Ein herrenloses Motorboot fingen die Seenotretter der Station Ueckermünde am 26.7.20 im Stettiner Haff ein. Die Besatzung
Ein herrenloses Motorboot fingen die Seenotretter der Station Ueckermünde am 26.7.20 im Stettiner Haff ein. Die Besatzung war Stunden zuvor über Bord gestürzt. DGzRS
So wie hier auf dem Greifswalder Bodden proben die Seenotretter der DGzRS regelmäßig den gemeinsamen Einsatz mit de
So wie hier auf dem Greifswalder Bodden proben die Seenotretter der DGzRS regelmäßig den gemeinsamen Einsatz mit den in Greifswald stationierten Ärzten und Assistenten der Luftrettung. Sommer
Einsatz auf der Ostsee

Seenotretter hatten im Corona-Jahr weniger zu tun

Die Corona-Pandemie schlägt sich auch in der Jahresbilanz der Seenotretter nieder. Die Besatzungen der Rettungskreuzer und -boote mussten deutlich weniger ausrücken als 2019.
Bremen

Im Krisenjahr 2020 mussten die Seenotretter der 17 Stationen entlang der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 448 Mal auslaufen, um Menschen zu Hilfe zu eilen. Das waren 75 Einsätze weniger als im Jahr zuvor, ein Rückgang von fast 15 Prozent. Ein Mensch wurde aus Seenot gerettet, 2019 waren es noch 23. Insgesamt konnten 62 Menschen aus Gefahrensituationen befreit werden, 40 weniger als 2019.

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Aufgrund der Corona-Pandemie seien in den vergangenen Monaten weniger Schiffe auf Nord- und Ostsee unterwegs gewesen, sagte ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen „Hinzu kam, dass die Wassersportsaison wegen des Lockdowns im Frühjahr später begonnen hatte.“

Den dramatischsten Notruf 2020 vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste hatten die Männer am Abend des 13. Augusts an Bord de Kreuzers „Stephan Jantzen“ empfangen, der zu dieser Zeit zur Generalüberholung in einer Werft lag. Kurz nach dem schwachen Signal war die Besatzung ausgelaufen und hatte nach einem Hinweis eines einlaufenden Lotsen vor Warnemünde einen Kajakfahrer geborgen, der bei Windstärke 4 etwa 1,8 Kilometer vor den Molenköpfen gekentert war. Der 60-Jährige aus Bremerhaven hatte sich mit einer Schwimmweste und einem Handfunkgerät über Wasser gehalten und war mit einer Körpertemperatur von nur noch 32 Grad vor dem Ertrinken gerettet worden.

Weniger Einstätze – ähnlich viele Gerettete

Insgesamt hatten die Besatzungen der rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote im vergangenen Jahr 1.720 Einsätze gefahren, rund 400 weniger als 2019. Dennoch halfen sie dabei annähernd gleich vielen Menschen. Insgesamt wurden 40 Menschen aus Seenot gerettet und 317 aus drohenden Gefahren befreit. 251 Mal wurden erkrankte oder verletzte Personen von Seeschiffen, Insel und Halligen geborgen sowie 49 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt.

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Damit hat die DGzRS seit ihrer Gründung im Jahr 1865 zusammen 85.591 Menschen gerettet oder aus Gefahrensituationen befreit. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahlen von Neubrandenburg und Waren (Müritz) zusammen.

Neues Seenotrettungsboot geplant

Wesentliche Unterstützung fanden die Seenotretter durch ihre ehrenamtliche Botschafterin Anke Harmack. „Ich habe großartige Menschen kennengelernt und bei allen dieselbe Einstellung gefunden“, sagt die auf Rügen geborene Reporterin und Moderatorin. „Die Seenotretter machen nicht viele Worte über das, was sie da draußen leisten, manchmal bei Sturm und großer Gefahr für sich selbst.“ Sie begeistere, dass die Seenotretter ohne jegliche staatliche Gelder auskämen. Deshalb sei sie allen Menschen dankbar, die mit ihren Spenden dazu beitrügen, dass die Seenotretter auch in Zukunft unabhängig rausfahren könnten. Neuer ehrenamtlicher DGzRS-Botschafter ist jetzt der 66-jährige Cartoonist und Illustrator Wolf-Rüdiger Marunde aus Hamburg.

Die im Durchschnitt 30 Jahre alte deutsche Rettungsflotte kann dank zahlreicher Spenden Jahr für Jahr neue Schiffe und Boote in Dienst stellen. Im vergangenen Jahr wurden ein neuer Kreuzer und fünf neue Seenotrettungsboote getauft und in Dienst gestellt, darunter die „Eva Ahrens-Thies“ für die Station in Ueckermünde.

Für 2021 sind der Bau eines neuen 8,9 Meter langes Seenotrettungsbootes für die Freiwilligen-Station Prerow-Wieck sowie eines neuen 28-Meter-Kreuzers mit dem Namen „Nis Randers“ für die Seenotretter auf dem Darß vorgesehen. Darüber hinaus soll erstmals ein 22-Meter langer Neubau in Dienst gestellt werden, der an den Nord- und Ostseestationen von den 800 Freiwilligen sowie den neuen Kollegen der 180 Festangestellten ausschließlich als Trainingsschiff genutzt werden soll.

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