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Nicht jeder braucht einen Online-Shop

Nicht jedes Geschäft braucht einen Online-Shop.
Nicht jedes Geschäft braucht einen Online-Shop.
Jens Kalaene

Der Online-Handel ist auf dem Vormarsch und rüttelt die Branche tüchtig durcheinander. Wie Dienstleister vor Ort auf den Wandel reagieren sollten, erläutert Jens Rothenstein, Projektmanager beim Institut für Handelsforschung Köln.

Jeder zehnte Euro wird heute im Internet ausgegeben. Kennt das Wachstum der Online-Shops keine Grenzen?

Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Allerdings nehmen die jährlichen Zuwachsraten ab. Wir lagen 2010 noch bei einem Jahresplus von knapp 30 Prozent, jetzt sind wir bei rund 13 angekommen. Das ist immer noch eine sehr stolze Zahl. Das Wachstum wird die nächsten Jahren weitergehen.

Müssen Händler, Handwerker und Dienstleister vor Ort die weiße Flagge hissen oder können sie sich ein Stück vom Online-Kuchen abschneiden?

Anbieter vor Ort müssen unbedingt reagieren. Die nächste Käufergeneration ist mit dem Internet aufgewachsen und informiert sich selbstverständlich online. Wer mit seinem Unternehmen also nicht im Netz vertreten ist, ist gerade bei den jüngeren Käufern zunächst auch nicht mehr existent.

Muss sich jetzt jedes Geschäft, jeder Handwerker einen eigenen Online-Shop zulegen?

Das ist nicht unbedingt notwendig. Es ist auch möglich, mit einer Website potenzielle Kunden ins Geschäft zu locken. Dabei müssen aber ein paar Grundsätze beachtet werden. So gehören auf die eigene Internetseite Informationen über das angebotene Sortiment und die aktuellen Öffnungszeiten. Nichts ist frustrierender, wenn Kunden sich auf Öffnungszeiten verlassen und dann vor einer verschlossenen Tür stehen. Außerdem sollte auch die Möglichkeit des kostenlosen Google-Eintrags genutzt werden.

Wie verändert das Internet Einkaufsgewohnheiten und wie sollten die Anbieter vor Ort darauf reagieren?

Heute werden die verschiedenen Informationskanäle kreuz und quer genutzt. Das geschieht auch völlig unbewusst. Das Internet gehört hier selbstverständlich dazu. Deswegen sollte jeder dort präsent sein.

Spielen Händler und Dienstleister vor Ort ihre ureigenen Stärken heute schon richtig aus?

Da liegen aktuell noch viel Chancen brach – auch wenn es natürlich gute Beispiele gibt. Oft fehlt aber gerade kleinen Unternehmen die Kraft, sich mit dem Internet intensiver  zu beschäftigen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, zum Beispiel über ein Kontaktformular. Auf diesem Weg könnte doch ein Bekleidungsgeschäft für seine Kunden Beratungstermine anbieten, nachdem diese ihre Wünsche schon mal per Internet mitgeteilt haben. Dann wären Händler und Käufer schon vorbereitet und könnten gleich in eine intensive Beratung einsteigen.

Das Internet hat die Branche durcheinander gerüttelt, jetzt kommen die Smartphones. Wächst sich das zu einem Erdbeben aus?

So schlimm ist es nicht, denn der Vormarsch der Smartphones hat sich abgezeichnet. Aber der Handlungsdruck steigt. Jedes Geschäft muss sich darauf einrichten, dass es seine Webseiten so anbietet, dass auch die Nutzung mit Mobiltelefonen kundenfreundlich und intuitiv ist.