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Machtwort beendet Gummi-Taktik

Auch von Sebastian Vettel kam in den letzten Wochen so mancher Fluch auf die Reifen. [KT_CREDIT] Foto: Alberto Estevez

VonChristian HollmannChefvermarkter der Formel 1 schlägt sich nach langen Debatten auf die Seite von Titelverteidiger Vettel. Hersteller Pirelli will ...

VonChristian Hollmann

Chefvermarkter der Formel 1 schlägt sich nach langen Debatten auf die Seite von Titelverteidiger Vettel. Hersteller Pirelli will schneller als geplant neue Reifen liefern.

London/Berlin.Nach einem Machtwort von Bernie Ecclestone liefert Hersteller Pirelli den Formel-1-Teams neue Reifen. Schon vom übernächsten Grand Prix in Kanada an werde ein anderes Modell zum Einsatz kommen, bestätigte das Unternehmen am Dienstag. „Wir werden zum Reifentyp der vergangenen Saison zurückkehren, der uns enge Rennen beschert hat“, hatte kurz vor der offiziellen Bekanntgabe schon Formel-1-Chefvermarkter Ecclestone verfügt. Damit schlug sich der Brite nach wochenlangen Debatten auf die Seite von Titelverteidiger Sebastian Vettel, der mit seinem Red-Bull-Team und Mercedes belastbarere Pneus verlangt hatte.
Auch aus Sorge um das eigene Image folgte Pirelli Ecclestones Befehl und dürfte damit vor allem die Titelanwärter Ferrari und Lotus schwer verärgern. Denn besonders die ärgsten Vettel-Rivalen Fernando Alonso und Kimi Räikkönen hatten zuletzt davon profitiert, dass sie und ihre Autos deutlich schonender mit den sensiblen Gummimischungen umgehen. „Wir haben das eben besser gelöst. Warum sollte man etwas ändern?“, hatte Räikkönen nach Platz zwei in Barcelona kühl gefragt. Sein Teamchef Eric Boullier von Lotus lehnte haltbarere Reifen ebenfalls ab: „Das wäre nicht fair.“ Doch Ecclestone sieht es anders. „Die Reifen sind falsch und nicht das, was wir von Pirelli erwartet hatten“, sagte der 82-Jährige.
Vorher hatte schon Branchenführer Red Bull den Druck auf den Reifenlieferanten erhöht. WM-Spitzenreiter Vettel hatte den leicht nachgebesserten harten Reifen für Barcelona gar als „Griff ins Klo“ bezeichnet. „Die Situation ist derzeit einfach zu undurchsichtig. Pirelli ist eine fähige Firma. Für ihr eigenes Image müssen sie da endlich etwas tun“, sagte sein Teamchef Christian Horner. Tatsächlich bewirkten auch die anhaltenden Negativ-Schlagzeilen ein Umdenken bei Pirelli. Verärgert und besorgt über die Bilder von fliegenden Gummifetzen auf der Strecke gab das Unternehmen nach.
„Die Zahl der Boxenstopps war zu hoch“, bekannte Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. Zuletzt in Barcelona hatten die 22 Fahrer mit ihren Autos insgesamt 82 Reifenwechsel absolviert. „Die Veränderungen bedeuten, dass die Reifen nicht so stark beansprucht werden. Das reduziert die Zahl der Reifenwechsel“, fügte Hembery hinzu. Das neue Modell ist eine Mischung aus den Elementen des Vorjahrestyps sowie des aktuellen Designs. Eigentlich wollte Pirelli erst zum Großbritannien-Rennen Ende Juni neue Reifentypen mitbringen. Nun zog der Konzern den Termin noch einmal um drei Wochen vor. Angeführt hatten die Front der Kritiker Red Bull und Mercedes. Die beiden Rennställe haben zwar pfeilschnelle Autos gebaut, der zu hohe Reifenverschleiß raubt ihnen aber jeglichen Vorteil im Rennen.