Die Pilzsachverständige Petra Bonin ruft angesichts einiger Vergiftungen zuletzt zu größerer Sorgfalt beim Sam
Die Pilzsachverständige Petra Bonin ruft angesichts einiger Vergiftungen zuletzt zu größerer Sorgfalt beim Sammeln von Pilzen in der Seenplatte auf. Thomas Beigang
Der giftige Pantherpilz (links) sieht dem genießbaren Perlpilz (rechts) ähnlich.
Der giftige Pantherpilz (links) sieht dem genießbaren Perlpilz (rechts) ähnlich. Montage mit © fine pics und © Silvana Eckert – stock.ado
Vergiftungen

Pilzberaterin warnt vor gefährlichen Verwechslungen

Petra Bonin, die sich als geprüfte Sachverständige mit Pilzen auskennt, macht sich große Sorgen. Denn einige Sammler sind bei der Auswahl zu sorglos und mussten das büßen.
Neubrandenburg

Immer wieder mitten in der Nacht. Petra Bonin aus der Neubrandenburger Oststadt weiß genau, warum sie gerade dann vom Alarmruf geweckt wird, wenn sie tief schläft. „Die Wirkung des Giftes setzt ein paar Stunden nach dem Abendessen ein. Also nachts.“

Fast immer Panther- und Perlpilz verwechselt

Petra Bonin ist eine von acht geprüften Pilzsachverständigen im Landkreis Seenplatte. Und immer dann, wenn in der Notfallambulanz des Neubrandenburger Klinikums jemand mit dem Verdacht auf eine Pilzvergiftung eingeliefert wird, muss die in Nähe Wohnende in die Klinik eilen, um auf Bitten der Notfallmediziner im Gespräch mit den Betroffenen oder, wenn das nicht möglich ist, mit den Angehörigen klären, ob vielleicht die falschen Pilze gegessen worden sind.

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„Drei Mal ist das passiert in den vergangenen Tagen“, zählt die Pilzberaterin auf. Mit schlimmen Folgen. Eines der Opfer musste sogar notbeatmet werden. Und in allen drei Fällen hat die Sachverständige die Ursache für die dramatischen Zusammenbrüche schnell erkannt: Die Sammler haben den gut genießbaren Perlpilz mit dem sehr giftigen Pantherpilz verwechselt. In einem der Fälle hat Petra Bonin Reste des „bösen“ Pilzes noch in der Pilzmahlzeit entdeckt, die beim Abendessen übrig geblieben ist.

Schon 100 Gramm kömmen tödlich sein

„Die Leute rennen in diesen Tagen in Scharen durch die Wälder, weil gerade sehr viele Pilze wachsen und sich das Sammeln lohnt“, so die Fachfrau. Doch dabei können falsche Pilze in den Körben landen – ein Irrtum mit fatalen Folgen. Schon in 100 Gramm des giftigen Pantherpilzes können eine für Menschen tödliche Dosis enthalten. „Der Pantherpilz wächst gerade sehr häufig in den Wäldern“, erklärt Petra Bonin. Der wichtigste Unterschied zum ähnlich aussehenden Perlpilz: Die Haut des Hutes lässt sich nicht abziehen, beim Perlpilz sei das sehr gut möglich, so die Neubrandenburgerin.

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Eine weitere Pilzart, die in unseren Wäldern gerade verstärkt vorkommt und zu tödlichen Vergiftungen führen kann, ist der Gifthäubling, der mit essbaren Stockschwämmchen verwechselt werden kann. „Man muss sich den Stiel genau ansehen“, sagt die Fachfrau. Der des Stockschwämmchens sei geschuppt, der Stiel des Gifthäublings dagegen sei gefasert.

Schon öfter Leben gerettet

Der dringende Rat der Sachverständigen ist kein neuer: Nur solche Pilze essen, bei denen man sicher sein kann, dass sie genießbar sind. Im Zweifel trotz aller Sammelleidenschaft Pilze lieber lassen oder sich von den Pilzsachverständigen grünes Licht geben lassen. Die Erreichbarkeiten der Fachleute im Landkreis Seenplatte kann auf der Internetseite des Landkreises (www.lk-mecklenburgische-seenplatte.de) nachgelesen werden.

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Von den vielleicht 5000 verschiedenen Pilzen, die in der Region wachsen können, kennt Petra Bonin nach eigenem Bekunden „vielleicht 700“. Die Mathelehrerin hat schon 1978 ihre Prüfung zur Pilzsachverständigen bestanden. Wie wichtig der ehrenamtliche Job der Pilzberaterin und ihrer Kollegen in der Region ist, haben die Experten selbst in ihrer Statistik festgehalten: Im manchen Pilzjahren sammelten Petra Bonin und die anderen Pilzsachverständigen der Seenplatte immerhin bis zu elf hochgiftige Pilze aus den Körben der Pilzfreunde, die ihre „Ernte“ von den Experten unter die Lupe nehmen ließen. „Und die“, sagt Petra Bonin, „führen zum Tode oder schweren Krankheiten“.

„Pilze stets frisch essen und ausreichend garen“

Gott sei Dank – und auch ein Verdienst ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit – sei schon seit Jahren in Neubrandenburg und Umgebung niemand mehr nach dem „Genuss“ giftiger Pilze ums Leben gekommen. „Aber“, warnt die Sachverständige, „die häufigste Ursache aller Pilzvergiftungen ist der Verzehr zu alter oder unzureichend gegarter Pilze, die man eigentlich als essbar kennt. Pilze sollten immer ausreichend – mindestens 15 bis 20 Minuten – gegart werden“.

 

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