SCHLOSSGARTEN-FESTSPIELE

Willkommen zum bunten Karnevalstrubel

Die Neustrelitzer Sommeroperette „Der Graf von Luxemburg“ treibt einem am lauen Sommerabend die Schweißperlen auf die Stirn. Marcel Auermann gibt einen Überblick darüber, was das Stück so besonders macht.
Nordkurier Nordkurier
Romantisch, bunt und schick: die Neustrelitzer Inszenierung unterhält wunderbar das Publikum.
Romantisch, bunt und schick: die Neustrelitzer Inszenierung unterhält wunderbar das Publikum. Kunstmann
Neustrelitz.

Kostüme

Mund zumachen! Doch ja, bei diesem Farbenrausch, bei diesem Glitter und Glamour, bei diesen feinen Roben kann einem der Mund offen stehen bleiben. Es scheinen fast minütlich Menschen auf die Bühne zu strömen und auch wieder abzugehen, die neue Kleider anhaben. Ein bisschen fühlt man sich wie bei den Pariser Modenschauen. Kostüme über Kostüme – von edel über protzig bis kurios. Wähnt sich der Zuschauer im einen Moment noch im Zirkus, befindet er sich im nächsten schon im Karneval und schließlich beim eleganten Hoffest. Die Darsteller schleifen schwere Mäntel mit üppigem Pelzbesatz über die Bretter, sie verstecken sich hinter bunten Masken oder sie defilieren in dreiteiligen Anzügen vorbei, bei denen die Hosen Bügelfalten besitzen, dass man sich dran schneiden könnte. Wolfgang Lachnitt macht aus dem „Grafen“ gleich im ersten Akt ein Hoffest, einen Maskenball.

Atmosphäre und Bühne

Dieses Spektakel – man kann es nicht anders sagen – fährt das Team natürlich nicht nur auf, weil es jeder gerne funkeln sieht, dass es einem die Augen verblitzt. Nein, die Kostüme signalisieren die Stimmungen. Das Auf und Ab der Gefühle. Das Luxuriöse genauso wie das Bettelarme. „Der Graf von Luxemburg“ funktioniert vermutlich nur so. Dass der Operndirektor dafür das ganze Jahr über haushalten muss wie ein knausriger Stadtkämmerer, zahlt sich aus. Die Bühne mit ihrer Breite von 44 Metern ist phänomenal. Sie lässt Weite zu, die Luft zum Atmen, passend zum Pariser Charme, dieser Stadt der Liebe, in der das Stück von Franz Lehár spielt. Zwei Schlosser und drei Schreiner hämmerten, schweißten und nagelten an diesem Monstrum. Langweilig wird es dem Zuschauer bei dieser Inszenierung ganz sicher nie. Ständig wuselt es, plaudern, flanieren die Statisten oder gibt es Clownerien zu sehen. Das alles passt so fantastisch in einen Sommerabend. Das alles ist Operette – leichter als die Oper und etwas gehobener als das Musical.

Handlung

Der Inhalt ist schnell erzählt: Der Graf, der sein Erbe verjuxt hat, gibt der Bürgerlichen Angèle Didier gegen Geld sein Jawort, damit sie nach der schon vorab geplanten Scheidung standesgemäß genug ist für den fürstlichen Gatten Basil Basilowitsch. Der flirtet allerdings schon seit Jahr und Tag mit Gräfin Stasa Kokozow. Und wer kann schon damit rechnen, dass sich der Graf tatsächlich in die attraktive Angèle verliebt und dass Stasa plötzlich vor Basil steht und auf die Hochzeit pocht. Letztlich kommen die Paare zusammen, die in den Herzen der Zuschauer zusammengehören. Herrje, Kitsch kann so schön, so romantisch, so gerecht sein.

Witzigste Figur

Bernd Könnes als Fürst Basil Basilowitsch ist eine einzige Lachnummer. Bitte nicht falsch verstehen. Er ist herrlich lustig. Selten sah man einen so vergnügten, frivolen, lustmolchigen Basil, dem das Hirn in die Hose rutschte. Dazu diese Spielfreude und der Witz, den Könnes an den Tag legt – der Zuschauer könnte ihm ewig lauschen.

Beste Stimmen

Natürlich jauchzen die Damen im Publikum, als zum ersten Mal Alexander Geller als René Graf von Luxemburg auf die Bühne tritt. Zugegeben: Geller macht schon was her mit seinem akkurat geschnittenen Bart, der von den Koteletten bis ans Kinn reicht. Klar, dass Angèle da schwach wird. Marion Costa als die Angebetete steht dieser Verführung in nichts nach. Beschwingt lässt sie auf der Bühne die Röcke wie die Töne fliegen.

Andrés Felipe Orozco verkörpert einen niedlichen, leicht naiven Armand Brissard mit wuscheliger Mähne. Seine Stimme allerdings wirkt auf der großen Bühne weniger voluminös als zuletzt bei „My Fair Lady“, wo er den kompletten Publikumsraum wuchtig ausfüllte.

Lena Kutzner spielt ihre Juliette Vermont mächtig drall und mit viel Holz vor der Hütt’n. Die Stimme ist nicht weniger knackig.

Prominenteste Besetzung

Gräfin Stasa Kokozow nimmt nur eine kleine Rolle ein. Erst in den letzten 15 Minuten des Stücks mischt sie sich in die Handlung ein. Dafür stolpert sie mit derber Stimme, kerligem Wortwitz und mächtig viel Wodka in die Szenerie. Dagmar Frederic verkörpert dieses heiratssüchtige (Russen-)Biest à la Alexis aus dem „Denver Clan“ fabulös. Man darf dieses Gastspiel von Frederic als Appetithappen für das kommende Jahr betrachten. Da spielt der TV-Star die Hauptrolle in der Sommeraufführung „Hello, Dolly!“.

Weitere Aufführungen: 11., 13., 17., 18., 19., 20., 25., 26., 27. Juli im Schlossgarten in Neustrelitz. Die Aufführung am 12. Juli findet im Rahmen des Tages des Nordkurier statt.

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