Eine Kreisliga-Partie auf Rügen musste vorzeitig abgebrochen werden, nachdem ein Schiedsrichter wegen eines Platzverweise
Eine Kreisliga-Partie auf Rügen musste vorzeitig abgebrochen werden, nachdem ein Schiedsrichter wegen eines Platzverweises angegriffen wurde. Frank May
Spielabbruch auf Rügen

Schiedsrichter drohen wegen anhaltender Gewalt mit Streik

Weil Übergriffe und Bedrohungen gegen Schiedsrichter auf Fußballplätzen in MV deutlich zugenommen haben, spielen Unparteiische mit dem Gedanken, künftig gar nicht mehr zu pfeifen.
Rostock

Wegen anhaltender Gewalt gegen Unparteiische drohen Schiedsrichter in MV künftig keine Spiele mehr zu pfeifen. Nach einer deutlichen Zunahme gemeldeter Gewalthandlungen und Übergriffen auf Schiedsrichter müsse „schon für die ganz nahe Zukunft darüber nachgedacht werden, unsere Schiedsrichter mit der Nichtbesetzung von Spielen zu schützen”, teilte Torsten Koop, Vorsitzender des Schiedsrichterausschuss im Landesfußballverband (LVF) in einem Verbandsschreiben mit.

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Auslöser für die Streik-Drohung ist eine Attacke bei einem Kreisliga-Spiel in Rambin auf Rügen. Die Partie zwischen dem FSV Garz und dem SV Rambin wurde am Samstag vom Schiedsrichter vorzeitig beendet, nachdem er von einem Spieler wegen eines Platzverweises angegriffen wurde, sagte ein Verband-Sprecher dem Nordkurier.

Seinen Angaben zufolge hat es in der Hinrunde der laufenden Spielzeit „eine handvoll Übergriffe” gegeben, während im Vergleich dazu aus der Hinrunde 2019 keine vergleichbaren Vorfälle bekannt seien. Dabei würden Unparteiische geschubst, bespuckt oder anders körperlich angegangen.

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Genauere Auskünfte zu dem Vorfall beim Kreisligaspiel auf der Ostseeinsel gab der Sprecher mit Verweis auf die ausstehende Entscheidung des Sportgerichts nicht. Einem Sportbuzzer-Bericht zufolge soll ein Spieler des FSV Garz dem Schiedsrichter die Pfeife aus dem Mund geschlagen haben, nachdem dieser ihm kurz vor der Halbzeitpause einen Platzverweis aussprach. Dann, heißt es in dem Bericht weiter, sei der Unparteiische nach eigener Aussage von dem Spieler getreten worden sein. Verantwortliche des Vereins bestreiten den Angaben zufolge diese Version.

Allerdings veröffentlichte der FSV Garz am Dienstag eine Stellungnahme in der es heißt, „Wir bedauern den Vorfall zutiefst und werden dies mit allen Beteiligten gründlich aufarbeiten.” Die Geschehnisse wolle man intern beleuchten und „adäquate Konsequenzen” ziehen. Zudem entschuldigt sich der Verein bei dem betroffenen Schiedsrichter „in aller Form”.

Schiedsrichterausschuss-Chef Koop berichtet nach dem Vorfall, dass aktuell „teils harte körperliche Übergriffe” zu erleben sind, „die noch vor nicht allzu langer Zeit eigentlich unvorstellbar waren.” Es gebe derzeit „kaum noch Hemmschwellen”, stellt Koop fest.

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Wegen der zunehmenden Gewalt treibt die Verantwortlichen im LFV offenbar die Sorge um, Spiele könnten künftig auch ohne Schiri-Streik zum Selbstschutz wegen fehlender Unparteiischer ausfallen. Im Zuge der Corona-Pandemie habe sich deren Anzahl schon leicht reduziert, was sich bereits auf die Besetzung bestimmter Partien auswirke. „Eine Fortsetzung des zunehmend rohen Umgangs mit den Referees dürfte diese negative Entwicklung noch verschärfen”, heißt es vom LFV.

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