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Langer Winter macht Erdbeeren und Spargel teuer

Joachim Rukwied [KT_CREDIT] FOTO: dpa

Eis und Schnee haben ein hochpreisiges Nachspielan der Gemüsetheke. Das prophezeit Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernver- bandes im Interview ...

Eis und Schnee haben ein hochpreisiges Nachspiel
an der Gemüsetheke. Das prophezeit Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernver- bandes im Interview mit unserem Berliner Korrespondenten
Rasmus Buchsteiner.

Schnee und Frost bis in den April hinein – welche Auswirkungen hat das für Aussaat und Ernte in diesem Jahr?
Die Vegetation ist aktuell im Schnitt um drei Wochen zurück. Der Arbeitsrückstand unterscheidet sich je nach Region. Im Rheinland, in Teilen Hessens, der Pfalz, Baden-Württembergs und Bayerns konnte mit der Getreidesaat begonnen werden, auch ein Teil der Zuckerrüben ist gesät. Im Osten und in weiten Teilen Nord-Deutschlands war bislang keinerlei Feldarbeit möglich, weil dort bis vor wenigen Tagen noch eine geschlossene Schneedecke gelegen hat.

Wie groß werden die Einbußen sein?
Wir haben schon jetzt im Gartenbau starke Einbußen zu verzeichnen – besonders bei Salat, Spargel, Frühkartoffeln und Schnittblumen. Da wird es Preissteigerungen geben. Besonders beim Spargel und Erdbeeren ist mit Aufschlägen zu rechnen. Wenn weniger Ware auf dem Markt ist, steigen eben die Preise. Wie stark die Ertragseinbußen beim Getreide sein werden, hängt von der Witterung in den nächsten Wochen ab. Wenn jetzt zügig die Saat beginnen kann, wäre es gut. Spitzenerträge in 2013 sind aus heutiger Sicht wohl nicht mehr drin.

Die EU-Staaten haben sich auf Grundzüge einer Reform der Agrarzahlungen geeinigt - ursprünglich geplante scharfe Umweltauflagen sind inzwischen vom Tisch. Ein Erfolg aus Sicht der Bauern?
Die Gespräche zwischen EU-Kommission, Europäischem Parlament, Ministerrat und den Verbänden sind in vollem Gange. Ich hoffe, dass es noch bis Ende Juni zu einem Abschluss der Verhandlungen kommt. Es hat einige Fortschritte gegeben. Aber wir kämpfen weiter für die Anliegen der deutschen Landwirte. Es gilt, Fehlentwicklungen und Benachteiligungen zu vermeiden. Wir hoffen auf Rückendeckung bei der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern an diesem Donnerstag und morgen in Berchtesgaden zu erhalten.

Die deutschen Bauern hatten erzwungene Flächenstilllegungen als Folge der Reform befürchtet. Ist diese Sorge aus Ihrer Sicht noch begründet?
Wir sind nicht grundsätzlich gegen „Greening“. Es darf aber nicht zu Flächenstilllegungen führen. Deutschland ist Europameister bei den Agrarumweltmaßnahmen. Nirgendwo ist die Landwirtschaft grüner und umweltfreundlicher als bei in Deutschland. Das muss berücksichtigt werden. Wir benötigen hier unbürokratische Lösungen, die auch anerkennen, was wir leisten. Es kann nicht sein, dass „Greening“-Vorgaben zu geringerer Produktion führen.

Was fürchten Sie genau?
In Brüssel wird zur Zeit ein Vorschlag diskutiert, der schon 2014 zu einer Kürzung der Direktzahlungen an die deutschen Bauern um fünf Prozent führen würde. Ein Haupterwerbsbetrieb mit
80 Hektar würde dadurch jährlich rund 1000 Euro verlieren. Haushaltsdisziplin ist erforderlich. Diese darf aber nicht wie im Vorschlag vorgesehen einseitig zu Lasten der deutschen Bauern gehen.

Thema Milch: Die Preise schwanken weiter stark. Vor diesem Hintergrund erwägt nun das Europäische Parlament eine neue Art der Mengensteuerung, um die Preise stabilisieren zu können. Was halten Sie von diesen Überlegungen der EU?
Die Europäische Union hat die Agrarmärkte in den vergangenen 20 Jahren schrittweise geöffnet, das heißt: Ein Außenschutz besteht bei Milch nicht mehr. Man muss die Realität akzeptieren. Insofern würde eine Milchquote light lediglich unnötig Bauerngeld kosten und nichts bewirken. Wir brauchen für mögliche Krisenfälle und außergewöhnliche Preisschwankungen nach unten weiter Eingriffsmöglichkeiten.