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Wie Zombiejäger das Sprechen lernen

Das Berliner Synchonisationsstudio Eurosync macht die US-Serie „The Walking Dead“ auch fürs deutsche Publikum verständlich.
Das Berliner Synchonisationsstudio Eurosync macht die US-Serie „The Walking Dead“ auch fürs deutsche Publikum verständlich.
Stephanie Pilick

Neue Folgen der Kultserie „The Walking Dead“ laufen bereits 24 Stunden nach der US-Ausstrahlung im deutschen Pay-TV. Für das Synchronstudio heißt das wenig Vorlauf und sehr viel Stress.

Zombiejäger Tyreese hat einen ruhigen Moment. Er starrt aus dem Fenster des Jeeps, eine graue Landschaft mit kaputten Häusern zieht vorbei. „Mit meinem Dad haben wir früher immer die Nachrichten  ...“, sagt er jetzt mit rauer Stimme. „Schön beiläufig. Nicht zu dramatisch“, unterbricht Regisseur Hans-Jürgen Wolf die Aufnahme. Im Synchronstudio Eurosync in Berlin bekommen die Figuren der US-Fernsehserie „The Walking Dead“ ihre deutschen Stimmen verliehen. Der Schauspieler Michael Deffert spricht seit zwei Jahren den bulligen Zombiejäger Tyreese, im Original verkörpert von Chad L. Coleman. „Auf die 12 und Kopp‘ ab“, so beschreibt Deffert seine Figur.

Denn auch wenn die Serie auf mehr setzt als bloßes Gemetzel – bekannt geworden ist sie nicht für einfühlsame Dialoge. Eine Gruppe Überlebender kämpft nach der Zombieapokalypse gegen die Untoten. Es wird reichlich geröchelt und gestöhnt, wenn sie aufeinander losgehen – mit bloßen Händen, Schlagstöcken, Schusswaffen oder sonstigem Gerät. Die Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle lassen in der deutschen Version immer wieder brutale Szenen des US-Originals entfernen.

Die aktuelle Episode gehört zur fünften Staffel und soll Anfang Februar im deutschen Pay-TV von Fox laufen, 24 Stunden nach dem US-Termin. Mehr darf nicht verraten werden. Zu groß ist die Sorge der Produzenten, dass vorzeitig Details über die Entwicklungen in der fiktiven Welt nach außen dringen. Deshalb starrt Deffert im Aufnahmestudio auf ein körniges Filmbild, während er sich darauf konzentriert, den deutschen Satz möglichst synchron zur Lippenbewegung des US-Schauspielers zu sprechen.

Zusätzlich läuft ein roter Balken durch das Bild, permanent ist der Name des Synchronstudios wie ein Wasserzeichen zu sehen. Einmal sollten für die Synchronisierung geschwärzte Bilder kommen, auf denen nur die Mundbewegungen nicht aber Handlung und Umgebung zu sehen gewesen wären. Das Studio in Deutschland wehrte sich nachdrücklich. „Wir machen schließlich kein Hörspiel“, sagt Bernd Kupke, Eurosync-Geschäftsführer.

Zeitdruck führt auch zu Nachtschichten

Mit 270 000 Zuschauern ist die Serie laut Fox die meistgesehene im deutschen Bezahlfernsehen. Die Zuschauer erwarten eine perfekt synchronisierte Fassung, sagt Nicole Traunmüller von Fox. Und das 24 Stunden nach der US-Premiere.

Dem Synchronstudio bleiben deshalb nur anderthalb Wochen für die komplette Produktion. Anhand des Originalvideos und dessen Textfassung wird eine Rohübersetzung angefertigt. Der Autor schreibt dann ein lippensynchrones deutsches Dialogbuch, wofür er im Schnitt drei Tage braucht. Der Dialog-Text wird passend zum Video in kleine Häppchen, die sogenannten Takes, unterteilt. Bei einer 45-minütigen Episode sind es etwa 500 Takes, die später im Studio eingesprochen werden. Später müssen Geräusche und Sprache noch gemischt werden.

Der Druck bei „The Walking Dead“ ist hoch: „Manchmal kommt das Material aus den USA noch später als angekündigt, aber der Sendetermin bleibt ja der gleiche“, sagt Kupke. Dann müssten Übersetzer und Autoren auch mal nachts arbeiten.

Erster Sendetermin der zweiten Hälfte der fünften Staffel bei Fox ist der 9. Februar um 21 Uhr. Danach folgen die Fortsetzungen jeweils montags zur selben Uhrzeit.