Theaterpremiere in der Zinnowitzer Blechbüchse

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Zwei junge Selbstmörder am Abgrund

Lotta Hackbeil und Jonte Volkmann spielen in dem Zwei-Personen-Stück "Norway.Today" zwei junge Leute, die sich im Internet kennengelernt haben. Foto: Martina Krüger/Vorpommersche Landesbühne
Lotta Hackbeil und Jonte Volkmann spielen in dem Zwei-Personen-Stück „norway.today” zwei junge Leute, die sich im Internet kennengelernt haben.
Martina Krüger

„Norway.today” gilt als eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Theaterstücke. In der Anklamer Inszenierung spielen zwei Schauspielstudenten das Suizid-Paar.

Es wird viel gefragt in „norway.today”. Es wird auch viel gesagt in dem Stück. Antworten und Lösungen werden allerdings kaum präsentiert. Nach gut einer Stunde verlassen viele Zuschauer die Premiere der Vorpommerschen Landesbühne in Zinnowitz am Samstagabend ratlos. Sind Julie und August, die beiden jungen Menschen, die sich zum gemeinsamen Suizid am norwegischen Fjord getroffen haben, nun gesprungen oder nicht?

Lotta Hackbeil als Julie und Jonte Volkmann als August bringen „norway.today” auf die Bühne, die in Zinnowitz mit zwei Mülltonnen und einem stilisierten Gletscher als Kulissen auskommt. Die beiden sind Studenten der hiesigen Theaterakademie, die eine außergewöhnliche Leistung bieten. Als Julie auf dem eisigen Felsen brilliert Lotta Hackbeil mit einer faszinierenden Spannweite: Sie spielt das desillusionierte, traurige Mädchen, das keinen Sinn mehr im Leben sieht, das sie als ein großes „Nichts” empfindet.

Sie ist die Einsame, die sich nach ein wenig Zärtlichkeit sehnt. Sie spielt aber auch die attraktive Frau, die August locker um den Finger wickelt. Jonte Volkmann gibt den idealen Widerpart zur quirligen Julie. Anfangs kommt er etwas naiv daher. Er nervt die Selbstmord-Partnerin mit seiner permanenten Fragerei und Rederei. Doch August überwindet seine Schüchternheit und Tolpatschigkeit, übernimmt die Initiative.

Regisseur Oliver Trautwein hält den Ausgang des Selbstmord-Trips lange in der Schwebe, bis zum Schluss. Wobei die meisten von uns, die ein glückliches Ende mögen, natürlich an ein solches Finale glauben wollen.