Haushalte müssen bei den Heizkosten bis zu 85 Prozent mehr bezahlen.
Haushalte müssen bei den Heizkosten bis zu 85 Prozent mehr bezahlen. Christin Klose
Energiepreise

Heizkosten – oft hunderte Euro mehr auf einen Schlag

Nach dem Ende der offiziellen Heizperiode zeichnet sich zunehmend das ganze Ausmaß des Kostenanstiegs für Heizen und Warmwasser ab. Der eigentliche Hammer kommt aber erst noch.
Neubrandenburg

Haus- oder Wohnungsbesitzer hat es schon erwischt, nach und nach sind auch die Mieter im Nordosten dran. Obwohl die Heizperiode von Oktober 2021 bis April 2022 unter dem Strich dank milder Temperaturen verbraucherfreundlich ausgefallen ist, werden die Konten vieler Haushalte bei jetzt fälligen Abrechnungen ungewöhnlich stark belastet. Zwar wurden in Herbst und Winter fünf Prozent weniger Energie verbraucht, vor allem der drastische Preisanstieg zum Ende des Abrechnungszeitraums fraß sämtliche Einsparungen mehr als auf.

Bis zu 85 Prozent mehr für Öl

Wie die Vergleichsportale Verivox und Check24 übereinstimmend errechnet haben, waren zuerst besonders Haushalte betroffen, die mit Öl heizen. So müsse ein Haushalt mit einem Zuschlag von etwa 75 bis 85 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum rechnen. Das könne bei einer Familie mit vier Personen mehrere hundert Euro ausmachen, hieß es. Nach der Corona-Delle sei die globale Nachfrage nach Öl nach oben geschossen und habe die Ölpreise auf die Höchststände von 2014 getrieben. Der Kriegsausbruch in der Ukraine habe die Preise zusätzlich befeuert. Seit dem Preistief im April 2020 versechsfachte sich demnach der Ölpreis.

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Günstiger sind den Angaben zufolge vorerst noch Verbraucher davon gekommen, die mit Gas heizen. Aber nur, wenn sie nicht in einen neuen Tarif einsteigen mussten, weil sie in ihr Haus oder ihre Wohnung gerade eingezogen sind. So mussten laut Verivox Neukunden bis zu 95 Prozent mehr für die Gasversorgung zahlen. Haushalte in der Grundversorgung wurden über die gesamte Heizperiode hinweg mit einem Anstieg von 15 Prozent belastet. Familien mit einem Laufzeitvertrag waren betroffen, wenn die Preisgarantie abgelaufen war.

Allerdings sich hat sich der Anstieg des Gaspreises inzwischen weiter beschleunigt. Diese Plus, das sich auf den Rechnungen noch nicht komplett widerspiegelt, liegt bei fast 40 Prozent im Jahresvergleich. Experten rechnen damit, dass mögliche Boykottmaßnahmen gegen Russland zu einem weiteren Preisschub führen könnten.

Finanzschock vorbeugen

Unterdessen bekommen auch Mieter die anrollende nächste Energiekosten-Welle zu spüren. Vermieter bieten ihren Kunden vermehrt an, die Vorauszahlungen für die 2023 anstehende Abrechnung um bis zu 50 Prozent freiwillig zu erhöhen, um einen finanziellen Schock bei Nachzahlungen vorzubeugen. Empfohlen wird vom Mieterbund, wenn möglich schon jetzt Rücklagen zu bilden.

In Neubrandenburg hatte die Neuwoges zu Jahresbeginn schon vorbeugend die Anschläge für Fernwärme um 20 Prozent erhöht. Auch Kunden, die direkt mit Energieversorgern oder Lieferanten abrechnen, stecken in der Klemme. Weder bei Gas noch Strom sind auf dem freien Markt günstigere Konditionen als die bereits vorhandenen eigenen zu bekommen, so die Verbraucherzentrale MV.

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