Vor fast einem Jahr brannte die Ferkelfabrik in Alt Tellin lichterloh.
Vor fast einem Jahr brannte die Ferkelfabrik in Alt Tellin lichterloh. Stefan Sauer
Rund 50.000 Tiere starben. Die Brandursache steht noch nicht fest.
Rund 50.000 Tiere starben. Die Brandursache steht noch nicht fest. Stefan Sauer
Brandkatastrophe

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Vor einem Jahr ist die Ferkelfabrik in Vorpommern-Greifswald abgebrannt. Über 50.000 Tiere starben. Die Ängste vor Ort sind groß, dass der Investor den Stall in dieser Dimension wieder errichten könnte.
Demmin

In Alt Tellin soll eine Ferkelfabrik in Größe und Art der vor einem Jahr abgebrannten Anlage nicht wieder errichtet werden dürfen. „Dazu stehe ich”, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin. Er gehe davon aus, dass vom Betreiber LFD dazu ein völlig neuer Bauantrag eingereicht werden müsste. Außerdem müsse wegen inzwischen erfolgter Gesetzesänderungen immer die Gemeinde einer solchen Anlage zustimmen. „Das halte ich kaum für wahrscheinlich”, sagte Backhaus.

Am 30. März 2021 war in der Zuchtanlage mit rund 50.000 Schweinen, davon 80 Prozent Ferkel, ein Feuer ausgebrochen. Die Ställe brannten so schnell nieder, dass nur 1300 Tiere gerettet wurden. Es war laut Tierschutzbund der schwerste Stallbrand in Deutschland seit Jahren. Den Schaden schätzte die Staatsanwaltschaft auf rund 40 Millionen Euro.

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Die Perspektive der Landwirtschaft bestehe in der regionalen Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln, sagte Backhaus. Industrieanlagen wie in Alt Tellin haben nach seiner Ansicht in dieser Zukunft keinen Platz. Allerdings müsse sich zeigen, welchen Folgen der Ukrainekrieg auf die Entwicklungen in der Landwirtschaft haben werde.

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Mit drastischen Worten kritisierte Backhaus die fehlenden Ermittlungsergebnisse zu Brandursache. „Ich bin bestürzt, dass das in einem Rechtsstaat so lange dauert”, betonte er. Es stehe aber fest, dass der Brand nicht durch ein technisches Versagen der Anlage entstanden sei. Gegner der Massentierhaltung hatten immer wieder angezweifelt, dass der Brandschutz in Alt Tellin ausreichend sei.

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Zu Wochenbeginn hatte ein Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen, dass nach dem Brandgutachten eines Experten weitere Vernehmungen notwendig seien. „Noch haben wir die Hoffnung, dass wir den oder die Verursacher für den Brand finden werden”, so der Sprecher. Das werde aber mindestens bis Mitte 2022 dauern.

Laut Backhaus hat der Eigentümer LFD noch nicht zu seien Zukunftsplänen für das Gelände in Alt Tellin geäußert, auf dem noch eine Biogasanlage steht. Aus Kontakten wisse er, dass der Investor auf klare Aussagen zur Brandursache warte, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden könnten.

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Am Tag der Brandkatastrophe vor einem Jahr ist in Alt Tellin eine Mahnwache geplant, wie der der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern ankündigte. Anwohner, der Aktionskreis Alt Tellin, der BUND sowie die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ würden vor Ort erwartet.

Die LFD hat nach eigenen Angaben 400 Mitarbeiter in elf Betrieben in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Thüringen und Brandenburg, in denen 55.000 Sauen stehen. Das Unternehmen befindet sich in Besitz der Terra Grundwerte AG in der Schweiz.

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