KREIDEFELSEN

Streit um „Königsweg“ auf Rügen eskaliert

Wegen des Streits um die geplante schwebende Aussichtsplattform über dem Königsstuhl auf der Insel Rügen sind drei Vorstandsmitglieder des Seniorenbeirats Sassnitz zurückgetreten.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Wie eine Art Heiligenschein soll die neue, umstrittene Aussichtsplattform als 90 Meter langer, ellipsenartiger Rundweg über dem Königsstuhl auf Rügen schweben (Computergrafik).
Wie eine Art Heiligenschein soll die neue, umstrittene Aussichtsplattform als 90 Meter langer, ellipsenartiger Rundweg über dem Königsstuhl auf Rügen schweben (Computergrafik). Computergrafik: sbp
Die Seitenansicht.
Die Seitenansicht. Computergrafik: sbp
Der Zugang zu Rügens berühmten Königsstuhl wird jährlich von 300.000 Nationalparkbesuchern betreten. Er gilt als zunehmend instabil.
Der Zugang zu Rügens berühmten Königsstuhl wird jährlich von 300.000 Nationalparkbesuchern betreten. Er gilt als zunehmend instabil. Sommer
Sassnitz.

Um den Bau einer touristischen Aussichtsplattform über Rügens bröckelndem Königsstuhl wird immer heftiger gestritten. Vor allem alteingesessene Bewohner der Region sind gegen die schätzungsweise sieben Millionen Euro teure Stahlkonstruktion an Mecklenburg-Vorpommerns bekanntestem Wahrzeichen.

Nachdem der von einer Bürgerinitiative angestrebte Bürgerentscheid über den sogenannten „Königsweg“ wegen eines Rechenfehlers der Stadtverwaltung Sassnitz formal gescheitert war, riss dem Chef des Seniorenbeirates, Gerd Slowy, der Geduldsfaden.

Beirats-Chef fordert Rücktritt des Bürgermeisters

Im scharfen Ton hatte er sich Anfang September mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt und gefordert, dass der Bürgermeister Frank Kracht (Linke) „über eigene Konsequenzen schnellstmöglich nachdenkt“. Doch der Vorstoß war offenbar nicht mit den anderen Vorstandskollegen abgestimmt worden. Erbost über den Alleingang haben jetzt mit Ilona Wünscher, Andreas Pfaffe und Christel Bohn gleich drei der fünf Beiratsmitglieder ihren Rücktritt erklärt.

Der Rüganer Journalist Pfaffe distanzierte sich von Slowys Rücktrittsforderungen an den Bürgermeister. Sie seien nicht im Namen des Beirates geschrieben worden. Beiratschef Slowy bedauerte das Zerwürfnis, verwies aber drauf, dass der Seniorenbeirat zwar nicht parteilich gebunden, aber eben auch nicht unpolitisch sei.

805 Unterschriften für Bürgerentscheide

Gegner des „Königsweges“ fordern den Verzicht auf das schwebende Bauwerk über dem Kreidefelsen und schlagen stattdessen den Wiederaufbau der historischen Holzbrücke zum Strand am Königsstuhl vor. Im Sommer hatten sie insgesamt 805 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt. Damals war man von 6.610 Wahlberechtigten in Sassnitz ausgegangen. Demnach wäre die laut Kommunalverfassung erforderlichen Zehn-Prozent-Hürde geschafft gewesen.

Doch kurz darauf ließ das Rathaus verkünden, dass es in Sassnitz in Wirklichkeit 8.518 Wahlberechtigte gibt und somit ein Unterschriftenquorum von 852 gültigen Stimmen erforderlich gewesen sei. Bürgermeister Kracht hatte die Veantwortung für den Form- und Rechenfehler übernommen. Doch der für ihn unbequeme Bürgerentscheid war damit vom Tisch.

Zugang zum Königsstuhl droht Sperrung

Geologen hatten in der Vergangenheit mehrfach davor gewarnt, dass der von jährlich 300.000 Nationalparkbesuchern benutzte Zugang zum Königsstuhl, die sogenannte Königsstiege, allmählich abrutschen könnte. Es droht irgendwann eine Sperrung.

Um die über Landesgrenzen hinaus bekannte Aussicht auch künftig erlebbar zu machen, hatte die Stadt ein Berliner Planungsbüro mit der Erstellung einer Alternative beauftragt. Seitdem wird auf Rügen über den Bau einer filigranen, seilverspannten Pylonbrücke in Form eines Rundweges über dem Königsstuhl gestritten.

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