Im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum zweifelt man an dem Nutzen von Quarantäne-Verkürzungen.
Im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum zweifelt man an dem Nutzen von Quarantäne-Verkürzungen. Tim Prahle
Pandemie

Seenplatte-Kliniken uneins über früheres Quarantäne-Ende

Nach wie vor fällt in Krankenhäusern eine Menge Personal aus. Eine kürzere Quarantäne könnte aus Sicht einiger Kliniken helfen. Doch es gibt auch Zweifel am Nutzen dieser Lockerung.
Seenplatte

Einige Kliniken in der Mecklenburgischen Seenplatte rechnen mit einer Besserung der heiklen Personalsituation im Falle eines Endes strenger Quarantäneregeln. Dafür hatte sich in dieser Woche zumindest die Landesregierung ausgesprochen. „Die Aufweichung der zehntägigen Quarantänepflicht könnte durchaus dazu beitragen, die Situation zu entspannen“, sagt Kai Firneisen, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Demmin.

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Bonhoeffer-Klinikum bleibt skeptisch

Ähnlich sieht es Sven Hendel, Käufmännischer Direktor im Mediclin Müritz-Klinikum. Und auch nach Einschätzung von Jan Weyer, Geschäftsführer im DRK-Krankenhauses in Neustrelitz, ist eine verkürzte Quarantänepflicht geeignet, um Mitarbeiter wieder früher ihre Arbeit aufnehmen zu lassen, sofern sie symptomfrei und negativ getestet sind.

Nur aus dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg wurde auf Anfrage des Nordkurier größere Skepsis geäußert. „Von der Aufweichung der Quarantänepflicht verspricht sich das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum keine spürbare Verbesserung“, so Klinik-Sprecherin Anke Brauns. Schließlich könnten sich Mitarbeiter im Gesundheitswesen nach Landesvorgaben bereits jetzt am siebten Tag freitesten. „Unsere Erfahrung zeigt aber, dass die meisten Mitarbeitenden zu dem Zeitpunkt noch krank oder infektiös sind und deshalb nicht arbeiten können.“

Personelle Situation nach wie vor angspannt

Es gebe bei personellem Notstand sogar schon die Möglichkeit, in Absprache mit dem Gesundheitsamt selbst positiv getestete Mitarbeiter unter Schutzvorkehrungen weiterzubeschäftigen. Doch auch davon nahm die Klinikleitung bisher Abstand. „Wir sehen dabei ein großes Risiko für Patienten und Mitarbeitende, deshalb hat die Krankenhauseinsatzleitung beschlossen, davon zunächst keinen Gebrauch zu machen.“ So bleiben zehn Tage Quarantäne im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum die Regel.

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Dabei ist die Lage nach wie vor ernst: „Die Personalsituation im Klinikum ist seit Wochen sehr angespannt, weil viele Kollegen wegen Krankheit oder Quarantänemaßnahmen ausfallen.“ Weiter müsse sich auf Notfall- oder Tumorbehandlungen beschränkt werden. „Selbst das ist nur unter großer Kraftanstrengung möglich, da das verfügbare Personal durch Mehrarbeit zusätzlich belastet ist, auch in der Zentralen Notaufnahme.“ Die Krankenhausleitung sei den Mitarbeitenden für das große Engagement sehr dankbar.

Einige Schüler im Wechselunterricht

Im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum liegen mit Abstand die meisten Corona-Patienten im Landkreis. Am Mittwoch wurden dort 46 Infizierte behandelt, davon fünf auf Intensivstation. 23 Corona-Patienten lagen drüber hinaus in der Bethesda-Klinik. 17 Infizierte behandelte das Mediclin-Müritz-Klinikum auf der Corona-Station und drei auf der Intensivstation. Im Kreiskrankenhaus Demmin lagen neun Patienten, im DRK-Krankenhaus in Neustrelitz sieben. Vize-Landrat Kai Seiferth (SPD) sprach darüber hinaus in dieser Woche von „beängstigend“ hohen Infektionszahlen in Pflegeheimen und Schulen. Zumindest sind es aber weitaus weniger Fälle in Heimen als in der Vorwoche.

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Wie aus der Verwaltung mitgeteilt wurde, zählte das Gesundheitsamt am Mittwoch Infektionsgeschehen in 16 Pflegeeinrichtungen. Vier Schulen im Landkreis werden den Angaben zufolge derzeit der dritten Phase zugeordnet. Dort müssen Schüler ab der siebten Klasse also in Distanzunterricht. An zwölf Schulen müssen Ältere gemäß den Regeln der zweiten Phase in den Wechselunterricht. „Die Krankenstände bei den Schülerinnen und Schülern sowie beim Lehrerpersonal ist unverändert hoch“, heißt es aus der Verwaltung.

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