SWINEMÜNDE

So sieht der neue Usedom-Tunnel aus

Wer gern in Polen Urlaub macht oder beruflich dort zu tun hat, kann sich freuen: Die schnellere Anbindung von Swinemünde wird mit Eile vorangetrieben. Nur 30 Meter fehlen zum Durchbruch.
Der Tunnelbau nach Swinemünde wird vorangetrieben.
Der Tunnelbau nach Swinemünde wird vorangetrieben. Kai Ottenbreit
So sieht die Einfahrt zum neuen Tunnel aus.
So sieht die Einfahrt zum neuen Tunnel aus. Kai Ottenbreit
Auch überirdisch ist noch einiges zu tun.
Auch überirdisch ist noch einiges zu tun. Kai Ottenbreit
Swinemünde ·

Es sind nur noch knapp 30 Meter bis zum Ziel️. 1454 Meter – so weit hatte hat die Tunnel-Bohrmaschine in der Hafenstadt Swinemünde (Świnoujście) auf der Insel Usedom bis Dienstag schon gebohrt. Bisher wurden 170 Eineinhalb-Meter-Ringe und 594 Zwei-Meter-Ringe installiert. Sie bilden die Hülle des Tunnels, welcher die Verbindung zwischen den Ostseeinseln Usedom und Wollin verkürzen soll. 36 Ringe folgen noch.

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Seit Montag laufen große Vorbereitungen für den baldigen Durchbruch in der Empfangskammer auf der Insel Wollin. Es ist zu erwarten, dass die Maschine nun etwas langsamer wird, da sie sicher in den Betonblock und dann in den Aufnahmeschacht einfahren muss.

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Auf der Insel Wollin wurde eine sogenannte Aufnahmekammer bereits mit Wasser gefüllt, um den Druck beim Bohren durch eine Schlitzwand und beim Eintritt des Bohrmaschinenkopfes auszugleichen.Auch die Vorbereitungen sind angelaufen, um demnächst die Demontage des „großen Maulwurfs“ zu ermöglichen. Noch im September soll die Bohrmaschine auf Wollin ihre Arbeit beenden.

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Was passiert jetzt auf der anderen Seite der Świne, auf der Insel Usedom? Es wird jetzt eine vorübergehende Tragkonstruktion für den zweiten Tunnelnotausgang vorgefertigt. Ein Fertigteilwerk produziert derweil Bewehrungen für Fertigteile für den Innenausbau im Tunnel.

In der Startkammer, in der die Bohrmaschine ihre Arbeit aufgenommen hatte, wird das Abdichten von Schlitzwänden, das Bohren von Löchern, das Einbringen von Nuten in die Schlitzwände und das Einkleben von Stangen unter die Zwischendeckenstützen fortgesetzt. Außerdem werden Bewehrung, Schalung und Betonierung der Zwischenbodenstützen durchgeführt.

Das wird Polens größter Unterwasser-Tunnel

Darüber hinaus werden auf der Insel Usedom Fundamente für ein großes Tunnelservice-Center und ein Trafo-Gebäude gebaut. Parallel dazu gibt es auch über Tage auf beiden Seiten des Flusses noch einiges zu tun. Der Wiederaufbau und der Ausbau des Versorgungsnetzes und der Straßeninfrastruktur auf beiden Seiten der Swine werden fortgesetzt.

Insgesamt mussten und müssen unter der Swine etwa 1,5 Kilometer gebohrt werden. An seiner tiefsten Stelle soll der Tunnel zehn Meter unter dem Grund der Swine liegen. Insgesamt wird der fertige Tunnel 1,8 Kilometer lang sein und wird damit die längste Unterwasser-Querung in ganz Polen. Die Kosten für das Projekt werden aktuell mit rund 900 Millionen Zloty (etwa 200 Millionen Euro) angegeben. 85 Prozent davon sind Mittel der Europäischen Union, der Rest wird von der Stadt Swinemünde beigesteuert. Mit dem Ende der Arbeiten wird derzeit im dritten Quartal des kommenden Jahres gerechnet.

Swinemünde wird von der Swine geteilt, einem Meeresarm der Ostsee, der zwischen den Inseln Usedom und Wollin verläuft und das Stettiner Haff mit dem Meer verbindet. Der Tunnel soll die beiden Inseln verbinden und damit auch die auf ihnen gelegenen Stadtteile. Bislang müssen Autofahrer und Fußgänger noch mit der Fähre übersetzen.

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Gerade in der Urlaubssaison 2021 hatte sich wieder gezeigt, wie wichtig eine schnelle Verbindung nach Swinemünde ist. Zwischenzeitlich gab es massive Verkehrsprobleme. So berichteten polnische Medien von kilometerlangen Staus an den Fähren über die Swine, die zum Teil für stundenlange Wartezeiten gesorgt hätten. Es wurde um Verständnis für die Mitarbeiter des Fährbetriebs geworben und sogar geraten, die Heimreise über Deutschland anzutreten, obwohl auch dort auf den Straßen mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen war.

Schon lange bevor mit den Bauarbeiten am Tunnel begonnen wurde, wurde das Projekt ganz unterschiedlich bewertet. Während sich die staugeplagten polnischen Ostsee-Touristen durchaus Hoffnungen machen können, dass der Erholungseffekt nicht schon an der Fähre verpufft, sah man auf deutscher Seite massive Verkehrsprobleme auf sich zurollen, die nicht nur durch Autos, sondern auch durch den Güterverkehr zum und vom Swinemünder Hafen verursacht werden.

Befürworter fand der Tunnel auf deutscher Seite nur wenige. Die meinten aber, dass er doch auch als Chance zu begreifen sei. Schließlich sei er ja keine Einbahnstraße und die Insel Wollin auch attraktiv für deutsche Usedom-Urlauber.

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