Britta Mahnke beim Ausflug in Island: Die richtige Kleidung ist im hohen Norden wichtig.
Britta Mahnke beim Ausflug in Island: Die richtige Kleidung ist im hohen Norden wichtig. ZVG
Britta Mohnke konnte bereits Buckelwale in freier Wildbahn erleben.
Britta Mohnke konnte bereits Buckelwale in freier Wildbahn erleben. Britta Mahnke
Heiße Quellen sind typische für die vulkanisch aktive Insel.
Heiße Quellen sind typische für die vulkanisch aktive Insel. Britta Mahnke
Gletschersee am Vatnajökull
Gletschersee am Vatnajökull Britta Mahnke
Island

Studentin aus MV sorgt sich in Island um den Klimawandel

Die Feldbergerin Britta Mahnke verbringt gerade ein Auslandssemester in Island. Vom Land ist sie fasziniert, vor Ort beschäftigt sie der Klimawandel.
Feldberg

Britta Mahnke aus Feldberg studiert Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Freien Universität in Berlin und verbringt derzeit ein viermonatiges Auslandssemester an der University of Icland. In Feldberg, wo sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, fühlt sie sich auch immer noch zu Hause. In der Seenplatte wohnen ihre Freunde und Verwandten, hier wartet ihr Pferd auf sie und die Hunde ihrer Mutter. Nach dem Studium in Berlin hat sie den Wunsch, wieder nach Feldberg zurückzukehren.

Ein Brief an den Nordkurier

Mahnke konnte sich schon von klein auf für Tiere begeistern. Der Grund, warum sie Island für ihr Auslandssemester gewählt hat, sind die Wale. Echte Wale hat sie mittlerweile bestaunen können und sie ist fasziniert von den Meeressäugern. Sie schätzt die isländische Kultur, die Natur und die Weite des Landes. „In Island leben nur 360000 Menschen und es ist das einzige Land, das zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien setzt“, berichtet sie. Was sie in Island allerdings vermisst, sind die Feldberger Bäume. In Island gebe es schlichtweg keine, so Mahnke. Von ihren ersten Eindrücken und Erlebnissen aus dem Land am nördlichen Rand von Europa hat die junge Studentin dem Nordkurier einen Bericht gesendet. Sie schreibt:

„An den Rändern der Kontinentalplatten finden 90 Prozent aller vulkanischen Aktivitäten weltweit statt. Island liegt an genau so einer Schnittstelle oder man sollte wohl besser sagen, Island existiert aufgrund dieser Schnittstelle. Da die Nordamerikanische Platte und die Eurasische Platte mit ca. einem Zentimeter pro Jahr auseinanderdriften, strömten vor Jahrmillionen Jahren große Mengen Magma aus dem sogenannten Hotspot unter dem heutigen Vatnajökull, Islands größtem Vulkan.

Islands Vulkan-Ausbrüche sind legendär

Das erkaltete Magma ist nun eines der schönsten Reiseziele für Natur-Liebhaber, sofern ein Vulkanausbruch nicht wieder den Flugverkehr lahmlegt. Eruptionen finden hier durchschnittlich alle 4 Jahre statt und haben nicht selten verheerende Folgen, die sogar geschichtliche Ereignisse wie die Französische Revolution 1789 beeinflussten.

Ausgerechnet eines der aktivsten Vulkangebiete der Erde erwählte ich als mein Ziel für mein Auslandssemester. Hätte man mir damals 2005, nachdem ich meinen Realschulabschluss nach einer Extrarunde an der Hans Fallada Schule machte, gesagt, ich würde eines Tages studieren und in Studium sowohl auf Gletscher klettern als auch entlang aktiver Vulkane spazieren gehen, ich hätte es nicht geglaubt. Das Bestreben, mehr aus meinem Leben machen zu wollen, bewog mich, mit 30 Jahren noch einmal das Abitur zu machen und zu studieren. In Alfred Lord Tennysons Gedicht „Ulysses“ heißt es: „Ich kann nicht rasten vom Reisen. Ich will das Leben trinken, bis zum letzten Tropfen“ und weiter „Es ist nicht zu spät, eine neuere Welt zu suchen“. Am Tag der Abiturfeier kam unsere Biologielehrerin auf uns zu und sagte: „Ihr habt nun das Abitur und damit die Verantwortung, etwas daraus zu machen“.

Ein Vorzeigeland für Nachhaltigkeit

Wie kann man so einer Verantwortung gerecht werden? In meinem Studium für Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Freien Universität in Berlin lernte ich, dass ich meinen zukünftigen Beruf nur ausüben kann, wenn ich selbst bestrebt bin, meine Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Island sollte sich als perfekte Wahl erweisen, um mich zu fördern und zu fordern. Als Vorzeigeland für Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit sowie Klima- und Umweltschutz eröffnen sich mir im Studium an der University of Iceland neue Perspektiven, um gesellschaftliche Problematiken kritisch zu beleuchten.

Für drastische Maßnahmen

Die derzeitige Klimakrise ist ein großes Thema im Bildungsbereich, wodurch wir die Möglichkeit erhielten, die neue Orca Station zu besichtigen, die vor Kurzem in Betrieb ging. Hierbei handelt es sich um die weltweite erste Anlage, die rund 4000 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre filtern kann und diese in kristallisierter Form im Erdboden lagert. Auch wenn dies nach einem Hoffnungsschimmer klingt, um die Erderwärmung zu verlangsamen, so betonten dennoch die Betreiber der Orca Station, ON Power, dass es sich hierbei nicht um eine Lösung der Problematik des Klimawandels handelt, sondern um ein Hilfsmittel. Um die Gefahr abzuwenden, müssen weltweit drastischere Maßnahmen ergriffen werden.

Island ist das Land von Eis und Feuer, so heißt es auf den Werbeplakaten. Doch durch die Klimakrise schmelzen die Gletscher in besorgniserregender Geschwindigkeit. Bei einem Besuch mit meiner Familie auf dem Breiðamerkurjökull-Gletscher berichtete der Tourguide, dass die Gletscher derzeit 120 Meter pro Jahr an Masse verlieren. Sie verglich die Gletschermassen mit einer Cola-Dose, die man schüttelt. Die Gletscher sind die Cola Dose, die durch ihr Gewicht das Magma des Hotspots in Position halten. Sobald die Gletscher wegschmelzen, ist Island nur noch das Land von Feuer. Ich möchte nicht dabei sein, wenn das passiert. Ich wünsche mir, dass meine Kinder und meine Enkel die gleichen wundervollen Erfahrungen auf Island machen können, wie ich das Glück dazu hatte: einen springenden Buckelwal im glitzernden Schein der Abendsonne zu sehen.“

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