Das Café „Mien Leevsten” am Malchiner Marktplatz ist zwar geöffnet, das Licht im Gastraum bleibt aber
Das Café „Mien Leevsten” am Malchiner Marktplatz ist zwar geöffnet, das Licht im Gastraum bleibt aber seit einigen Tagen aus. Kirsten Gehrke
Energiepreise

In Malchin brennen Kerzen – aber nicht aus Vorfreude

Die steigenden Energiepreise treffen Gewerbetreibende ins Mark. In Malchin erreicht jetzt ein weiterer Hilferuf die Politik – es ist nicht der einzige in der Region.
Malchin

Dass ihr Café in Malchin geöffnet hat, ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Das Licht ist ausgeschaltet. Erst wenn man durch die Scheibe schaut, sieht man, dass auf den Tischen Kerzen brennen und sich die Mitarbeiter um das Wohl der Gäste kümmern. Die Szenerie hat fast schon vorweihnachtlichen Charakter. Nach festlicher Stimmung ist Inhaberin Ilka Hassemer allerdings nicht zumute.

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Dass die Deckenbeleuchtung im „Mien Leevsten“ tagsüber nicht angeschaltet ist, hat nichts mit Vorfreude auf die Adventszeit zu tun. Sparen ist angesagt. „Keiner weiß, wo wir mit den Strompreisen noch landen. Deshalb versuchen wir die Kosten für Energie jetzt schon so gut wie möglich zu minimieren“, erzählt die Geschäftsfrau. Nicht nur das Licht bleibt aus, auch die Kühlung der Verkaufstheke wurde gedrosselt.

Große Sorgen bedrücken Ilka Hassemer. Sorgen um die Zukunft ihres Geschäftes. „Man geht mit dem Gedanken ins Bett und wacht morgens wieder damit auf“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. Wenn die Preise für Strom und Gas weiter so explodieren, dann könne sie keine Prognose abgeben, wie lange sie ihr Geschäft noch halten kann. Die Bundesregierung habe zwar jetzt einen so genannten Energiepreisdeckel auf den Weg gebracht, wie weit die Menschen aber damit tatsächlich entlastet werden, das bleibe abzuwarten.

Nichts zu tun und stillzuhalten – das entspräche nicht ihrem Charakter

In so einer Situation nichts zu tun und still zu halten, das entspreche nicht ihrem Charakter, sagt die Malchinerin. Sie hat jetzt einen „Hilferuf“ aufgesetzt, mit dem sie auf die Situation der Händler und Gewerbetreibenden aufmerksam machen will. Gerichtet ist der Appell an die Stadtverwaltung und die Stadtvertretung. Auch die Stadt Malchin müsse ein Zeichen in Richtung Schwerin und Berlin aussenden und alles in ihrer Macht stehende tun, um Existenzen zu sichern und Arbeitsplätze in der Stadt zu erhalten.

In den nächsten Tagen will sie mit ihrem „Hilferuf“ Malchiner Unternehmen aufsuchen und darum bitten, die Aktion zu unterstützten. Die Unterschriftenliste soll dann an Bürgermeister Axel Müller und an die Vorsitzende der Stadtvertretung übergeben werden.

Protest auch in Teterow

Protest regt sich unterdessen auch in der Teterower Politik. Auf Initiative von CDU-Fraktionschef Matthias Hantel haben die Abgeordneten am Mittwochabend einstimmig eine Resolution an die Landes- und Bundesregierung verabschiedet: Wichtigste Forderung darin: Eine Deckelung des Preises für Strom und Gas. „Es ist dringend geboten, dass sich die Politik schnell auf Maßnahmen verständigt, die den Energiepreis senken. Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und der Unternehmen in der Stadt“, heißt es unter anderem in der Resolution.

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Noch konsequenter als eine Resolution, so meinte Stadtvertreter Herward Müller (Die Linke), wäre ein Aufruf an die Bürger der Stadt, ihren Protest auf die Straße zu tragen. Er könne mittlerweile jeden verstehen, der sich an den montäglichen Demos in Teterow beteiligt.

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