Deutsche und polnische Grenzschützer bei einem Aufgriff illegaler Einwanderer bei Löcknitz.
Deutsche und polnische Grenzschützer bei einem Aufgriff illegaler Einwanderer bei Löcknitz. Thomas Beigang
Staatsgrenze: Ein paar Meter hinter Blankensee endet Deutschland und beginnt Polen.
Staatsgrenze: Ein paar Meter hinter Blankensee endet Deutschland und beginnt Polen. Thomas Beigang
Blankensees polnische Nachbargemeinde Buk, gleich hinter der Grenze gelegen.
Blankensees polnische Nachbargemeinde Buk, gleich hinter der Grenze gelegen. Thomas Beigang
Der Radweg an der deutsch-polnischen Grenze liegt verlassen da.
Der Radweg an der deutsch-polnischen Grenze liegt verlassen da. Thomas Beigang
Polnische und deutsche Polizisten stehen gemeinsam an einem Grenzübergang.
Polnische und deutsche Polizisten stehen gemeinsam an einem Grenzübergang. Stefan Sauer
Fast täglich kreist ein Hubschrauber der Bundespolizei über den Dörfern an der deutsch-polnischen Grenze.
Fast täglich kreist ein Hubschrauber der Bundespolizei über den Dörfern an der deutsch-polnischen Grenze. Stefan Sauer
Derzeit eines der größten Probleme in den Grenzdörfern: Müllberge im Wald, oftmals voller Kleidungsst&uum
Derzeit eines der größten Probleme in den Grenzdörfern: Müllberge im Wald, oftmals voller Kleidungsstücke. ZVG/privat
Grenzdörfer und ihre Probleme

Die Sorgen mit den Fremden

Die Lage in den Orten entlang der deutsch-polnischen Grenze hat sich in den vergangenen Tagen etwas beruhigt. Die Einwohner passen auf, natürlich auch die Bundespolizei – selbst aus der Luft.
Löcknitz

Das Dorf Blankensee, nördlich von Löcknitz gelegen und nur wenige Hundert Meter von der Grenze im Osten entfernt, liegt um die Mittagsstunde an diesem trüben Novembertag verschlafen da. Selbst die meisten Hunde springen nicht an, wenn unbekannte Besucher auf den Bürgersteigen vor den blitzblanken Höfen entlang spazieren. Eine ältere Dame mit Schürze, die gerade vor ihrem Zaun nicht vorhandenen Dreck wegfegt, hat sich selbst Redeverbot auferlegt, als der Nordkurier mit ihr reden will. Das sei nicht persönlich gemeint, sagt sie aber.

31 Migranten in einem Kleintransporter entdeckt

In Blankensee haben die Leute gerade nur wenig Lust auf Fremde. Zu viele waren es, die in den vergangenen Wochen über sie gekommen sind. Angemeldete und Heimliche, die einen meist tagsüber, andere in der Nacht. Das Dorf zählt mit einigen anderen in der Nachbarschaft zu jenen Gemeinden, über die viele illegale Einwanderer aus Polen nach Deutschland gekommen sind. Erst vor wenigen Tagen haben Bundespolizisten hier in einem Kleintransporter 31 Iraker aufgegriffen. Den 19 Männern, zwei Frauen und zehn Kindern sei es nicht besonders gut gegangen, teilte die Bundespolizei mit.

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Migranten zumeist aus dem arabischen Raum versuchen seit Monaten verstärkt, über Belarus in die EU zu gelangen. Dabei nutzen sie auch den Weg über Polen nach Deutschland. Die Regierungen Deutschlands und Polens beschuldigen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Die große Weltpolitik kam im Spätsommer in Blankensee an.

Kontrollen treffen auch Staatssekretäre

Wenn Bürgermeister schadenfroh grinsen, ist irgendwo in der Kreisverwaltung etwas schief gegangen. Oder sogar einem Landespolitiker passierte gerade ein Missgeschick. Dieses Mal hat es Patrick Dahlemann erwischt, den von der Landesregierung im mecklenburgischen Schwerin eingesetzten Staatssekretär für den vorpommerschen Landesteil. Der hat nämlich freimütig während einer Videokonferenz mit Bürgermeistern des Amtes Löcknitz davon erzählt, dieser Tage gleich dreimal hinter der Grenze von der Polizei gestoppt worden zu sein, als er mit dem Auto von einer Dienstreise aus Polen zurückkehrte.

