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Letzte Chance für die alten Fischerboote

Dem Volkskundler Wolfgang Rudolph ist es zu verdanken, dass viele historische Fischerboote heute noch existieren.

Es gibt nur noch drei Exemplare. Der sogenannte Rostocker Kahn, einst das häufigste Fischereiboot im Rostocker Revier, ist nur noch Museums-Exponat. Dass ...

Es gibt nur noch drei Exemplare. Der sogenannte Rostocker Kahn, einst das häufigste Fischereiboot im Rostocker Revier, ist nur noch Museums-Exponat. Dass man das 1890 aus einer massiven Bodenschale gebaute und knapp sechs Meter lange Holzboot heute überhaupt noch im Nautineum des Stralsunder Meeresmuseums besichtigen kann, ist dem legendären Volkskundler Wolfgang Rudolph zu verdanken. „Ich habe den schon verrottenden Bootskörper 1949 in einem Schilfgürtel an der Warnow entdeckt, geborgen und dann ins Museum nach Stralsund gebracht“, erinnert er sich.

Dutzende traditionelle Holzboote und etwa 40 historische Bootsmotoren hat der inzwischen 89-jährige Museologe vor dem Verfall bewahrt. Sie sind Zeugnisse der kleinen Stellnetz- und Reusenfischerei, die im Zeitalter der modernen Hochseefischerei inzwischen selbst vom Niedergang bedroht ist. Die letzten Dokumente der maritimen Arbeitskultur müssten bewahrt werden, mahnt Rudolph am Montag in Stralsund auf einem Kolloquium zum Erhalt der traditionellen Fischereiboote.

Ausstellungshalle platzt aus allen Nähten

Der Rostocker Kahn ist das älteste Holzfahrzeug der rund 50 Boote zählenden Sammlung, die in einer Ausstellungshalle des Nautineums gezeigt werden. Doch die Kapazitäten sind knapp 14 Jahre nach der Einweihung der Museumsaußenstelle auf dem Dänholm erschöpft. „Wir können nur noch ganz besonders wertvolle Bootsveteranen aufnehmen“, sagt Museumskurator Thomas Mäuslein. Mitunter könnten die von älteren Fischern angebotenen Kähne nur noch dokumentiert werden. „Wir wollen daher in den nächsten Jahren ein zusätzliches Grundstück auf dem Dänholm erwerben und dort eine große, öffentlich zugängliche Magazinhalle für historische Fischerei errichten.“ In einer kleinen gläsernen Bootswerft sollen dort auch Bootsbauer alte Fahrzeuge restaurieren oder Repliken nachbauen.

Insgesamt noch etwa 2000 alte Fischereikähne existierten heute noch an den Bodden- und Seeküsten Mecklenburg-Vorpommerns, sagt Peter Danker-Carstensen vom Schifffahrtsmuseum Rostock, das seit einigen Jahren über das EU-Projekt SeaSide eine Dokumentation über die historischen Arbeitsgeräte der Kutter- und Küstenfischer erstellt. Genutzt würden höchstens noch 800 Boote. In spätestens 15 Jahren werde kaum noch etwas davon übrig bleiben, wenn nichts geschehe, sagt der Experte. Manche Typen wie das quergedielte Bodenplankenboot seien schon jetzt komplett verschwunden. Die letzten noch existierenden Holzboote würden nun dokumentiert, beschrieben, fotografiert, gezeichnet, als dreidimensionale Darstellung gespeichert und wenn möglich auch als Modell nachgebaut. Die Palette reiche vom 17-Meter-Kutter bis zum Heuer, Strand- oder Reusenboot.

„Wir wollen aber nicht zum Nachlassverwalter der im Sterben befindlichen ostdeutschen Küstenfischerei werden“, stellt Thomas Förster vom Meeresmuseum klar. Am bestens blieben die alten Fischereiboote erhalten, wenn sie in Nutzung seien. Deshalb unterstütze das Museum, wenn Liebhaber die alten Fischereiboote als Familienboote nutzten und die Original-Bootskörper erhielten. Gut gelungen sei dies bei den Zeesbooten. Insgesamt 70 dieser segelnden Fischereiboote seien gerettet. Wer noch historische Fischerei erleben will, der kann auf Usedom den Strandfischern bei der Arbeit zusehen. Das soll ausgebaut werden.