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Interview

Horst Lichter bereit für weitere zehn Jahre "Bares für Rares"

Köln / Lesedauer: 7 min

Mit einer Idee unter der Dusche fing alles an. Nun feiert „Bares für Rares“ runden Geburtstag. Der Nordkurier wollte von Moderator Horst Lichter mehr über seine Sammel-Lust wissen.
Veröffentlicht:31.07.2023, 17:31
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Welche Geschichte steckt hinter der Idee zur Sendung „Bares für Rares“?

Es war ein Freund, der mich irgendwann abends anrief und sagte: „Menschenskinder, Horst! Hör mal zu: Ich stand gerade unter der Dusche, hab eine Sendung im Kopf und musste an dich denken. Mach dir aber keine Gedanken, ich bin verheiratet.“ (lacht) Dann hat er mir kurz erklärt, worum es geht – und ich war total begeistert.

Blieb es bei diesem Konzept, oder gab es auch andere Ansätze?

So, wie die Sendung jetzt täglich über die Mattscheibe flimmert, stand das Konzept von Anfang an: Es kommen Menschen mit ihren Raritäten zu uns. Und im Gespräch erfahre ich Näheres über die Geschichten ihrer Schmuckstücke. Dazu gesellen sich Experten, die alles erklären und damit das Rüstzeug geben für die Händler-Runde. Die wiederum nicht weiß, was kommt.

Jede Woche bewerben sich bis zu 1000 Menschen, um ihre Raritäten in der Show anzubieten. Im Mai 2020 wurde die 1000. Folge ausgestrahlt. Am 3. August ist zehnjähriges Jubiläum. Wie war das damals, als die erste Sendung gedreht wurde?

An die ersten Drehtage kann ich mich schon deshalb sehr gut erinnern, weil es so spannend war: Ein winzig kleines Team mit viel Lust, Spaß, Vorfreude darauf, eine solche Sendung zu produzieren. Wenngleich keiner wusste: Wie geht das? Wo muss was stehen?

Klar war nur, außer uns glaubte niemand ernsthaft daran, dass es funktionieren würde. Morgens acht Uhr fingen wir an zu drehen, nachts gegen ein Uhr waren wir fertig. Und auch, wenn wir an einen derartigen Erfolg nicht geglaubt haben, waren wir überzeugt, dass diese Sendung ihre Liebhaber findet. Aber so lange und so viele, ist auch für uns unfassbar.

Welche originellen „Mitbringsel“ sind Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Oh Gott, es waren schon so viele außergewöhnliche Dinge dabei. Aber ich weiß noch, in einer der ersten Sendungen gab es eine wunderschöne Holztruhe – von außen. Beim genaueren Betrachten entpuppte sich diese allerdings als Toilette. Das werde ich nie vergessen.

Vom Herd als TV-Koch an den Trödelstand: Horst Lichter.
Vom Herd als TV-Koch an den Trödelstand: Horst Lichter. (Foto: Rolf Vennenbernd)

Die Feier zu Ihrem 60. Geburtstag musste voriges Jahr Corona–bedingt ausfallen. Welche Pläne gibt es zum zehnjährigen Ihrer TV–Show?

Im Rahmen der „Lieblingsstücke“ wird es am 13. August im ZDF eine besondere Folge geben. Wir machen eine Reise durch vergangene Sendungen. Ich stelle die witzigsten, teuersten, skurrilsten Exponate vor. Und die Experten, Händler erinnern sich – an das schönste Schmuckstück, das außergewöhnlichste Auto, das aufsehenerregendste Gemälde …

Hatten Sie schon als Kind einen siebten Trödel-Sinn?

Es ist tatsächlich so, dass ich schon als Kind lieber altes Spielzeug mochte als neues. Erklären kann sich das aber niemand. Weder meine Eltern damals noch ich heute. Aber ich habe mir schon sehr früh Gedanken darüber gemacht; wer das wohl damals neu bekommen hat, und wie sich das andere Kind darüber freute. Ich hätte auch gern gewusst, was dieses Spielzeug schon alles erlebt haben mag. Daher habe ich Gegenstände seit jeher nie nur als Gegenstände gesehen, sondern als Träger von Geschichten.

Und ich habe die Handwerkskunst, die dahintersteht, bewundert. Auch den Ideenreichtum, die Fantasie der Menschen, so etwas herzustellen. Das hat mich bis heute nicht losgelassen. Neben der Liebe zu Menschen an und für sich.

Welche Raritäten mögen Sie persönlich? Woran hängt Ihr Herz?

Da gibt es zu Hause natürlich auch die einen oder anderen Dinge. Meine ganz große Liebe aber heißt „Mobilität“. Angefangen vom Fahrrad über Mofa, Moped, Motorrad bis zum Auto. Eben alles, was sich irgendwo bewegt. Ich bin auf dem Lande groß geworden. Da war es natürlich wichtig, mobil zu sein, rauszukommen, Menschen zu sehen. Damit verbinde ich viel.

