Ist der Helm vielleicht eine Alternative beim Kopfball-Training? Laut Lutz Wenndorff nicht, denn mit einem Helm habe er wenige
Ist der Helm vielleicht eine Alternative beim Kopfball-Training? Für unseren Nachwuchssportler Lutz Wenndorff nicht: Mit einem Helm habe er weniger Kontrolle über die Richtung, in die der Ball fliegt. Caroline Wenndorff
Fußball-Training

Ärzte wollen Kopfbälle verbieten – wie gefährlich sind sie für Kinder?

Fachärzte fordern, das Kopfball-Training für Kinder zu verbieten, denn es fördere eine Demenzerkrankung. Der DFB sieht das anders. Was sagt der Landesfußballverband?
Neubrandenburg

In den USA sind Kopfbälle für Kinder unter zehn Jahren verboten. In England, Schottland und Nordirland besteht seit Anfang 2020 ein Verbot von Kopfbällen im Training von Kindern unter zwölf Jahren. Das fordern nun auch Fachärzte der Hamburger Asklepios Klinik Nord für Deutschland.

Kopfbälle führen zu Demenz

Eine schottische Studie hatte nämlich bereits 2019 bei Fußballern ein erhöhtes Risiko dafür gefunden, an Demenz oder Alzheimer zu sterben. Da das Gehirn nicht fest angewachsen sei, gerate es in Bewegung und könne leicht zu einer Gehirnerschütterung führen. Und wackele das Gehirn über einen längeren Zeitraum immer wieder, könne dies zu Demenz führen.

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Die Mediziner riefen deshalb den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, Position gegen das frühe Kopfballspiel zu beziehen und das Kopfball-Training für Kinder unter zwölf Jahren zu verbieten. „Die Experten der Klinik sind sich einig darin, dass ein klares Verbot von Kopfbällen die deutlich verantwortungsvollere Version wäre”, teilte ein Sprecher der Asklepios Kliniken mit.

Kopf des Gegners sei schlimmer als Kopfbälle

Ein Trainingsverbot sei der falsche Weg, entgegnet Ronny Zimmermann vom DFB-Präsidium. Denn im Wettbewerb oder auch beim Kick auf dem Bolzplatz werde dann doch geköpft. Und er ergänzt: „Der junge Fußballer und die junge Fußballerin wenden möglicherweise eine falsche Technik an, die im Worst Case zu deutlich größeren Schädigungen führen kann.”

Auch der Teamarzt der Deutschen Nationalmannschaft, Tim Meyer, hatte vor unüberlegten Verboten gewarnt: „So ein Kopfball zieht in der Regel kein greifbares medizinisches Krankheitsbild nach sich.” Gehirnerschütterungen könnten zwar vereinzelt bei Kopfbällen auftreten. „Meistens ist es nicht der Ball, der diese Gehirnerschütterung auslöst, sondern der Kontakt mit dem Kopf des Gegners, der Schulter, der Pfosten oder dem Boden”, sagte Meyer.

Training und Spielformen sollten angepasst werden

Der DFB empfiehlt deshalb für das Training in den jüngeren Jugendklassen leichte Bälle – teils aus Schaumstoff – sowie eine geringe Zahl von Kopfball-Wiederholungen pro Training. Kleine Spielfelder bei den Jüngeren und Mini-Tore sollen außerdem dazu beitragen, dass die Bälle flach gespielt werden.

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Und wie sieht es der Landesfußballverband in Mecklenburg-Vorpommern? Der orientiere sich an den Empfehlungen des DFB. Das bedeute konkret: Kein generelles Verbot, aber eine Anpassung der Trainings- und Spielformen. „Gerade im Hinblick auf den Kinderfußball wird hier ja neben der Entwicklung technischer Fertigkeiten und Entscheidungsfindungen der einzelnen Spieler:innen mit Angeboten auf kleinen Feldern mit kleineren Toren sowie kleineren Teamgrößen das Kopfballspiel nahezu automatisch reduziert”, erklärt Pressesprecher Robert French. Im Training solle zudem durch die Übungsleiter auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema geachtet werden.

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