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Vielen Innenstadt-Läden im Land droht das Aus

Die Kaufkraft verlagert sich zunehmend ins Internet. Gerade in der Region haben es viele Händler schwer. Experten sehen aber auch Zukunftschancen.
Die Kaufkraft verlagert sich zunehmend ins Internet. Gerade in der Region haben es viele Händler schwer. Experten sehen aber auch Zukunftschancen.
Andreas Gebert

Geschäfte in kleinen Städten haben es schwer – nicht nur im Nordosten. Und die Zentren könnten sogar noch leerer werden. Doch es gibt einige Möglichkeiten, das zu verhindern.

Leere Fußgängerzonen, leere Schaufenster. Ein Einkaufsbummel könnte in Zukunft öde werden, denn fast jeder zehnte stationäre Laden in Deutschland ist durch den Onlinehandel in Gefahr. Etwa 45  000 Geschäfte könnten bis 2020 zumachen, das ergab eine Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH). Der Handelsverband Deutschland und der Deutsche Städte- und Gemeindebund gehen sogar von einem Rückgang von bis zu 50  000 Läden in den städtischen Zentren aus.

Den Einzelhandel im Nordosten werde es laut IFH-Studie besonders hart treffen. Für die Region sagt das Institut Umsatzrückgänge von mehr als 30 Prozent bis 2020 voraus. „Wenn sich nichts verändert, könnte sich auch die Zahl der Geschäfte um 30 Prozent verringern“, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.

Das sieht Kay-Uwe Teetz, Mitglied der Geschäftsführung des Einzelhandelsverbandes Nord ähnlich. In den Oberzentren wie Neubrandenburg, Schwerin, Stralsund und Rostock, funktioniere der Handel zwar gut, weil viele Menschen aus dem Umland zum Einkaufen dorthin kämen, doch Läden in kleinen Städten seien in Gefahr.

Den Grund dafür sehen Teetz und Busch-Petersen nicht allein beim Onlinehandel. Geschäfte in bevölkerungsarmen Regionen hätten es ohnehin schwer, weil dort die Kaufkraft gering sei.

Uneinheitliche oder kurze Ladenöffnungszeiten täten ihr Übriges, um die Kunden zu vergraulen, so Busch-Petersen: „Wenn die offiziellen Ladenöffnungszeiten bis 18 Uhr gehen, dann müssen alle Geschäfte solange geöffnet haben, selbst wenn sich das nicht für jedes einzelne lohnt.“ Für Kunden sei es frustrierend, erst mal an der Ladentür rütteln zu müssen, um herauszufinden, ob ein Geschäft geöffnet habe. Das würde einer Stadt schaden.

Teetz forderte zudem eine stärkere Onlinepräsenz des lokalen Handels. Positivbeispiel sei Güstrow. Die Stadt hat ein virtuelles Schaufenster im Internet geschaffen, in dem Kunden sich über Läden informieren und Routen planen können. Solche Projekte seien für kleine Innenstädte in Zukunft unbedingt notwendig, um sich zu behaupten, so Teetz. Des weiteren fordert er ein Prinzip des „verlängerten Ladentisches“. Geschäfte müssten stärker auf individuelle Wünsche des Kunden eingehen. „Falls eine Größe oder Farbe nicht vorrätig ist, dann muss nachbestellt werden“, sagte Teetz.