Horst Lichter ist in dritter Ehe mit Nada Lichter verheiratet.
Horst Lichter ist in dritter Ehe mit Nada Lichter verheiratet. (Foto: Rolf Vennenbernd)

Erzählt einer Ihrer Schätze für Sie eine besondere Geschichte?

Ich habe ein uraltes Fahrrad. Das ist komplett kaputt. Reparieren werde ich es trotzdem niemals, weil es eine schöne Geschichte hat: Eines Tages kam eine alte Dame zu mir in die „Oldie–thek“ und schenkte mir dieses Rad. Allerdings unter einer Bedingung. Dass ich es niemals wegwerfe.

Dieses Fahrrad hatte die Frau nämlich von ihrem verstorbenen Mann bekommen, der damit aus der französischen Kriegsgefangenschaft nach Hause ins Rheinland gekommen war. An jenem Tag hatte er sie gefragt, ob sie ihn heiraten möchte. Dies war der Grund, warum sie das Fahrrad nie weggeworfen haben.

Das Neubrandenburger Regionalmuseum wurde kürzlich von der „Bares für Rares“-Händlerin Elke Velten–Tönnies mit einem Bild beschenkt. Auch eine in Öl gemalte Ansicht der Anklamer Peene–Tor–Brücke aus den 1920er–Jahren erlangte bei „Bares für Rares“ Aufmerksamkeit. 2019 haben Sie im Schweriner Burggarten ungewöhnliche Objekte unter die Lupe genommen. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Sendung und an Mecklenburg–Vorpommern?

Auch wenn sich das überraschend anhört, habe ich ein paar Freunde dort, die ich sehr mag. Und ich weiß noch, wie unglaublich zuvorkommend, hilfsbereit alle rund ums Schloss waren. Um uns zu ermöglichen, was wir da gemacht haben. Ich würde gerne wiedergekommen, für eine weitere Sendung.

Woran ich mich auch sehr gut erinnere: Die Aufbauphase war im Hochsommer. Später dann beim Drehen waren es nur zwei Grad, einmal gab es sogar Schnee. Es war der kälteste Außendreh meines Lebens.

Vor einigen Jahren ist ein Besuch des Oldtimer–Treffens in Malchin leider geplatzt. Dürfen die hiesigen Oldtimer–Freunde weiter hoffen?

Ja, sie dürfen hoffen, aber ich kann es einfach nicht versprechen. Ich bekomme tatsächlich schöne, lieb gemeinte Einladungen für verschiedene Oldtimer–Treffen und würde sie gern alle reinen Herzens besuchen, um gemeinsam mit anderen meiner Leidenschaft zu frönen. Aber da ich immer noch viel und mit Freude arbeite, ist Freizeit knapp.

Und wenn sie da ist, habe ich eine bezaubernde Frau, Kinder, Enkelkinder, einen Pudel — sie wünschen sich auch alle, dass ich mit ihnen Zeit verbringe.

Eine seiner größten Leidenschaften sind Oldtimer.
Eine seiner größten Leidenschaften sind Oldtimer. (Foto: Horst Ossinger/Archiv)

Können die Zuschauer auf noch viele „Bares für Rares“-Sendungen hoffen?

Ich wünsche mir, dass die nächsten zehn Jahre ebenso viel Freude, Spaß, Lust an der Sache bringen wie die letzten zehn. Und solange unser Publikum „Bares für Rares“ genauso gern sieht, sehe ich keinen Anlass, vorher aufzuhören.

Welchen Tipp würden Sie Sammlern geben. Was sollten sie beachten?

Geht eurer Leidenschaft nach! Aber achtet immer darauf, dass ihr nicht irgendwann eine Sammlung anhäuft, die so groß ist, dass ihr die einzelnen Dinge nicht mehr sehen könnt!

Zum Jubiläum präsentiert Horst Lichter eine besondere Folge der „Lieblingsstücke“. Die Höhepunkte aus einem Jahrzehnt „Bares für Rares“ gibt es am 13. August um 10.15 Uhr im ZDF. Exakt 1838 Folgen flimmerten bis zur Jubiläums–Show über die Mattscheibe.

Zur Person

Horst Lichter

Horst Lichter ist Moderator, Entertainer und Buchautor. Seine Markenzeichen: markanter Schnauzbart, „Rheinische Frohnatur“.

Lichter wurde 1962 in der Gemeinde Nettesheim-Butzheim in Nordrhein Westfalen geboren. Er wuchs als ältester Sohn eines Bergmanns in einem Rheinischen Braunkohlerevier auf. Als 14-Jähriger begann er eine Lehre zum Koch.

Mit 26 Jahren erlitt er einen Schlaganfall, mit 28 folgte der zweite, zudem ein Herzinfarkt. Er beschloss, sein Leben grundlegend zu ändern.

Mit TV-Sendungen wie „Lafer!Lichter Lecker“ und „Die Küchenschlacht“ wurde Horst Lichter einem Millionen-Publikum als TV-Koch bekannt.

Lichter ist in dritter Ehe mit Nada Sosinka, der ehemaligen Ehefrau seines besten Freundes, verheiratet, nachdem dieser an Krebs verstorben war.