Transplantationen
Ossis zeigen mehr Herz bei der Organspende

Der Rostocker Transplantationsmediziner Frank-Peter Nitschke (links) entnimmt dem Herz eines Verstorbenen die Herzklappen für eine Gewebespende.
Der Rostocker Transplantationsmediziner Frank-Peter Nitschke (links) entnimmt dem Herz eines Verstorbenen die Herzklappen für eine Gewebespende.
Bernd Wüstneck

Im Bundesvergleich spenden Ostdeutsche nach ihrem Tod deutlich öfter ihre Organe als Westdeutsche. Wie kommt es zu der höheren Spendenbereitschaft?

Die Bereitschaft zur Organspende ist in Ostdeutschland deutlich ausgeprägter als in Westdeutschland. Besonders Mecklenburg-Vorpommern sticht durch einen überdurchschnittlich ausgeprägten Spendenwillen hervor.

Dies geht aus den neuesten Zahlen der Deutsche Stiftung Organspende (DSO) hervor, die am Freitag vorgestellt wurden. Dem Bericht zufolge spendeten bundesweit 955 Menschen nach ihrem Tod 3113 Organe für die Transplantation. Das entspricht 11,5 Spendern pro einer Million Einwohner. In MV ist dieser Wert mit 25,6 mehr als doppelt so hoch als im Bundesdurchschnitt.

Quote im Nordosten

Betrachtet man die Nordost-Region – MV, Brandenburg und Berlin – als Ganzes, bestätigt sich dieses Bild: Im Jahr 2018 lag die Quote bei 16,3 Spendern pro einer Million Einwohnern. Auch in den vergangenen zehn Jahren lag die Quote im Nordosten immer deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Der Nordosten führte das gesamtdeutsche Ranking mit drei Ausnahmen sogar fast immer an. Nur in den Jahren 2011, 2015 und 2017 landete man hinter der Region Ost (Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt).

Solidar- statt Konkurrenzgedanke

Warum schneidet der Osten, und ganz besonders der Nordosten, so gut ab beim Thema Organspende? „In der ostdeutschen Bevölkerung ist der Solidargedanke anscheinend immer noch hoch ausgeprägt“, erklärt Detlef Bösebeck, Nordost-Chef der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Die Bereitschaft, zu teilen, sei in Ostdeutschland hoch, da man aus der eigenen Geschichte wisse, wie prägend Mangelerfahrungen seien, glaubt der Mediziner. Auch die Tatsache, dass der Nordosten bei der Organspende deutschlandweit führend ist, bestätigt für Bösebeck die gute Vernetzung aller beteiligten Akteure – Politik, Ärzteschaft, Krankenkassen, Krankenhäuser.

Die Zusammenarbeit insbesondere in MV sei „hervorragend“: „Im Nordosten steht die Zusammenarbeit immer über dem Konkurrenzgedanken. Und es geht nicht vorrangig um Geld, es geht um Engagement.“

Viele Menschen warten auf Organe

Nach Angaben der DSO ist die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr erstmals seit 2010 wieder gestiegen. In MV spendeten 41 Menschen Organe, im Jahr zuvor waren es lediglich 27. In Brandenburg stieg die Zahl von 18 auf 37, in Berlin von 35 auf 48, bundesweit von 797 auf 955.

Insgesamt ist die Zahl damit allerdings nach wie vor viel niedriger, als sie sein müsste, um den Bedarf zu decken: Es warten seit Jahren konstant mehr als 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan.