Das Verkehrsministerium ließ erst im März eine 174.000 Euro teure Auswurfbegrenzung für Angler installieren.
Das Verkehrsministerium ließ erst im März eine 174.000 Euro teure Auswurfbegrenzung für Angler installieren. Stefan Sauer
Streit um Angelverbot

174.000 Euro Steuergelder am Rügendamm versenkt

Hin und Her um das Angelverbot auf dem Rügendamm: Eine Wurfbegrenzung sollte das Angeln wieder ermöglichen. Doch eine Behörde pocht nun auf das Verbot.
dpa
Stralsund

Um das Angelverbot auf dem Rügendamm ist ein Streit zwischen Behörden entbrannt. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Stralsund wies am Mittwoch eindringlich auf die Einhaltung des Angelverbotes hin. „Die Abwehr von Gefahren für die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt unter der Rügendammbrücke lässt hier keinen Ermessensspielraum”, sagte Amtsleiter Holger Brydda.

Durch die Angelhaken würden Schiffsverkehr und Fahrgäste gefährdet. Das Amt habe die Wasserschutzpolizei gebeten, Verstöße gegen das Angelverbot zu ahnden. Das Verkehrsministerium, das erst im März eine 174.000 Euro teure Auswurfbegrenzung für Angler installieren ließ, will hingegen nicht gegen Rügendamm-Angler vorgehen, wie eine Sprecherin sagte.

„Uns fehlen dafür die personellen Kapazitäten.” Das Angeln auf dem Rügendamm war auch in den vergangenen Jahren verboten. Der Strelasund unter dem Rügendamm ist wie andere Gewässer unter deutschen Brücken ein "Fischereisperrbezirk". Nach der Wende hatte sich das Angeln von der Brücke jedoch eingebürgert. Es war mit Blick auf die Heringssaison und die Tausenden Angeltouristen, die jedes Jahr im Frühjahr auch aus Sachsen oder dem Berliner Raum anreisten, in bestimmten Bereichen der Brücke geduldet worden.

2017 wurden 100 Verstöße gegen das Angelverbot geahndet

Die Wasserschutzpolizei kontrollierte und sprach auch jenen, die ihre Ruten in die Fahrrinne hielten, Verwarngelder aus. Der Chef der Wasserschutzpolizei Stralsund, Fredi Ewert, spricht von hunderten Verstößen, die allein im vergangenen Jahr geahndet wurden. Als sich bis April vergangenen Jahres auch Beschwerden von Autofahrern häuften und das Straßenbauamt in den ausgeworfenen Angeln eine zunehmende Gefahr für den Straßenverkehr sah, untersagte das Verkehrsministerium das Angeln, ließ zum Beginn der diesjährigen Saison jedoch die Auswurfbegrenzung installieren.

Mit dem Metallholm in 2,10 Meter Höhe soll verhindert werden, dass Petrijünger beim Auswerfen der Angel zu weit ausholen und damit Verkehrsteilnehmer auf dem Rügendamm wie auch auf der parallel verlaufenden Rügenbrücke gefährden. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gab sich nach der Abnahme der Einrichtung vor einer Woche zuversichtlich: "Wir werden beobachten, ob durch die Wurfbegrenzung die Gefährdung des Verkehrs auf den Straßen und dem darunter liegenden Gewässern - so wie von uns zurzeit angenommen - tatsächlich unterbunden wird", sagte er.

Noch ist der Strelasund gefroren und das Heringsangeln von der Brücke deshalb nicht möglich. Sobald das Eis geschmolzen ist und die ersten Angler auftauchen, wird die Wasserschutzpolizei gegen das Heringsangeln vorgehen."Wir werden mit Sicherheit die Bitte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes umsetzen", sagte der Leiter der Stralsunder Wasserschutzpolizei, Ewert. Im Übrigen, ergänzte Ewert, habe es im vergangenen Jahr keinen Proteststurm von Anglern gegen das Angelverbot gegeben.

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