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Orgel der Konzertkirche hat's schwer

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Wie haben sich die Neubrandenburger gefreut, als ihnen 2017 eine Orgel geschenkt wurde. Doch es wurde still. Immerhin gibt es in der Vorweihnachtszeit einige Konzerte.
Veröffentlicht:09.10.2023, 05:35

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Am Tag der Deutschen Einheit war es mal wieder so weit. Endlich! Die Neubrandenburger Philharmonie bezog die Orgel der Konzertkirche in ihr Programm ein. Zu hören war die „Orgelsinfonie“ von Camille Saint-Saëns, begeisterter Applaus des Publikums im ausverkauften Konzertsaal folgte. Die Viertorestädter lieben ihre Philharmonie. Und sie lieben ihre Orgel.

Als die Königin der Instrumente 2017 eingeweiht wurde, standen vielen alten Neubrandenburgern die Tränen in den Augen, erinnerten sie sich doch an den unzerstörten Zustand der Marienkirche vor dem Jahr 1945.

Anfangs entfachte die Orgel viel Euphorie

Die Installation der zwei Millionen Euro teuren Orgel, gespendet durch den Unternehmer Günther Weber, galt als Schlusspunkt des Wiederaufbaus des Wahrzeichens Neubrandenburgs, ein edles Geschenk, das noch viel Euphorie entfachte. Der Star der Festspiele MV Iveta Apkalna weihte gemeinsam mit der Neubrandenburger Philharmonie in zwei ausverkauften Konzerten die Orgel ein. In der ersten Konzertsaison nach der Orgelweihe 2017/18 spielten vor den Philharmonischen Konzerten regelmäßig verschiedene renommierte Organisten Soli.

Doch danach wurde es zumindest vonseiten der Philharmonie, immerhin Hauptnutzerin der Konzertkirche und quasi mitverantwortlich für die klassische Beschallung, eher still um die Orgel. Sebastian Tewinkel, Generalmusikdirektor (GMD) der vergangenen Jahre, hatte bei Nachfragen immer wieder betont, dass sich die Orgel in die Programme der Philharmonischen Konzerte nicht einbauen ließe, weil die anderen Konzertsäle der Reihe, die Theater Güstrow und Neustrelitz, über keine Orgel verfügten. Zudem sei die Zahl der Kompositionen für Orgel und Orchester eher bescheiden.

Für die Organistin Iveta Apkalna ist die Konzertkirche fast schon ein „zweites Wohnzimmer“.
Für die Organistin Iveta Apkalna ist die Konzertkirche fast schon ein „zweites Wohnzimmer“. (Foto: Frank Wilhelm)

Bezieht die Philharmonie die Orgel künftig mehr ein?

Tewinkels Nachfolger Daniel Geiss erklärte in einem seiner ersten Interviews mit dem Nordkurier: „Das Thema Orgel ist auf jeden Fall in meinem Kopf.“ Was er mit dem Konzert am 3. Oktober schon mal bewies. Man darf gespannt sein, ob die Philharmonie künftig häufiger zusammen mit einem Organisten aufspielt. Das Veranstaltungszentrum (VZN), Hausherrin der Konzertkirche, kann froh sein, dass es immer wieder private Veranstalter gibt, die das Risiko auf sich nehmen, die Orgel in ihre Programme aufzunehmen. So gibt der Organist Matthias Eisenberg am kommenden Sonntag (15. Oktober) mit einem Orgelkonzert den Auftakt zur Reihe „Klassik Deluxe“. Christian Hacker und Steffen Schuster, zwei ehemalige Mitglieder des berühmten Dresdner Kreuzchores versprechen „Konzerte von internationaler Strahlkraft“.

Organist Matthias Eisenberg wird erwartet

Eisenberg gelte als Legende in der Orgelmusik, war bereits im jungen Alter von nur 24 Jahren Gewandhaus-Organist zu Leipzig unter Kurt Masur. „Zahlreiche Einspielungen, Preise und Wettbewerbe zeugen von seinem einzigartigen Schaffen ‐ er genießt in der Bundesrepublik hohes Ansehen und gehört zweifelsohne zu den Stars der Szene“, heißt es in der Ankündigung.

Matthias Eisenberg spielt unter anderem Stücke von Max Reger und Johann Sebastian Bach (u.a. Toccata & Fuge d-Moll). Die weiteren „Klassik Deluxe“-Konzerte sind für die Konzertkirche bereits gebucht: Der Poznaner Knabenchor ist am 14. Januar 2024 zu hören, am 26. Mai 2024 heißt es „Im Auftrag seiner Majestät: The Queen‘s Six“.

Mattias Eisenberg ist am kommenden Sonntag in der Konzertkirche an der Orgel zu erleben.
Mattias Eisenberg ist am kommenden Sonntag in der Konzertkirche an der Orgel zu erleben. (Foto: Anne Hassel)

Zu danken ist im Namen der Orgel der Konzertkirche auch dem ehemaligen Kantor von St. Johannis, Christian Stähr, der das Instrument immer wieder in die von ihm organisierten Orgeltage „eingebaut“ hatte.

Unvergessliche Konzerte mit Iveta Apkalna

Auch der Mäzen Günther Weber sorgt dafür, dass die „Königin“ nicht einstaubt. Mit seiner Stiftung finanziert er seit 2017 an die Reihe „Das kleine Orgelkonzert“, halbstündige Kurzprogramme um die Mittagszeit (Beginn jeweils um 12 Uhr). In diesem Jahr werden noch zwei geboten: Am 19. Oktober gastiert Levan Zautashvili und am 20. November Wanying Lin. Schließlich laden Daniel Schmahl, die Sopranistin Anna Gütter und der Organist Ivan-Bogdan Reincke am 23. Dezember zum Weihnachtskonzert ein.

Dass die Orgel der Konzertkirche als herausragendes Klanginstrument nicht in Vergessenheit gerät, ist aber insbesondere den Festspielen MV und Iveta Apkalna zu verdanken, die viele unvergessliche Orgel-Konzerte gestaltete. Am 15. Dezember ist sie gemeinsam mit dem berühmten Cellisten Daniel Müller-Schott zu erleben. Interessenten sollten sich sputen, das Gros der Karten ist längst weg.