BAUERN-PROTEST

Umweltministerin treibt Landwirte zur Weißglut

Die Corona-Pause bei den Bauernprotesten ist zu Ende. Vor allem Bundesministerin Svenja Schulze gerät ins Fadenkreuz der Kritik. Mit nur einem Auftritt hat sie die Landwirte mobilisiert.
Landwirte aus MV und Brandenburg protestierten bereits mehrmals gegen die Agrarpolitik.
Landwirte aus MV und Brandenburg protestierten bereits mehrmals gegen die Agrarpolitik. Konstantin Kraft
Neubrandenburg.

Die Traktoren kommen diesmal nicht zum Einsatz. Zum bundesweiten Protesttag lassen es in Mecklenburg-Vorpommern die Landwirte weniger martialisch zugehen. „Wir haben hin und her überlegt. Doch in Schwerin ist es wegen der Verkehrsbeschränkungen schwierig, mit den Schleppern vorzufahren“, sagt Christa-Maria Wendig vom MV-Orga-Team der Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“.

Ziel bleibt trotzdem das Schloss der Landeshauptstadt. Dort soll gemeinsam mit dem Landesbauernverband ein Positionspapier übergeben werden, mit dem die Landwirte ihrem Unmut über die Ereignisse der vergangenen Wochen Luft machen wollen. „Natürlich denken wir an den Mundschutz und halten die Abstandsregeln ein“, stellt die Landwirtin aus Rehberg in der Mecklenburgischen Seenplatte klar.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). „Wir haben mehrmals versucht, mit der Ministerin in den Dialog zu treten, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Doch in Berlin wird alles abgewiegelt“, empört sich die Landwirtin. Als dann die Ministerin in der vergangenen Woche in ihrem Bericht zur Lage der Natur der Landwirtschaft quasi die Alleinschuld für Umweltschäden oder Artensterben gegen habe, sei die Stimmung unter den Landwirten eskaliert. „Über diesen Umgang sind wir entsetzt“, sagt sie.

„Die Diffamierung der Bäuerinnen und Bauern nimmt kein Ende“, teilte der Landesbauernbund Brandenburg am Mittwoch mit. Die Umweltministerin glaube in der modernen Landwirtschaft den Hauptschuldigen erkannt zu haben. „Ihr Glaube hat sich offenbar zu einem festen Gedankengebäude manifestiert, aus dem sie Realitäten erfolgreich verbannt hat“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff. Kein Wort der Anerkennung zu den Anstrengungen, die die Landwirte in den vergangenen Jahren im Bereich Biodiversität erbracht haben. Hinzu kommen deutschlandweit die Verbesserung der Stickstoffbilanz gegenüber 1980 um rund 50 Prozent und der deutlich zurückgegangene Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, führen die Brandenburger Bauern für ihre Branche an.

Landwirte fordern Rücktritt der Ministerin

Innerhalb von wenigen Tagen sei die neue bundesweite Protestwelle organisiert worden. „Land schafft Verbindung“ fordere mit einer Serie von Aktionen den Rücktritt der Ministerin und ihres Staatssekretärs Joachim Flassbarth. „Wer andere Meinungen nicht einmal anhört, ist nicht dialogbereit, nicht demokratiefähig und muss daher abgelöst werden“, so die Landwirte. Besonders sauer sind die Landwirte deswegen, weil sich viele nach der täglichen Arbeit inzwischen engagieren, um im Rahmen der von Bundeskanzlerin Angela Merkel und „Land schafft Verbindung“ angeschobenen Zukunftskommission gemeinsame Leitlinien für die Landwirtschaft zu entwickeln.

„Wir sind bereit, uns für den Naturschutz einzusetzen“, versichert Christa-Maria Wendig. Allerdings müsse der Einsatz der Landwirte für den Naturschutz honoriert werden – neben dem Auftrag, hochwertige Lebensmittel herzustellen. „Gerade in der Corona-Krise hat sich doch gezeigt, wie wichtig und zuverlässig die regionale Versorgung mit unseren Produkten ist“, so die Landwirtin. Darüber solle auch weiter mit der Politik diskutiert werden.

„Land schafft Verbindung“ macht eine eigene Rechnung auf: Nicht nur die Landwirtschaft trage zum Verlust der Artenvielfalt bei, sondern die gesamte Gesellschaft. Durch den Ausbau des 5G-Netzes würden die Insekten in ihrer Orientierung gestört, die Städte seien nachts durch viele Laternen taghell und 92 Milliarden Insekten würden durch die Luftverschmutzung vernichtet. Die „neue Hygienisierung“ der Landwirtschaft habe ebenfalls massive Auswirkungen auf den Insektenbestand. Der klassische Misthaufen müsse mit Plastikfolie abgedeckt werden – „Paradise“ für die Reproduktion der Insekten stünden so massenweise nicht mehr zur Verfügung. Weidetierhaltung werde schwieriger, da Wolfsrudel Weidetiere angreifen und ein Schutz nicht mehr möglich sei. Nehme die Weidetierhaltung ab, würden weitere „Insektenparadise“ reduziert.

 

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