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„Tja“, sagt Blankensees Bürgermeister Stefan Müller, so etwas passiere eben. Er selbst müsse dies jetzt schließlich auch häufig über sich ergehen lassen, die Polizei sei hier allgegenwärtig. Sagt es und lobt im gleichen Atemzug die Zusammenarbeit mit der hiesigen Bundespolizei.

Mehr Probleme mit dem Müll als mit Corona

Nicht ganz so gut lief das aus der Sicht der Bürgermeister dieser Gegend bislang mit der Landesregierung. Jetzt erst hätten die aus dem mehr als 200 Kilometer entfernten Schwerin sich bei ihnen gemeldet, mit der besagten Videokonferenz, an der Ministerin Bettina Martin und eben Staatssekretär Dahlemann teilnahmen. Die ungeklärte Sache mit dem Müll haben die Bürgermeister an die Landespolitiker herangetragen und die gestiegene Corona-Gefahr, die mit den Migranten vielleicht noch gefährlicher werden kann.

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„Noch immer ist unklar, wer für die gestiegenen Kosten der Müllabfuhr aufkommt, die von den illegalen Einwanderern verursacht wurde und wird. Die Gemeinden und der Landkreis wohl kaum“, sagt Stefan Müller aus Blankensee.

Wenig los – das ist gut für die Allee

Und was ist eigentlich mit Corona? Die Bürgermeister fürchten, dass positive Tests unter Migranten in die Statistik des Kreises einfließen und die Inzidenzen nach oben treiben. Aber, so hieß es, die Zahl der Flüchtenden, die bei der illegalen Einreise nach Vorpommern an Corona erkrankt sind, sei noch ziemlich niedrig.

Der kleine Grenzübergang, an dem wenige Hundert Meter östlich von Blankensee Deutschland endet und Polen beginnt, hat nichts zu tun. Gähnende Langeweile herrscht hier, alle paar Minuten nur rauscht ein Auto auf der polnischen Seite parallel zur Grenze vorbei. Der geringe Verkehr tut der jungen Baumallee gut, die vor wenigen Jahren zwischen Blankensee und dem polnischen Buk gepflanzt wurde. Schließlich, so verrät ein großes Schild, soll hier die Biodiversität erhalten bleiben.

Die Leute passen auf und rufen die Polizei

Wer hier bei Nacht und Nebel die Grenze zwischen Polen und Deutschland überschreitet, verschwendet darauf keinen Blick. Die Leute in den Dörfern schauen dafür sehr genau hin. „Der Kontakt zur Bevölkerung ist sehr gut“, lobt der Leiter der Bundespolizeiinspektion in Pasewalk, Jürgen Köhler und meint die Anrufer, auf die sich seine Grenzschützer verlassen können. Wenn hier illegale Einwanderer beobachtet werden, benachrichtigen Dorfbewohner die Polizei.

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Auch wenn im fernen Schwerin – je nach politischer Ausrichtung – Parteien aus der gestiegenen Zahl der Migranten politisches Kalkül ziehen wollen, der Inspektionsleiter bleibt unaufgeregt. „Wir fühlen uns gut aufgestellt und haben das im Griff“, sagt Köhler. Verstärkung aus anderen Bundesländern sei längst eingetroffen.

Gemeinsame Dienststelle erleichtert die Arbeit

Der Pasewalker kann zudem ein entscheidendes Pfund in die Waagschale werfen: Am Grenzübergang in Pomellen ist eine gemeinsame deutsch-polnische Dienststelle beheimatet, mit je 30 Kollegen beider Nationen besetzt. Viel weniger Bürokratie, die Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben auch auf dem Territorium des jeweils anderen und ganz kurze Wege bei der Information sind deren große Vorzüge, ist der Polizeidirektor überzeugt. Und außerdem: Die gegenwärtige Lage an der Grenze, so die Einschätzung des Fachmanns, sei im Augenblick eine relativ ruhige.

Bürgermeister Müller aus Blankensee mag das gern bestätigen, auch das sich „seine“ Leute in der Gemeinde sicher fühlen angesichts der großen Polizeipräsenz, der schon Staatssekretäre zum Opfer fielen. Auch wenn der oft tief fliegende Helikopter der Bundespolizei manchmal schon einen schönen Schrecken einjagt. Aber hier auf dem Land hat das Flugobjekt schon seinen Spitznamen weg, heißt es. „Die nennen das Ding den Asylanten-Habicht“.

 

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