Wegfallende Corona-Zuschläge und allgemein steigende Kosten – das Neubrandenburger Klinikum und andere Krankenh&aum
Wegfallende Corona-Zuschläge und allgemein steigende Kosten – das Neubrandenburger Klinikum und andere Krankenhäuser im Land schlagen Alarm und verlangen von der Politik einen Inflationsausgleich. DBK/Sven Hoppe
Preisschock

Kliniken in MV schlagen Alarm

Alles wird teurer, aber als Krankenhaus könne man nicht so einfach sparen oder höhere Preise durchsetzen, heißt es. Weitere Klinikschließungen könnten die Folge sein.
Neubrandenburg

Die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern sehen die medizinische Versorgung im Land angesichts von stark steigenden Energiepreisen und weiteren allgemeine Kostensteigerungen massiv gefährdet. Die Landes-Krankenhausgesellschaft schlug am Dienstag ebenso wie viele Krankenhäuser im Land Alarm. Bis auf wenige Ausnahmen könnten die schon durch die Corona-Pandemie geschwächten 37 Kliniken im Nordosten die gewachsenen Kosten nicht mehr schultern, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Uwe Borchmann.

Staatliche Hilfen gefordert

Er warnte vor den Folgen drohender Klinikschließungen. Schon jetzt hätten die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit mit die längsten Wege zum nächsten Krankenhaus. „Wir können uns daher keine weitere Ausdünnung der Standorte erlauben, ohne die Versorgung der Menschen zu gefährden“, mahnte Borchmann.

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Er forderte staatliche Finanzhilfen, um die teilweise auf das Vierfache steigenden Energiekosten bewältigen zu können. Die Reformpläne des Bundes zur Stabilisierung der Krankenkassen müssten gestoppt werden, da sie den wirtschaftlichen Abstieg der Krankenhäuser noch beschleunigten und die Entlassung von medizinischem Personal nach sich zögen, mahnte er. Von der Landesregierung verlangt Borchmann, sich beim Bund für die Klinken starkzumachen und eigene Rettungsmaßnahmen einzuleiten.

Noch schlagen Energiepreise nicht mal voll durch

Das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum mit Standorten in Neubrandenburg, Altentreptow und Malchin warnte genau wie andere Kliniken im Land vor einem drohenden finanziellen Kollaps. Die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern bräuchten einen kurzfristigen Inflationsausgleich. Dabei seien es im Moment noch nicht einmal die Energiepreise, die dem Haus zu schaffen machen würden, denn für das laufende Jahr gebe es noch Festpreisverträge für Strom und Gas. Vielmehr seien es die massiven Preissteigerungen, insbesondere in den Bereichen Energie, Medizinprodukte, ausgelagerte Wäschereien und Kosten für die Kantine, die das Klinikum an seine Belastungsgrenze bringen würden.

„Zurzeit verzeichnen wir einen Kostenanstieg von mindestens 10 Prozent. Hier sind steigende Personalkosten und Energiekosten noch nicht berücksichtigt. Für die Zukunft fehlt uns jede Planungssicherheit”, machte Klinikumssprecherin Anke Brauns deutlich. Die aktuellen finanziellen Belastungen seien nicht mehr zu stemmen, auch weil die Pauschalen pro Patient nicht an die Inflation angepasst seien. Das müsse schleunigst geändert werden.

Weitere Probleme mit Corona-Kosten

In diesem Zusammenhang wies das Klinikum auch auf erhöhte Kosten für die Behandlungs von Corona-Patienten hin. Die gesetzlichen Corona-Ausgleichszahlungen und -Versorgungszuschläge für Krankenhäuser seien bereits zum 18. April beziehungsweise zum 30. Juni ausgelaufen. Das Klinikum behandele aktuell 44 Corona-positive Patienten. Den personellen und materiellen Aufwand für Hygienemaßnahmen und ordnungsgemäße Isolation müsse das Krankenhaus seither allein tragen.

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Eine ähnliche Einschätzung gab auch von der Klinik Amsee in Waren. Schon jetzt hätten sich viele für Waren und Dienstleistungen spürbar verteuert. Zusätzlich müsse man steigende Kosten für Gas und Strom einkalkulieren, ohne Aussicht auf eine Steigerung der Vergütung für erbrachte Leistungen am Patienten zu haben. Und Krankenhäuser könnten nicht einfach den Stecker ziehen und Strom sparen, hieß es.

Unimedizin geht von Verdreifachung aus

Die Unimedizin Greifswald machte die bedrohliche Lage an konkreten Zahlen deutlich. Die Kosten für Strom würden sich von aktuell 4,7 Millionen auf 14,5 Millionen Euro im kommenden Jahr mehr als verdreifachen, bei der Fernwärme sehe es mit einem Preissprung von jetzt 2,7 Millionen Euro auf 8,3 Millionen Euro ähnlich aus, erklärte der Kaufmännische Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Toralf Giebe.

 

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