Die Rehaklinik Loddin auf der Insel Usedom gehört zur bundesweit agierenden Johannesbad Holding.
Die Rehaklinik Loddin auf der Insel Usedom gehört zur bundesweit agierenden Johannesbad Holding. Johannesbad Holding
Gesundheitspolitik

Chef von Usedomer Reha-Klinik attackiert Lauterbach

Droht vielen der rund 1.100 Reha-Kliniken in Deutschland das Aus? Der Vorsitzende eines der größten Gesundheitsdienstler schlägt in einem Brandbrief an den Gesundheitsminister Alarm.
Schwerin

Der Johannesbad Gruppe gehört zu den zehn größten privaten Gesundheitsdienstleistern in Deutschland. Wenn der Vorstandschef dieses Konzern das Aus für viele Reha- und Vorsorgeeinrichtungen befürchtet, schlagen die Alarmglocken. Ein Umdenken im Bundesgesundheitsministerium sei deshalb schnellstens notwendig, heißt es unter anderem in dem Brandbrief von Markus Zwick an Karl Lauterbach. Die Johannes Gruppe betreibt auch eine Reha-Einrichtung in Loddin auf Usedom.

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„Dem Anspruch erkrankter Bürger, ihre Arbeitsfähigkeit nach einer Erkrankung oder einer Operation zurückzuerlangen oder wieder am Alltag teilzuhaben, werden viele medizinische Einrichtungen unter den momentanen Voraussetzungen nicht viel länger nachkommen können”, sagt der Chef der Unternehmensgruppe, die 13 Reha-Einrichtungen an elf Standorten in Deutschland betreibt.

Impfpflicht verschärft Personalmangel

Deutschlands Reha-Branche sei in höchster Not. Sie werde von der Bundespolitik inmitten der vielen Krisen im Stich gelassen, so Zwick in dem Brief, der dem Nordkurier vorliegt. „Wir Unternehmer sagen: Nicht reden! Machen!”, schreibt der Vorstandschef wörtlich an den Minister. Immer mehr der rund 1.100 Reha- und Vorsorgekliniken in Deutschland kämpfen nach Zwicks Worten zunehmend ums Überleben. Auch erste Insolvenzen gebe es bereits. Für Zwick keine überraschende Entwicklung: „Wir bekämpfen eine Pandemie, der Personalmangel hat einen neuen Höhepunkt erreicht und die allgemeine Teuerungsrate trifft uns – wie alle – überdies massiv.”

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Inmitten der Pandemiebekämpfung habe es Lauterbach laut Zwick zugelassen, dass der „medizinische Rettungsschirm” für Reha- und Vorsorgekliniken nicht verlängert worden sei. Zudem habe die medizinische Branche als einzige in Deutschland eine einrichtungsbezogene Impfpflicht auferlegt bekommen, die nach Worten des Unternehmens-Chefs „den ohnehin bereits extrem herausfordernden Personalmangel in der Medizin weiter verschärft”. Die Konsequenz: „Wir verlieren gut qualifizierte Mitarbeiter an andere Branchen und die Impfquote hat sich keineswegs verbessert.”

Inflationsausgleich gefordert

Nach Einschätzung Zwicks seien drei politische Weichenstellungen notwendig, um „die unnötige Zerstörung der deutschen Reha-Welt zu verhindern”. Lauterbach müsse die durch die Pandemie in den Kliniken entstehenden Sonderbelastungen auch weiterhin ausgleichen. Zum zweiten fordert der Unternehmenschef eine Aufhebung der „verfehlten und praxisfernen einrichtungsbezogenen Impfpflicht”. Und drittens drängt Zwick auf eine gesetzliche Regelung, die umgehend einen „die Inflation ausgleichenden Aufschlag auf die Vergütung” vorsähe.

Zwicks Befürchtung in dem Zusammenhang: „Müsste dieser Ausgleich zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern erst auf langwierige Weise verhandelt werden, würden viele Kliniken dies allein aufgrund der Dauer des Verhandlungsprozesses nicht überleben.”

Eine Nachfrage des Nordkurier an das Bundesgesundheitsministerium zu den Vorwürfen aus der Reha-Branche blieb bislangunbeantwortet.

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