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Lese- und Rechtschreibstörung

Arnold Schwarzenegger bekennt: „Ich bin Legastheniker“

Los Angeles / Lesedauer: 4 min

Als Kind wurde er in der Schule mit dem Lineal geschlagen, weil er so schlecht las. In den 1950er Jahren habe man nicht über Lernbehinderungen gesprochen, sagt Schwarzenegger.
Veröffentlicht:08.08.2023, 07:15

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Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger hat seine Fans mit einer ehrlichen Aussage überrascht. In der Nacht zu Dienstag teilte Schwarzenegger in einem emotionalen Post bei Facebook mit, dass er Legastheniker ist.

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Als Kind sei er in der Schule wegen seiner Lese- und Rechtschreibstörung mit dem Lineal geschlagen worden. Noch heute müsste er Drehbücher „monatelang immer und immer wieder“ lesen, „bis ich jede Zeile auswendig kann“.

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Anlass für den 76-Jährigen, über seine Legasthenie zu sprechen, ist ein Hörbuch-Version seines Buches „Be Useful“ (deutsch: „Sei nützlich“), die im Oktober erscheinen soll.

Dazu schreibt Schwarzenegger: „Ich könnte Ihnen sagen, dass ich in allem fantastisch bin, aber das wäre eine Lüge.“ Er habe soeben die Aufnahme des Hörbuchs beendet. Der in Österreich geborene Schauspieler schreibt weiter: „Ich könnte Ihnen erzählen, wie toll es war, mich hinzusetzen und meine eigenen Worte aufzunehmen.“ Die Wahrheit sei aber, dass er sich davor „gefürchtet“ habe.

Dann schreibt, warum er sich vor der Produktion des Hörbuches, bei dem er sein eigenes Buch vorliest, gefürchtet hat. Schwarzenegger: „Hier ist mein Geheimnis: Ich bin ein schrecklicher Leser.“ Er berichtet aus seiner Kindheit: „In den 1950er Jahren sprach man in Österreich nicht über Lernbehinderungen, und wenn ich in der Klasse laut lesen sollte, war das meistens eine Katastrophe, und ich wurde mit einem Lineal geschlagen. Aber jetzt weiß ich, dass ich Legastheniker bin.“

Wenn ich in der Klasse laut lesen sollte, war das meistens eine Katastrophe, und ich wurde mit einem Lineal geschlagen. Aber jetzt weiß ich, dass ich Legastheniker bin.

Arnold Schwarzenegger

Deshalb bereite er sich „monatelang“ auf seine Filme vor und lerne die Drehbücher komplett auswendig. „Ich brauche Zeit und Wiederholungen, um mir die Wörter zu merken.“

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Mit Blick auf sein nun fertig eingesprochenes Hörbuch schreibt Schwarzenegger, dass Autoren ihre Bücher in zwei oder drei Tagen im Studio fertigstellen würden. Er selbst hingegen habe um ein Aufnahmegerät für zu Hause gebeten, um so 20 bis 30 Seiten pro Tag zu schaffen. 

Dabei habe er so viele Wiederholungen gemacht, dass er sie nicht mehr zählen konnte. Schließlich habe er sich die Texte „in kleine Stücke aufgeteilt, weil ich wusste, dass sich kleine Erfolge zu großen Siegen summieren, oder in diesem Fall zu einem ganzen Buch“. 

Welche Promis sind noch Legastheniker?

Arnold Schwarzenegger ist nicht der einzige prominente Mensch mit Legasthenie. Auch Orlando Bloom, Keira Knightley, Tom Cruise und Robbie Williams bekannten sich öffentlich zu ihrer Lese-Rechtschreibstörung, ebenso wie Bodo Ramelow, John Lennon, Steven Spielberg oder auch Albert Einstein. Legasthenie, die auch als Lese- und Rechtschreibstörung bezeichnet wird, ist nach Angaben der Universität Würzbug zudem eine der häufigsten Teilleistungsstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Wir alle brauchen Hilfe. Keiner von uns ist ein Selbstläufer.

Arnold Schwarzenegger

Zwischen „vier bis zwölf Prozent eines Jahrgangs“ seien davon betroffen. Die Universität teil weiter mit: „Allein in Deutschland leben rund 3,5 Millionen Legastheniker.“ In Schulen würden betroffene Kinder aus Unwissen auch „von Lehrkräften oft als dumm oder faul eingestuft“.

Psychische Folgen für Betroffene

Dass eine Lese- und Rechtschreibstörung oft nicht erkannt wird, liegt der Uni zufolge womöglich auch daran, dass eine Legasthenie sich bei den Betroffenen unterschiedlich äußert: „Während die Einen mehr oder weniger große Probleme mit der Rechtschreibung haben, tun sich Andere beim Lesen schwer.“ Mangelndes Wissen über Legasthenie habe „fatale Konsequenzen: Betroffene Kinder leiden häufig unter Ausgrenzung und Stigmatisierung, etwa 40 Prozent von ihnen erkranken psychisch“.

Mit seinem Bekenntnis will Schwarzenegger anderen Legasthenikern nun Mut machen. So schreibt er, dass ihm ein großartiges Team geholfen habe. Schwarzenegger: „Wir alle brauchen Hilfe. Keiner von uns ist ein Selbstläufer.“