In MV gibt es einen erheblichen Anteil an Menschen mit Adipositas. Aber wie eine Abnehm-App ermittelt hat, sind die Männe
In MV gibt es einen erheblichen Anteil an Menschen mit Adipositas. Aber wie eine Abnehm-App ermittelt hat, sind die Männer und Frauen aus dem Nordosten auch besonders erfolgreich beim Gewichtsverlust. Jens Büttner
Gewichtsverlust

Leute aus MV können besonders gut abspecken

Ernährungsberatung, begleitet von einer Handy-App – mit dieser Kombination will ein Unternehmen Menschen das Abnehmen schmackhaft machen. Das klappt von Land zu Land unterschiedlich gut.
Neubrandenburg

Im Kampf gegen überschüssige Pfunde erweisen sich die Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern als besonders erfolgreich. Ein Bundesländer-Abnehm-Vergleich der Firma Oviva – einer App-begleiteten Ernährungsberatung – ergab, dass die Menschen aus dem nordostdeutschen Bundesland in einer Auswertung von mehr als 13.000 anonymisierten Patientendaten am erfolgreichsten gegen die Kilos kämpften. In Mecklenburg-Vorpommern wurde binnen drei Monaten am meisten Gewicht verloren – in Thüringen am wenigsten, der Unterschied beträgt den Angaben zufolge fast 85 Prozent.

Norddeutsche Bundesländer besser als andere

Ausgewertet wurden dafür nach Angaben des Anbieters die ersten drei Monate der App-Nutzung für all diejenigen, die sich nach dem 1. Januar 2020 angemeldet hatten. Die Männer und Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern hatten demnach 3,7 Prozent Gewichtsverlust erreicht. Andere norddeutsche Bundesländer liegen in dem Vergleich ebenfalls weit vorne: Schleswig-Holstein (minus 3,3 Prozent) und Niedersachsen (-3,1) nehmen demnach die Plätze zwei und drei ein.

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Auch in Brandenburg zeigen sich Abnehmwillige recht erfolgreich. Hier speckten die Männer und Frauen innerhalb der ersten drei Monate mit Willensstärke und Hilfe der App um 2,8 Prozent ab. Eher dünn war der Erfolg in großstädtischen Regionen: In Hamburg (-2,6), Bremen (-2,5) und Berlin (-2,2) war Gewichtsverlust der abnehmwilligen Patienten überschaubar. Als besonders hartnäckig erwiesen sich die „Schwimmringe” bei den Thüringerinnen und Thüringern, dort purzelten nur 2,0 Prozent der Pfunde.

Männer laut Auswertung erfolgreicher als Frauen

Es komme aber nicht nur auf die ersten drei Monate an, heißt es vom App-Anbieter. „Wichtig ist eine gewisse Kontinuität beim Abnehmen. Wir unterstützen Menschen individuell und motivieren, weiterzumachen“, erklärt Veronika Albers, Diätassistentin und Ernährungsberaterin von Oviva. „Manche verlieren schneller Pfunde, andere langsamer – wichtig ist, dass das Gewicht langfristig und nachhaltig sinkt.“

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Nicht nur zwischen den Bundesländern, auch nach Geschlechtern zeigen sich in der Auswertung Unterschiede. Männer sind, im Vergleich zu Frauen, erfolgreicher und reduzierten ihr Körpergewicht in drei Monaten um 16 Prozent mehr. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in Sachsen-Anhalt: Hier übertreffen die Männer die Frauen mit 50 Prozent mehr Gewichtsabnahme. Auch wenn die Zahlen unterschiedlich hoch ausfielen, habe sich dieser Trend in den meisten Bundesländern bestätigt.

Fettleibigkeit bleibt in MV ein ernstes Thema

Ein wichtiger Indikator beim Abnehmen ist der Body Mass Index (BMI). Ab einem Wert von 25 gelten Personen als übergewichtig, ab 30 als adipös – und ab dieser Grenze übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für digitale Gesundheitsanwendungenwie Oviva zu 100 Prozent. „Unsere App trackt den BMI, um Patientinnen und Patienten den Erfolg ihrer Bemühungen zu zeigen“, erläuterte Dr. Anna Haas, Geschäftsführerin von Oviva in Deutschland. Die Daten zeigen, dass abnehmwillige Menschen in Bremen mit dem höchsten BMI-Mittelwert einsteigen, etwa 42,6. Den niedrigsten BMI-Schnitt mit 33 wiesen die Berliner auf.

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Unabhängig vom Erfolg der Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern als „Biggest loser” bleibt Fettleibigkeit aber im Nordosten ein Problem. Das Statistische Landesamt hatte gerade erst Anfang August mitgeteilt, dass mehr als ein Fünftel der erwachsenen Frauen und Männer im Land schwer fettleibig sind. Sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) über 30. Das Normalgewicht liege bei einem BMI zwischen 18 und 25. Bei weiteren rund 46 Prozent der Männer und rund 30 Prozent der Frauen liegt mit einem BMI über 25 ebenfalls Übergewicht vor.

Corona hat das Problem noch verschärft

Als ein Grund für die steigende Zahl stark übergewichtiger Menschen werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie genannt. „Zahlreiche Daten deuten übereinstimmend darauf hin, dass es seit Beginn der Pandemie nochmals zu einer signifikanten Gewichtszunahme gekommen ist”, heißt es von der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Das gelte besonders bei Menschen mit hohem Ausgangsgewicht.

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