OSTSEE-URLAUB

Diese Corona-Regeln gelten jetzt für Touristen

Endlich Ferien! Hunderttausende fahren jetzt von zu Hause weg, aber einheitliche Reiseregeln sind umstritten. Ein Überblick über den Verordnungsdschungel:
dpa
Am Strand in Zingst: Urlauber sollten eine ganze Reihe von Regeln kennen, bevor sie nach Mecklenburg-Vorpommern reisen.
Am Strand in Zingst: Urlauber sollten eine ganze Reihe von Regeln kennen, bevor sie nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Jens Büttner
Schwerin.

So einfach und entspannt wie sonst wird das nicht in diesem Pandemie-Sommer 2020. In Hotels, Appartements und Restaurants gelten Abstands- und Hygieneregeln. Und nun kommt dazu, dass es einzelne regionale Corona-Brennpunkte in der Republik gibt. Nach dem großen Ausbruch in einem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen greifen erste Urlaubsregionen zu Beschränkungen für Reisende aus Risiko-Gebieten. Ein Überblick:

Was machen Länder mit beliebten Urlaubszielen?

Bisher reagieren die Bundesländer unterschiedlich. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern haben ein Beherbergungsverbot oder andere Beschränkungen für Menschen aus Corona-Risikogebieten festgelegt, die keinen negativen Corona-Test vorweisen können. Im Fall Niedersachsens gilt dies speziell für Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf. „Die Maßnahmen sind verständlich auch wenn sie sehr unangenehm sind”, erklärte der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. „Da kommt eine Mentalität auf, die eigentlich keiner will.”

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Als Risikogebiete gelten Regionen mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Einreise für Personen aus solchen Corona-Hotspots nicht gestattet. Ausnahmen gibt es für Menschen mit einer ärztlichen Bestätigung, dass keine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Der Test darf höchstens 48 Stunden alt sein. In Schleswig-Holstein müssen Reisende aus Risikogebieten unverzüglich nach der Einreise in ihre Wohnung oder in eine andere geeignete Unterkunft, um sich dort 14 Tage lang zu isolieren. Eine Ausnahme gilt, wenn ein aktueller negativer Test vorliegt.

Welche Regeln gelten jetzt konkret in Mecklenburg-Vorpommern?

Das Kabinett hat die allgemeinen Kontaktbeschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern bis zum 10. Juli verlängert. Großveranstaltungen bleiben untersagt. „Eine Ausnahme davon gilt unter anderem für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, an denen maximal 100 Personen teilnehmen sowie für Veranstaltungen unter freiem Himmel, an denen maximal 300 Personen teilnehmen. Diese dürfen im Einvernehmen mit der zuständigen Gesundheits­behörde stattfinden”, heißt es.

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In den Bereichen Kultur, Sport oder Freizeit sind aber unter Auflagen dennoch viele Aktivitäten erlaubt. An Stränden oder Badestellen gelten ebenfalls die Abstands- und Hygieneregeln des Landes. Schwimmbäder, Fitnessstudios und Kinos dürfen mit einem entsprechenden Hygienekonzept ebenfalls Gäste empfangen. Discos, Clubs, Messen, Indoorspielplätze bleiben noch geschlossen, ist auf den Internet-Seiten der Landesregierung nachzulesen.

 

In Gaststätten gilt die Maskenpflicht für Angestellte. Gäste dürfen an den Tischen ohne Mund-Nasen-Schutz sitzen, müssen diesen jedoch aufsetzen, wenn sie ihn verlassen, beispielsweise um auf die Toilette zu gehen. Die Öffnungszeiten sind von 6 bis 24 Uhr beschränkt, Gaststätten-Betreiber sind dazu angehalten, Anwesenheitslisten der Gäste zu führen (eine Kontaktperson pro Gruppe genügt) und Tische nur zu vergeben, die vorher reserviert wurden. Zehn Gäste dürfen maximal an einem Tisch sitzen, wobei der Mindestabstand von 1,5 Metern weiterhin gilt.

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Die Einreise nach MV ist für Urlauber gestattet, wenn sie die Buchung eines Zimmers in einem Hotel, einer Pension oder ähnlichen Einrichtungen für mindestens eine Nacht nachweisen können. Tagestouristen ist die Einreise nicht erlaubt. Wer beruflich nach MV einreisen muss oder seine Familie (zur Kernfamilie zählen Ehegatten, eingetragene Lebens­partner, Lebens­gefährten, Kinder, Eltern, Geschwister, Enkel, Urenkel, Großeltern und Urgroßeltern) besuchen will, darf dies auch weiterhin.

In Bus und Bahn gilt eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Wie wird die Einhaltung der Bestimmungen kontrolliert?

Eine zuverlässige Kontrolle ist schwierig. In Mecklenburg-Vorpommern sind bisher auf Usedom und in Kühlungsborn Urlauber aus Gütersloh abgewiesen worden. In zwei Fällen haben Vermieter die Gesundheitsämter um Rat gefragt, in weiteren Fällen wurden Ordnungsämter bei der Durchsicht von Gästelisten fündig.

Eine regelmäßige Kontrolle scheint nicht möglich zu sein, da viele Touristen in nichtgewerblichen Ferienunterkünften wohnen. Den Behörden werden Gästelisten dann erst mit der Abrechnung der Kurtaxe vorgelegt. Das ist in den Satzungen der Ferienorte unterschiedlich geregelt. Aus Schleswig-Holstein hieß es, spezielle Polizeikontrollen auf die Autokennzeichen Gütersloh und Warendorf solle es nicht geben.

Droht ein Flickenteppich bei den Urlaubsregeln?

Der Bund will die regionalen Entwicklungen genau beobachten. Doch operativ am Zug sind die Länder. Merkel machte schon generell klar, dass es auf funktionierende Kommunikation der örtlichen Behörden in der ganzen Republik ankommt. „Wenn jemand an der Ostsee war, aber aus Bayern oder Hamburg gekommen ist, ist es natürlich wichtig, dass die Gesundheitsämter untereinander in einem engen Kontakt sind.”

Beim Erkennen und Nachverfolgen von Infektionen helfen soll auch die neue Warn-App des Bundes. Inzwischen wurde sie 12,6 Millionen Mal auf Smartphones heruntergeladen, auf denen das technisch möglich ist. Das entspricht immerhin schon 15 Prozent der Menschen in Deutschland.

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Kommentare (2)

Mit diesen Einschränkungen macht Urlaub wenig Sinn. Ich würde freiwillig keinen Urlaub machen wollen.

Als Einheimischer Küstenbewohner auf Usedom, sehe ich keine Einschränkungen. So wie sich viele Urlauber hier verhalten, gibt es doch gar keine, oder? Oder doch? Na ja, aber nicht für Urlauber! Also kommt alle her, verstopft die Straßen, die Supermärkte, die Geschäfte, damit es richtig heimelig wird.