Unsere Themenseiten

DSDS-Casting und keiner geht hin

:

Wo sind all die zukünftigen Superstars geblieben?

Der Ansturm auf das offene Deutschland-sucht-den-Superstar-Casting auf dem Neuen Markt in Rostock fällt wider Erwarten aus. Bis zum Nachmittag hatten sich nur drei Musiker vor die Jury getraut.
Der Ansturm auf das offene Deutschland-sucht-den-Superstar-Casting auf dem Neuen Markt in Rostock fällt wider Erwarten aus. Bis zum Nachmittag hatten sich nur drei Musiker vor die Jury getraut.
Lisa Walter

Bereits zum zwölften Mal suchen Dieter Bohlen und Co. den Superstar. Doch die Suche lief in Rostock und Stettin eher schleppend. Kaum einer ging in den blauen Truck und trällerte ein Lied. Woran könnte das gelegen haben?

Dick und fett prangt die Aufschrift "Let's get loud" von dem Tour-Bus von Deutschland sucht den Superstar (DSDS). Doch auf dem Neuen Markt in Rostock ist es alles andere als laut. Neugierig sind sie, die Rostocker und ebenso die zahlreichen Touristen, die auf ihrem Stadtrundgang an dem Bus vorbei laufen. Hunderte Handys halten das Szeneario fest. Doch eigentlich passiert dort nichts. Neben dem Bus stehen zwei Transporter und ein Kleinlaster. Zwei Pavillons dienen als Anmeldezentralen. Viele Mitarbeiter laufen auf dem durch Absperrband gekennzeichneten DSDS-Casting Gelände umher. Sogar ein Security bewacht den Einlass.

Ansonsten: Nichts. Weit und breit ist keiner dieser verrückten Musiker zu sehen, die man aus dem Fernsehen kennt. Die Neugierigen warten umsonst. Doch dann eine halbe Stunde nach dem Beginn des offenen Castings traut sich jemand: Christian Dähmlow. Er wohnt seit zwei Tagen in Rostock und zum Ärger aller Schaulustigen, sieht der junge Mann ganz normal aus. Zahlreiche Zettel füllt er aus, bevor es zum Vorsingen geht. Wegen einer kleinen Erkältung kommt er jedoch nicht weit. "Ich weiß, dass hört sich jetzt wie die klassische Ausrede an", gesteht er. Christian möchte weiter machen, sich einen Gesangslehrer nehmen und vor allem an den hohen Tonlagen arbeiten. "Dann probiere ich es nächstes Jahr erneut", sagt der 27-Jährige.

Gähnende Leere beim DSDS-Casting

Dann passiert wieder lange nichts. Das DSDS-Team ist nervös. Irgendetwas stimme mit der Stadt nicht. Oder der Ansturm kommt später. Vielleicht aber haben die Rostocker einfach andere Träume als Deutschlands nächster Superstar zu werden und sich über mehrere Shows hinweg von Dieter Bohlen und Co. nieder machen zu lassen. Haben sie auch nicht nötig, denn das musikalische Potenzial der Hansestadt ist groß. Zahlreiche Bands haben es in die Charts geschafft, der bekannteste unter ihnen ist wohl Marteria. Und ganz andere musikalische Facetten, als sie jemals in einer TV-Show zu sehen waren, spielen sich an der Hochschule für Musik und Theater oder der Rock- und Popschule in Rostock ab. Wer braucht bei solchen Möglichkeiten schon Bohlen und Co.?

Auch in Stettin scheint es niemanden großartig zu interessieren, dass Deutschland den Superstar sucht. Obwohl im vergangenen Jahr eine Polin das Rennen machte. Gerade einmal zwanzig Sänger kamen zum Casting, acht wurden zur zweiten Runde nach Köln eingeladen. Gründe für das geringe Interesse: Der kurzfristige Wechsel der Location und die Sprachbarriere. Denn weil Deutschland den Superstar sucht, wird auch von den Bewerbern erwartet, dass sie Deutsch sprechen.