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Von den Klitschkos heiß gemacht

Nach Kilos ein Fliegengewicht, sollten die Gegner Luc-Einar Rust nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Nachwuchs-Boxer von der SG Aufbau Altentreptow hat ein großes Kämpferherz. „Er lebt für seinen Sport“, sagt Trainer Dieter Breitenbach.

Luc-Einar Rust und Trainer Dieter Breitenbach bei der Tatzenarbeit.  
Florian Ferber Luc-Einar Rust und Trainer Dieter Breitenbach bei der Tatzenarbeit.  

Wer seine Vornamen mit einem Weltraum-Helden und dem erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten teilt, kann eigentlich nur ein ganz Großer werden – ein ganz großer Boxer, geht es nach dem Willen von Luc-Einar Rust von der SG Aufbau Altentreptow. Der Elfjährige, benannt nach Luke Skywalker (Papa Falko ist glühender „Star-Wars“-Fan) und Ole Einar Bjørndalen (Mutti Antje verpasste kaum einen Wettkampf des Norwegers im Fernsehen), ist trotz überschaubarer Körpergröße und seiner 33 Kilogramm Körpergewicht eine echte Kämpfernatur, wie Trainer Dieter Breitenbach verrät: „Luc-Einar ist außergewöhnlich ehrgeizig. Er lebt für seinen Sport, hat keine Angst, kennt keinen Schmerz und beißt die Zähne zusammen. Im Training kann er sich richtig quälen.“

Allerdings: Noch ist kein Klitschko vom Himmel gefallen. Bis in den Box-Olymp ist es auch für den jungen Grapzower noch ein sehr weiter Weg. „Oft will er einfach zuviel und versucht es mit der Brechstange. Da kommen die boxerischen Elemente dann zu kurz“, zeigt Coach Breitenbach auf. Aber apropos Klitschko. Die beiden ukrainischen Ringtitanen Vitali und Wladimir haben Luc-Einar einst auf den Geschmack gebracht. „Ich habe sie im Fernsehen boxen sehen und da wusste ich: Das will ich auch machen“, erklärt das Aufbau-Talent.

Damals war er fünf. Mittlerweile hat Luc-Einar acht Kämpfe hinter sich – mit der stolzen Bilanz von sechs Siegen, einem Remis und nur einer Niederlage. Seine Premiere im Seilquadrat feierte er Anfang Juni 2012 beim Erntefest in Pripsleben, wenige Wochen nach seinem zehnten Geburtstag. „Ich war wahnsinnig nervös“, erinnert sich der Debütant, der es bei seiner Premiere mit seinem heutigen Dauerrivalen im Schülerbereich Ali Heidari vom PSV Neubrandenburg zu tun bekam. Beim ersten Schlagabtausch trennte man sich unentschieden, bei den Landesmeisterschaften in diesem Jahr dagegen besiegte Luc-Einar den PSV-Kontrahenten und holte sich den Titel. Dazu ist er Internationaler Norddeutscher Meister 2013 und war 2012 Landesmeister in der Boxathletik.

Grundlage für diese Erfolgsserie ist ein strammes Trainingsprogramm viermal pro Woche. Mit Kraftzirkel am Athletik-Dienstag sowie Taktikschulung, Ausdauer, Kondition und Intervallläufen an anderen Tagen. Seit Sommer dieses Jahres ist Luc-Einar Rust zudem Sportgymnasiast der fünften Klasse in Neubrandenburg – dank einer Sonderregelung. Denn Faustkämpfer sind dort eher Exoten und werden eigentlich ans Landesleistungszentrum Schwerin gelotst. „Ausnahmetalente können als Übergangsphase am Sportgymnasium eine allgemein-athletische Ausbildung absolvieren und erhalten ihre spezielle Ausbildung parallel im Verein“, erklärt Aufbau-Trainer Dieter Breitenbach. So teilt Luc-Einar den Unterricht in Neubrandenburg unter anderem mit Judoka, Ringern und Schwimmern. Doch große Ziel, irgendwann einmal in der Landeshauptstadt zu trainieren, bleibt aber bestehen.

Volles Programm für den Nachwuchs-Boxer zwischen Hausaufgaben, Büffeln für Klausuren, Sandsack-Einlagen sowie Turnieren von Teterow bis Berlin. Allein ist Luc-Einar dabei aber selten. Mutter Antje steht nicht nur beim Wettkampf voll hinter ihrem Filius. Sie feuert an, spendet Trost und teilt die Nervosität. „Ich bin auch immer total aufgeregt und heilfroh, wenn es wieder vorbei ist“, gesteht sie und freut sich zudem über die gute Betreuung. Schließlich weiß sie ihren Sohn nicht nur bei den Wettkämpfen in den besten Händen.„Herr Breitenbach ist wirklich ein Top-Trainer.“