KUNST AUS MV

Würdelos oder aushaltbar? Angela Merkel nackt im Museum

Ein Künstler hat schon vor Jahren die Figur einer nackten Frau geschaffen, die der Bundeskanzlerin ähnelt. Nun sorgt die Plastik plötzlich für Empörung und Ärger im Museum.
Der Bildhauer Dirk Detlefsen hat 2009 seine „Schutzmantelmadonna” geschaffen, die einer ähnlichen Figur in Ra
Der Bildhauer Dirk Detlefsen hat 2009 seine „Schutzmantelmadonna” geschaffen, die einer ähnlichen Figur in Ravensburg und der Bundeskanzlerin nachempfunden ist. In einer Stralsunder Ausstellung sorgte die Figur nun für Aufregung. Werner Feurich/Skurrileum
Stralsund ·

Die Kanzlerin ist nackt! Mit einem sanften Lächeln öffnet Angela Merkel ihren Mantel, unter dem zehn wichtige Politiker Platz haben. Sie erinnern, zumindest entfernt, an Friedrich Merz, Volker Bouffier oder Roland Koch, und finden dort Schutz vor den Widrigkeiten dieser Welt.

Der Bildhauer Dirk Detlefsen mit Atelier in Bartenshagen-Parkentin (Landkreis Rostock) hat diese Plastik vor nunmehr zwölf Jahren geschaffen – 2009, dem Jahr der Bankenkrise, als die Bundesregierung allerlei Schutzschirme aufspannte. Davon inspiriert und der Ravensburger Schutzmantelmadonna nachempfunden schuf der Bildhauer seine Figur. Die echte Madonna zeigt eine Jungfrau Maria, die unter ihrem Mantel ebenfalls anderen Menschen Schutz bietet. Sie ist im Berliner Bode-Museum ausgestellt.

Zwölf Jahre lang war es recht ruhig um die nackte Merkel und nun, im womöglich letzten Jahr ihrer Kanzlerschaft, ist auch die Figur aus schwarzem Ton plötzlich wieder im Gespräch. 2013 wurde sie vom Stralsunder „Skurrileum” gekauft, dessen Betreiber die Skurrilitäten dieser Welt zeigen wollen. Nach einer coronabedingten Umbaupause ist die Schutzmantelmadonna nun wieder in der Ausstellung (Titel: „Hol Dir den Kick“) zu sehen – und schreckt damit auch die Öffentlichkeit auf.

Würdelos oder aushaltbar?

Die Stralsunder „Ostsee-Zeitung” schrieb über die Ausstellung und nannte die Figur „despektierlich”. In vielen Kommentaren in sozialen Netzwerken wurde dann gestritten, ob man die Bundeskanzlerin nun so zeigen dürfe, oder nicht. „Das hat sie nicht verdient. Kunst hin oder her. Die menschliche Würde sollte gewahrt werden”, schreibt etwa eine Leserin der OZ in einer Kommentarspalte auf Facebook.

Jemand anderes hält gegen und meint: „Das ist Kunst, natürlich nicht schön, aber Politiker wurden schon immer durch Künstler verunglimpft. Und ich hoffe, dass das in Zukunft so bleibt. Oder wollt ihr Zustände wie in China, das man wegen so was ins Gefängnis kommt?” Sowieso: Das sei ja lange nicht die erste Nackt-Figur der Kanzlerin, aber vielleicht die erste, die in ihrem Wahlkreis ausgestellt wird.

Merkel gebühre Anerkennung und Dankbarkeit

Die Museums-Betreiber betonen, die Figur schon öfter gezeigt zu haben. Negative Reaktionen wie in diesen Tagen hätte es noch nie gegeben. Das Werk selbst loben sie: „Die handwerkliche Qualität wird allerseits in höchstem Maße bewundert und teilweise sogar als genial bezeichnet”, sagt Werner Feurich, der das Museum zusammen mit Michael Pauly betreibt. Nacktheit sei für den Künstler Detlefsen die Natürlichkeit des Körpers. „Seine Kunst, sie unterscheidet nicht nach schön oder hässlich oder nach jung oder alt.” Skurrilität sei seine Welt, „man kann es mögen, oder nicht”.

Die „Schutzmantelmadonna” stehe laut Feurich für eine weise Frau von „altersgemäßer Schönheit”. Mit einem Lächeln im Gesicht würde sie große Souveränität ausstrahlen. Mit unmenschlicher Kraft hätte sie die normalen Bürger jahrelang vor „machtbesessenen politischen Egomanen” beschützt, indem sie die „Männerclique schlicht und einfach rausgekegelt” habe. „Dafür gebührt Ihr allergrösste Anerkennung und Dankbarkeit”, so Feurich. Er und Pauly hätten allergrößten Respekt vor der Bundeskanzlerin und ihren Leistungen. Dies zu erkennen sei das einzig Wichtige.

„Nacktheit benutzt, um Schlagzeilen zu machen.”

Und will der Künstler auch noch etwas sagen? „Bei meiner Plastik ging es nicht um Frau Merkel in Person, sondern lediglich um ihr Amt“, betonte Dirk Detlefsen in der „Ostsee-Zeitung”. Die Frage sei gewesen: „Wer kommt alles unter den Schutzschirm?“ Ob die anzugtragenden Männer, die rund um Merkel kauern, Ähnlichkeit mit CDU-Politikern hätten, sei für ihn rein zufällig.

Detlefsen stört sich aber an der Präsentation seiner Figur. „Die Nacktheit wird nur dazu benutzt, um Schlagzeilen zu machen”, sagte er der OZ. Nun wolle er rechtlich klären, ob die Plastiken, es gibt übrigens nicht nur eine Merkel, weiterhin im Museum gezeigt werden dürften. Von der Ausstellung habe er jedenfalls nichts gewusst, so der Künstler, mit dem Museum arbeite er schon seit Jahren nicht mehr zusammen.

Betreiber Feurig verneint das und sagt dem Nordkurier: „Die Plastiken von Detlefsen sind äußerst geschmackvoll und ohne ketzerische Hintergedanken repräsentativ ausgestellt.” Davon können sich wohl nur die Besucher selbst überzeugen.

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Kommentare (12)

ist aber auch nicht so schlimm! Kunst muss man aushalten können.

Das kann weg und die Vorlage auch.

Seltsam.

der Kunstfachmann?
Natürlich ist das Kunst - im Gegensatz zu Ihren Texten.

der sich Rosamunde Pilcher und den Fernsegarten anschaut ist das selbstverständlich Kunst.

Ich nicht.
Aber ich toleriere es, wenn jemand so etwas mag.

Der Hauch einer Ähnlichkeit verleitet zum Aufpumpen von Wangen und Empörung. Kunst ist gedankliche Freiheit, die fühl-, sicht- oder hörbar wird.

hatten wir schon einmal...

nackten Ar....der Kanzlerin.

An Muttis Rockzipfel evt., vllt. herrliche Satiere.

Ich interpretiere das nicht als Schutz für diese Männer, eher das Gegenteil.

So eine düstere Skulptur.

Na egal, Geschmackssache eben.

So richtig würdelos um das Volk nach ihren desolaten 16 Jahren zu verhöhnen - Wenn damit ihre Lakaien gemeint sind dann passt es - vergleichbar mit der Schmähplastik in Wittenberg

Lebending ist sie schon mehr als eine Zumutung, als Kunst ist sie mehr als eine Zumutung mit ihren Zutraegern.

Stellt sie an den Schwanenteich.