er heute das Gefühl, dass ihn sein Vater heute wieder von seinem Totenfoto aus „frech anlacht“.

„Ich bewahre dieses Foto meines Vaters in der Innentasche einer Jacke. Wenn ich sie anziehe, schaue ich mir das Bild immer mal wieder an. Gerade in den letzten Jahren grinst er mich triumphierend an. Wenn ich heute teils führende AfD-Mitglieder höre, denke ich: Da spricht ja mein Vater!”, sagt Niklas Frank.

Auch Gauland erinnert an Hans Frank

So habe sein Vater 1942 in einer Rede in Lemberg (heute die ukranische Stadt Lwiw, Anm. d. Red.) über die deportierten Juden sarkastisch gelästert: „Was ist denn das? Es soll doch in dieser Stadt einmal Tausende und Abertausende von diesen Plattfußindianern gegeben haben – es war keiner mehr zu sehen. Ihr werdet doch am Ende mit denen nicht böse umgegangen sein?”

Das erinnere ihn doch stark an den „Humor” von AfD-Chef Alexander Gauland, der über die Migrationsbeauftragte Aydan Özoğuz sagte: „Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.”

"Das ist einfach Mordlust"

Zuvor hatte Niklas Frank in dem Spiegel-Beitrag „Da spricht ja mein Vater” weitere Parallelen zwischen der Sprache von NSDAP-Funktionären und AfD-Funktionären gezogen, zum Beispiel von der Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch. Sie habe bei Facebook ein „Ja” gepostet auf die Frage: „Wollt Ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?” Dies erinnere ihn an einen Satz seiner Mutter Brigitte Niklas, die zehn Jahre nach dem Tod seine Vaters an eine Freundin geschrieben hatte: „Wenn ich an früher denke, wir waren gnadenlos.”

Niklas Frank glaubt nicht, dass es sich bei solchen Äußerungen von Gauland und anderen AfD-Funktionäre wie Bernd Höcke mit seiner „Denkmal der Schande”-Äußerung über das Berliner Holocaust-Denkmal um missverstandene Äußerungen handele. „Das kann kein Lapsus sein. Das ist immer wohl überlegt und formuliert, das ist einfach Mordlust.”

Dass sich Höcke nach der Thüringen-Wahl als „bürgerlicher Patriot“ bezeichne, weise er zurück. „Das ist er nun wirklich nicht. Bernd Höcke will garantiert kein demokratisches Deutschland. Er mag Patriot sein, aber ein Patriot, der eine deutsche Diktatur bevorzugt”, warnte Niklas Frank.

 

Niklas Frank wird am Montag, 4. November, um 19 Uhr im Stadtarchiv Neubrandenburg sein Buch "Dunkle Seele, feiles Maul" vorstellen, in dem es um die Entnazifizierung in Ost- und Westdeutschland geht.

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Kommentare (2)

der nach seinem Ableben in den Himmel gekommen ist - auch Kohl nicht - die lügen Alle

Und Morgen wird er sich seinen "Judaslohn" abholen!