E.on gehört mit rund 14 Millionen Kunden zu den größten deutschen Stromversorgern.
E.on gehört mit rund 14 Millionen Kunden zu den größten deutschen Stromversorgern. Mona Wenisch
Kundenärger

Nicht-Kunde zeigt Energieriesen E.on bei der Polizei an

Was tun, wenn man keinen Vertrag hat und trotzdem eine immer höhere Stromrechnung bezahlen soll? Fast ein Jahr lang war ein Verbraucher damit konfrontiert.
Ueckermünde

Es ist ein Kampf David gegen Goliath und Dieter Wagner hat ihn aufgenommen. Jetzt, nach einem nervenaufreibenden Jahr ist er kurz davor, den Energiegiganten E.ON in die Knie zu zwingen. Doch so ganz traut der Ueckermünder dem Frieden nicht. Aus gutem Grund, wie sich noch zeigen wird.

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Die Tortur begann nach Wagners Auskunft am 1. April 2021 recht herzlich. In einem Willkommensschreiben begrüßte E.on die Familie und legte gleich eine Vertragsbestätigung und den Termin für den ersten Abschlag für die Stromlieferung bei. „Großes Staunen“, beschreibt Wagner seine erste Reaktion.

„Wir haben gar keinen Vertrag bei E.on beantragt, abgeschlossen oder unterschrieben, sondern seit Jahren einen anderen, zuverlässigen Stromversorger“, sagt er. Aus seiner Sicht könne es sich nur um eine Verwechslung oder einen Aprilscherz handeln. Per Mail hakt Wagner bei E.on nach.

Angebliche Photovoltaikanlage soll Ursache sein

Als Antwort kommt 14  Tage später ein Packen Auftragsformulare für Stromlieferungen und Kleingedrucktes. Insgesamt 12 Seiten plus Reklame, erinnert er sich. Familie Wagner reagiert umgehend auf den Fehler und bittet um Klärung der Angelegenheit. Doch die folgende Ruhe erweist sich als trügerisch.

Am 15. September liegt eine Stromrechnung auf dem Tisch: 1122,66 Euro für Februar bis August 2021. „Da steigt schon der Blutdruck“, gibt Dieter Wagner zu. Er verlangt die sofortige Aufklärung des Sachverhalts und kündigt an, sich einen Rechtsbeistand zu suchen.

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Jetzt liefert E.on dem Nicht-Kunden zumindest eine Antwort. Angeblich beziehe die Familie für ihre Photovoltaikanlage eine geringe Menge Strom, die im Rahmen der Grundversorgung abgerechnet werde. „Diese Anlage existiert gar nicht“, wundert sich der Ueckermünder.

E.on legt mit einer Zahlungserinnerung nach und droht die Stromabschaltung an. Jetzt geht es Schlag auf Schlag, fast im Wochentakt. Bald lesen Wagners: „Letzte Mahnung!“ Gekoppelt an den Hinweis, dass eine Entsperrung mit 192,79 Euro zu Buche schlagen würde.

Versuche, einen festen Ansprechpartner bei E.on zu erhalten, scheitern mehrmals. Dieser Rat von Verbraucherschützern, den Wagner befolgt, läuft ins Leere. Mahnung folgt auf Mahnung. Drohung auf Drohung. Jetzt beginnt auch die Rechnungssumme zu steigen, erst langsam, dann immer schneller.

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Weitere Gespräche mit Kundendienstmitarbeitern bringen keine Lösung. Am 15. März 2022 erreicht der angemahnte Rechnungsbetrag die stattliche Summe von 1980,86 Euro, verbunden mit einer Sperrankündigung zum 24.März.

Anzeige wegen Nötigung und Erpressung erstattet

Jetzt platzt Dieter Wagner der Kragen. „Wir haben bei der Polizei gegen E.on Anzeige wegen Nötigung und Erpressung erstattet“, berichtet er. Plötzlich kommt die Bewegung in die Sache. Ein Monteur des zuständigen Netzbetreibers Edis stellt fest, dass bei Familie Wagner vor einem Jahr gar kein neuer Zähler eingebaut wurde.

„Wir haben Ihre Anmeldung zurückgenommen“, lautet das folgende schriftliche Eingeständnis des eigenen Fehlers von E.on. „Welche Anmeldung denn? Immerhin, wir haben die 2000 Euro nicht mehr knacken können“, gibt sich Wagner sarkastisch.

Dem Stromversorger ist die Sache sichtlich peinlich. „Leider kam es während des Anmeldeprozesses im Zusammenhang mit dem betreffenden Zähler zu Missverständnissen“, erklärt ein E.on-Sprecher auf Nachfrage. „Mehrere Überprüfungen haben gezeigt, dass die Anmeldung nicht korrekt war.“ Es liege ein Bearbeitungsfehler vor. „Anschließend haben wir die Korrektur vorgenommen“, sagt er.

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Die Frage, warum es fast ein ganzes Jahr lang gedauert hat, das Problem zu lösen, beantwortet er nicht. „Unsererseits ist die Sache abgeschlossen und es bestehen keinerlei Forderungen. Es tut uns leid, dass es für Herrn Wagner zu Unannehmlichkeiten kam. Hier sind viele unglückliche Umstände zusammengekommen“, räumt der Sprecher ein. Man werde sich bei Herrn Wagner mit einer Wiedergutmachung melden.

Und tatsächlich, E.on meldet sich – doch anders als gedacht. „Wir wurden schriftlich darüber informiert, dass der Strompreis steigen wird“, berichtet Dieter Wagner. Das sei für jemanden, der nach wie vor nicht Kunde bei E.on sei, schon eine eigenwillige Wiedergutmachung. Auf neuerliche Nordkurier-Nachfrage gibt sich der E.on-Sprecher zerknirscht. Der Stichtag für die Adressen, die für die Schreiben genutzt wurden, habe einen Tag vor dem Tag gelegen, an dem das Problem mit Herrn Wagner geklärt worden sei.

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