Mit Fußtritten treibt dieser Mann Puten Richtung Lkw.
Mit Fußtritten treibt dieser Mann Puten Richtung Lkw. Animal Rights Watch
Dieser Mann schlägt mit einer Stange auf kranke Tiere ein.
Dieser Mann schlägt mit einer Stange auf kranke Tiere ein. Animal Rights Watch
Schwer verletzt quälen sich Puten in der Mastanlage von Europas größtem Putenerzeuger.
Schwer verletzt quälen sich Puten in der Mastanlage von Europas größtem Putenerzeuger. Animal Rights Watch
Krank und misshandelt liegt diese Pute im Sterben.
Krank und misshandelt liegt diese Pute im Sterben. Animal Rights Watch
Tierquälerei

Grausame Bilder aus den Ställen eines Puten-Funktionärs

Europas größter Putenerzeuger gerät unter Druck. Tierschützer haben in den Mastanlagen von Gut Jäglitz gefilmt. Geschäftsführer Thomas Storck zeigt sich tief betroffen und hat einen Mitarbeiter abgezogen.
Goldberg

Nach den misshandelten Schweinen im Neuruppiner Schlachthof und den erschreckenden Bildern aus dem Sauenstall in Siedenbollentin gerät jetzt ein weiterer Funktionär der Fleischbranche unter Druck: Thomas Storck, Europas größter Putenerzeuger. Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat sich heimlich in zwei Mastanlagen seines Unternehmens umgesehen und Bilder veröffentlicht.

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„Thomas Storck ist Europas einflussreichster Geflügel-Lobbyist. Die Bilder aus zwei Standorten der Gut Jäglitz GmbH in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigen Puten, die totgeknüppelt oder mit einem Bolzenschneider getötet werden – Puten, die langsam sterben, Puten, die zum Schlachttransport getreten werden und denen Arbeiter zum Spaß die Schwanzfedern ausreißen”, beschreiben die Tierschützer.

Die Szenen seien mit versteckten Kameras in Roddahn (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) und Goldberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) gefilmt worden. „Mit einem Knüppel prügeln Arbeiter auf kranke Puten ein. Mit zertrümmertem Schädel litten die Tiere minutenlang. Diese Puten sterben als Ausschuss, weil eine medizinische Behandlung zu teuer wäre“, erklärt Sandra Franz, Pressesprecherin von ARIWA.

Dieses Video veröffentlichte ARIWA zur Gewalt gegen die Puten:

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Tote, kranke und verletzte Puten Alltag

Auch beim Verladen für den Transport zum Schlachthof würden viele Tiere getreten und geworfen. „Arbeiter bewerfen sich zum Spaß mit Schwanzfedern, die sie den Puten ausgerissen haben. Andere Arbeiter versuchen Tieren, die den Weg zum Schlachthof nicht mehr schaffen, den Hals mit einem Bolzenschneider zu durchtrennen”, beschreibt die Tierschutzorganisation.

Neben der Gut Jäglitz GmbH & Co. Agrar KG mit rund einem Dutzend Mastbetrieben besitze Thomas Storck Europas größtes Putenvermehrungsunternehmen, Moorgut Kartzfehn. Zugleich agiere er als Präsident des Verbandes Deutscher Putenerzeuger und Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft.

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Zustände wie in seinen Ställen seien keine Ausnahme. Tote, kranke und verletzte Puten würden in jeder deutschen Mastanlage zum Alltag gehören. Die betroffenen Tiere seien von vornherein als Verluste einkalkuliert.

Puten „in sehr gutem Zustand”

Gut Jäglitz-Geschäftsführer Thomas Storck teilte am Dienstag mit, die Puten würden unter „einwandfreien Bedingungen gehalten” und befänden sich „in sehr gutem Zustand”. Er räumte aber ein, die Szenen, wie ein Mann mit einer Stange auf verletzte Tiere einschlägt, seien „erschreckend und schlimm”. Erst durch diese Aufnahmen habe er von dem „groben Fehlverhalten des Mitarbeiters Kenntnis erlangt”. Der Angestellte sei „verwarnt und freigesetzt worden, so dass er nicht mehr für die Tierbetreuung zuständig ist”. Scharfe Kritik richtet er aber auch an die Tierschützer.

„Wir bedauern es sehr, dass die Tierrechtsgruppe diese Aufnahmen nicht früher zur Verfügung gestellt hat, obwohl sie bereits Anfang November entstanden sein sollen. Sonst hätten wir schon früher handeln können.” Er wisse nicht, was den Mitarbeiter veranlasst hat, Tiere zu quälen. „Fest steht, dass er seine konkreten Handlungs- und Arbeitsanweisungen missachtet hat.”

Bilder „nicht repräsentativ”

Er sei „in höchstem Maße betroffen und traurig. Gerade weil wir viel dafür tun, dass es unseren Tieren gut geht, ist es enttäuschend zu sehen, was das Fehlverhalten Einzelner anrichten kann”. Mit dem Unternehmen, das mit dem Transport der Puten beauftragt war, habe er „umgehend Kontakt aufgenommen”.

Thomas Storck betonte, dass einzelne verletzte Tiere keinen Rückschluss auf die gesamte Tierhaltung erlauben. Bei so vielen Tieren ließen sich einzelne Verletzungen nie ausschließen. Die Bilder seien daher nicht repräsentativ für den Zustand der ganzen Herde. Sein Unternehmen stehe für tiergerechte Putenhaltung. Die Bilder der Tierschützer seien keinesfalls Alltag in seinen Ställen.

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