CHANCE ODER LUFTSCHLOSS?

Verein will Schloss Putbus auf Rügen wieder aufbauen

Auf Rügen mehren sich Forderungen nach einem Wiederaufbau des Schlosses Putbus. Es war auf Anordnung der SED abgerissen worden. Jetzt wurde eine Vision vorgestellt, wie es wieder aussehen könnte.
Das Schloss war einst zentraler Ort der Residenzstadt Putbus, bis es Anfang der 1960er Jahre abgerissen wurde.
Das Schloss war einst zentraler Ort der Residenzstadt Putbus, bis es Anfang der 1960er Jahre abgerissen wurde. Sammlung: Christian Bruhn
Putbus.

Für viele Alteingesessene war das einstige Fürstenschloss zu Putbus das schönste in Vorpommern. Das Herrenhaus, das 1872 nach einem verheerenden Brand im Stile der Gründerzeit errichtet worden war, gibt es seit 55 Jahren nicht mehr. Nur noch die einstige Schlossseeterrasse mit der Pergola existiert noch. Die Fundamentreste liegen unter einer dichten Grasnarbe.

Seit sich vor mehr als einem Jahr in Putbus der „Förderverein Fürstliches Schloss zu Putbus“ gegründet hat, werben dessen Mitglieder dafür, das einst zentrale Element der ehemaligen Residenzstadt wiedererstehen zu lassen. Am Wochenende hat der Verein seine Vision vorgestellt.

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Was anderenorts möglich sei, müsse auch auf Rügen möglich sein, sagt Vereinsmitglied Torsten Seegert und erinnert an die 1968 gesprengte Pauliner Kirche in Leipzig, an deren Stelle 2017 das sogenannte Paulinum eröffnet wurde.

Auch die 2005 wiedererrichtete Frauenkirche in Dresden, das für mehr als 600 Millionen Euro in Bau befindliche ehemalige Stadtschloss von Berlin, das vor wenigen Jahren wieder eingeweihte Stadtschloss von Potsdam und der begonnene Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam seien Belege für die Wiederentstehung national bedeutender Kulturgüter, die einst durch Krieg und SED-Diktatur verloren gegangen seien.

„Wir wollen nicht der Vergangenheit hinterherrennen“, sagt Vereinsvorsitzender Christian Bruhn, der viele Jahre als Stadtarchivar von Putbus tätig war. „Der Ort brauche dieses weiße Schloss wieder, um seine Identität wiederzuerlangen.“

DDR-Kultusminister ließ Schloss Putbus abreißen

Das einstige Anwesen hatte seine Wurzeln im sogenannten „Steinernen Haus“, das 1371 als erster Wohnsitz derer zu Putbus entstanden war. Bekannt sind insgesamt sieben Bauphasen in fünf Architekturstilen, vor allem das 1827 bis 1833 von Ortsgründer Fürst Wilhelm Malte I. nach Entwürfen des Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer gebaute Schloss, das nach dem zerstörerischen Brand 1865 im Stil des Neoklassizismus wiedererrichtet worden war.

Von den Nationalsozialisten enteignet, wurde das Schloss zum Ende des Zweiten Weltkrieges von militärischen Dienststellen unter anderem als Lazarett genutzt. Nach Kriegsende wurde es geplündert und diente zeitweise als Kindergarten, Schauspielschule und Berufsschule. Auf Drängen der Denkmalpflege begann in den 1950er Jahren die Wiederherstellung des bedeutendsten Profanbaus Rügen. Sie scheiterte jedoch an finanziellem und fachlichem Mangel sowie an einem Wasserschaden durch die im Obergeschoss installierte Regenwasserzisterne.

Das Todesurteil wurde am 9. April 1957 gesprochen, als der damalige stellvertretende DDR-Kulturminister Alexander Abusch (SED) den Rat des Bezirkes Rostock anwies, das Schloss abzureißen. Nach dem Rückbau und mehreren Sprengungen wurden die Überreste bis 1964 einplaniert.

Wiederaufbau würde rund 60 Millionen Euro kosten

Die Kosten für einen möglichen Wiederaufbau beziffern Experten heute auf etwa 60 Millionen Euro. Zu den Befürwortern zählt auch der Berliner Bildhauer Carlo Wloch, der unter anderem am Wiederaufbau des Schlosses Berlin mitwirkte und auch die Restaurierung der Putbuser Fürstengruft in Vilmnitz leitete.

In einem ersten Schritt will der Verein jetzt für einen Konsens in der Bevölkerung von ganz Rügen für eine Wiederrichtung werben. Zugleich sollen Nutzungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Einen ersten Vorschlag hat der Landschaftsökologe und langjährige Leiter der Naturschutzakademie Vilm, Prof. Hans Dieter Knapp, unterbreitet. Er spricht sich für ein Rügenmuseum aus, das die Geschichte und Einzigartigkeit der größten deutschen Insel dokumentiert.

An den Kosten müsste sich der Bund beteiligen, sagt Knapp. Immerhin sei er der Rechtsnachfolger derer, die einst das Schloss zerstört hätten.

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