AUTOUNFäLLE

30 Mal Fahrerflucht am Tag in MV

Meist sind es nur kleine Rempler, doch immer häufiger hauen Unfallverursacher einfach ab. Besonders schlimm wird es, wenn es Verletzte gab.
dpa
Oft reicht schon ein Zettel, doch in MV hauen Autofahrer nach Unfällen immer öfter einfach ab.
Oft reicht schon ein Zettel, doch in MV hauen Autofahrer nach Unfällen immer öfter einfach ab. Jens Wolf
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Schwerin.

Im Durchschnitt 30 Mal am Tag setzen Kraftfahrer in Mecklenburg-Vorpommern ihre Fahrt unerlaubt fort, nachdem sie in einen Unfall verwickelt waren. In der Regel handelt es sich dabei um Kollisionen mit leichten Folgen. „Doch auch nach einem vermeintlich harmlosen Parkrempler ist das unerlaubte Entfernen vom Unfallort eine Straftat“, betont Hans Pieper vom Verkehrsclub ADAC Hansa in Hamburg, der auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist.

Eine Notiz oder Visitenkarte, die hinter den Scheibenwischer geklemmt wird, reiche als Reaktion nicht aus. „Wer einen Parkrempler verursacht, muss auf den Fahrer warten oder sich bei der Polizei melden“, sagte Pieper in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Für die zurückliegenden Jahre verzeichnet das Innenministerium in Schwerin einen steten Anstieg bei Unfällen mit Fahrerflucht. Wie aus der Verkehrsunfallstatistik Mecklenburg-Vorpommerns hervorgeht, gab es 2014 etwa 10.000 solcher Fälle im Land, im Jahr 2017 aber schon knapp 11.200. Die Daten für 2018 sollen im April vorgelegt werden, doch zeichnet sich keine Trendumkehr ab.

Viele ignorieren die Straftat

Die Motivation, vom Unfallort zu flüchten, sei sehr verschieden, hieß es aus dem Innenministerium. Angst vor den Konsequenzen, Scham, fehlendes Unrechtsbewusstsein oder auch Gleichgültigkeit seien oft die Gründe. Viele ignorierten, dass sie eine Straftat begehen, wenn sie sich einfach von der Unfallstelle entfernen, ohne sich um die Unfallfolgen zu kümmern.

„Das ist selbst bei kleinen Blechschäden für die Beteiligten ärgerlich, bei Unfällen mit Personenschaden aber unverzeihlich“, betont Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Die große Mehrzahl der Unfälle mit Fahrerflucht geht laut Statistik mit geringen Sachschäden ab. In zwei Prozent der Fälle sind demnach bedeutende Schäden an den Fahrzeugen zu verzeichnen. Im Jahr 2017 registrierte die Polizei aber unter den 11.200 Verkehrsunfällen mit Unfallflucht auch 531 mit Verletzten. 67 Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Person sogar getötet. Für das Jahr 2018 zeichnet sich dem Vernehmen nach ein leichter Anstieg der Personenschäden ab.

Wer flieht, muss auf jeden Fall zahlen

Wie Christian Weishuber von der Allianz, einem der größten deutschen Versicherungsunternehmen erklärte, kommt die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung nicht für Schäden auf, die auf flüchtige Verursacher zurückgehen. Nur eine Vollkaskoversicherung biete somit ausreichend Schutz, um bei einer Unfallflucht im schlimmsten Fall nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Für erwischte Unfallflüchtige komme die Haftpflicht zwar auf, hole sich das Geld später aber von diesen zurück.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat einen Fonds für Verkehrsopferhilfe eingerichtet, der besonders Betroffene vor Härten bewahren soll. Wie eine Sprecherin sagte, werden pro Jahr etwa 100 bis 200 Fahrerfluchtfälle über diesen Fonds reguliert.

Bundesweit werden laut Versicherungswirtschaft in jedem Jahr mehr als 500.000 Mal Unfälle mit Fahrerflucht angezeigt. Laut Statistik wird mehr als jeder dritte flüchtige Unfallverursacher von den Behörden schließlich doch ermittelt. In Mecklenburg-Vorpommern lag die Aufklärungsquote laut Innenministerium zuletzt bei etwa 38 Prozent, waren Personen verletzt worden, bei 46 Prozent.

Caffier: „Kein Kavaliersdelikt”

„Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist kein Kavaliersdelikt“, betont Minister Caffier und verweist auf die mögliche Höchststrafe von bis zu drei Jahren Haft. Die Regel sind aber Geldstrafen, Punkte in Flensburg bis hin zum Führerscheinentzug. „Jedes unberechtigte Verlassen des Tatortes wird von der Landespolizei wie eine Unfallflucht behandelt und strafrechtlich verfolgt“, machte der Minister deutlich.

Das musste unter anderem jüngst auch der Landtagsabgeordnete Bert Obereiner (AfD) erfahren. In einem Schweriner Parkhaus hatte er im Juni 2017 mit einem Kleinbus einen entgegenkommenden Wagen berührt und war dann in der Annahme, dass nichts passiert sei, weitergefahren. Er hätte mehr tun müssen, um mit der Unfallbeteiligten in Kontakt zu bleiben, entschied die Richterin am Amtsgericht und verurteilten ihn wegen Fahrerflucht zu einer Geldstrafe in Höhe von 1950 Euro. Allerdings legte Obereiner Rechtsmittel ein, so dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Den Schaden am anderen Auto in Höhe von 2800 Euro hat er nach eigenen Worten aber bereits beglichen.

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