Garmisch-Partenkirchen: Arbeiter begutachten im Jun einen verunfallten Regionalzug. Möglicherweise haben defekte Betonsch
Garmisch-Partenkirchen: Arbeiter begutachten im Jun einen verunfallten Regionalzug. Möglicherweise haben defekte Betonschwellen das Unglück ausgelöst. Angelika Warmuth
Wegen des notwendigen Austausches defekter Betonschwellen müssen Bahnstrecken teils gesperrt werden. Auf anderen betroffe
Wegen des notwendigen Austausches defekter Betonschwellen müssen Bahnstrecken teils gesperrt werden. Auf anderen betroffenen Abschnitten fahren die Züge langsamer. Bernd Wüstneck
Bahnverkehr

Noch mehr Verspätungen – Bahn muss tausende Schwellen tauschen

Defekte Schwellen könnten ein Zugunglück in Bayern verursacht haben. Bis Jahresende sollen sie getauscht sein - das bleibt nicht ohne Folgen.
Berlin

Umleitungen, längere Fahrzeiten oder Schienenersatzverkehr: Wer mit der Bahn fährt, muss aus einem weiteren Grund damit rechnen, dass er oder sie nicht pünktlich an ihr Ziel kommt. Das teils marode Schienennetz muss erneuert werden und bis Jahresende sorgt ein weiteres Problem für Baustellen, die ursprünglich nicht geplant waren. Auf rund 200 Streckenabschnitten bundesweit müssen Betonschwellen ausgetauscht werden.

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In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin wird bereits gewechselt, nachdem bei Inspektionen im August festgestellt worden war, dass auch im Nordosten Betonschwellen verwendet wurden, die Anfang Juni möglicherweise zu dem schweren Zugunglück mit mehreren Toten in Bayern geführt hatten. „Das Austauschprogramm läuft auf Hochtouren”, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Die Deutsche Bahn geht eigenen Angaben zufolge von einem Herstellerfehler beim „einem bestimmten Bautyp” aus, ohne abschließende Gewissheit zu haben. Erste vorläufige Erkenntnisse aus technischen Gutachten unabhängiger Prüfinstitute würden jedoch den Verdacht nahelegen, dass Produktionsfehler vorliegen könnte: Die Schwellen weisen laut Bahn teilweise Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit auf.

In MV war bisher eine Strecke betroffen

In Mecklenburg-Vorpommern ist davon die Strecke Pasewalk-Prenzlau betroffen gewesen. Laut Sprecher seien hier die Schwellen in den ersten Septembertagen gewechselt worden. Wenn jetzt bei regulären Inspektionen keine weiteren Fehler entdeckt würden, wäre damit der Austauschbedarf in Mecklenburg-Vorpommern erledigt.

Mehr zu tun gibt es augenscheinlich dagegen in Brandenburg und Berlin. Betroffen sind Strecken in der Region Potsdam, im Oderbruch sowie bei Jüterbog. In Berlin stehen der viel frequentierte Ostbahnhof auf dem Bauprogramm sowie Abschnitte im Grunewald und zwischen Charlottenburg und Wannsee. Besonders viel ausgetauscht werden muss darüber hinaus in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Fahrgäste müssen mit Verspätungen rechnen

Bevor die Arbeiten erledigt sind, müssen die Fahrgäste hier mit Verspätungen rechnen. Die Bahn habe vorsorglich reagiert: Züge fahren demnach langsamer über die betroffenen Abschnitte, manche Strecken seien komplett gesperrt worden. Bis Ende des Jahres sollten nahezu alle betroffenen Strecken wieder regulär befahrbar sein, kündigt das Unternehmen an, das durch laufende Inspektionen „in geringem Umfang” noch mit weiteren Einschränkungen rechnet. Teilweise werde sich der Austausch der Schwellen allerdings bis in das kommende Jahr ziehen.

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Der entstandene Schaden lasse sich derzeit noch nicht konkret beziffern. Die Deutsche Bahn geht von einem dreistelligen Millionenbetrag allein für den Austausch der Schwellen aus. Mögliche Regressansprüche gegenüber dem Schwellenhersteller würden auf Basis abschließender Gutachten juristisch geprüft. Unter Verweis auf die noch nicht beendete Ursachenforschung für das Zugunglück bei Garmisch-Patenkirchen nennt die Bahn bisher nicht den Hersteller der Betonschwellen.

 

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