ARBEITER HABEN DIE NASE GESTRICHEN VOLL

300 Schiffbauer protestieren vor insolventer P+S-Werft

Die Schiffbauer sehen keine Fortschritte beim Verkauf der insolventen P+S-Werft und erhöhen den Druck. Vor dem Werfttor steht ein Rettungsschiff - Mahnung an die Landesregierung.
dpa
Rund 300 Werftarbeiter beteiligen sich am Werfttor der P+S-Werft Volkswerft in Stralsund an einer Demonstration der IG Metall und fordern klare Aussagen über die Zukunft ihrer Werft.
Rund 300 Werftarbeiter beteiligen sich am Werfttor der P+S-Werft Volkswerft in Stralsund an einer Demonstration der IG Metall und fordern klare Aussagen über die Zukunft ihrer Werft. Stefan Sauer
Das Rettungsschiff soll eine Mahnung an die Landesregierung sein.             
Das Rettungsschiff soll eine Mahnung an die Landesregierung sein.   Stefan Sauer
Derzeit sind noch rund 400 Schiffbauer in Stralsund mit dem Bau der DFDS-Transportschiffe beschäftigt.
Derzeit sind noch rund 400 Schiffbauer in Stralsund mit dem Bau der DFDS-Transportschiffe beschäftigt. Stefan Sauer
Stralsund ·

Etwa 300 Schiffbauer der insolventen Stralsunder P+S-Werft haben am Donnerstag für den Erhalt des Schiffbaus in der Hansestadt demonstriert. Zugleich kündigten sie schärfere Protestaktionen - einen „Plan B“ - an, wenn bis Ende März der Verkaufsprozess keine Fortschritte erzielt habe. Die Zeit dränge, sagte der Bevollmächtigte der IG Metall, Guido Fröschke. „Wenn die Schiffbauer weggehen, kann man auch keine Werft mehr betreiben.“

Derzeit sind noch rund 400 Schiffbauer in Stralsund mit dem Bau der DFDS-Transportschiffe beschäftigt. Die Schiffe sollen bis Mai fertig sein. Bis dahin soll nach dem Willen der Landesregierung auch die Werft verkauft sein - möglichst an einen Investor aus dem Bereich Schiffbau, Onshore oder Offshore. „Wir arbeiten gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter an einer Lösung für den Standort“, sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Es gehe darum, möglichst viele Arbeitsplätze im Bereich des maritimen Anlagenbaus zu erhalten.

Die P+S-Werftengruppe mit zuletzt 1750 Mitarbeitern ging im August 2012 pleite. Für die Schwesterwerft in Wolgast wurde im Mai 2013 mit der Lürssen-Gruppe ein neuer Käufer gefunden.

Kauft ein Russe die Werft?

Nach Angaben der Stralsunder Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen (SPD) gibt es möglicherweise neben Nordic Yards einen russischen Interessenten. Sie bezog sich dabei auf Gespräche mit dem Maritimen Koordinator Uwe Beckmeyer (SPD). Die Insolvenzverwaltung will sich zum Interessentenkreis nicht äußern. Neben Nordic Yards hatte die Windkraftinvestmentfirma NGW öffentlich Interesse am Kauf der Werft geäußert. Bislang hatten aber beide keine überzeugenden Konzepte vorgelegt.

Seit Donnerstag steht ein symbolisches Rettungsschiff der Gewerkschaft vor dem Werfttor. Es solle die Landesregierung an ihre Zusage erinnern, den Standort erhalten zu wollen, sagte Fröschke. „Wenn einige meinen, aus dem Boot aussteigen zu wollen, werden wir zu Plan B übergehen.“

Unter den Schiffbauern wächst der Unmut. Der Landkreis Vorpommern-Rügen habe die höchste Arbeitslosigkeit in Deutschland, sagte Belegschaftssprecher Jürgen Kräplin. Tourismus und Gesundheitswirtschaft reichten wegen der in diesen Branchen niedrigen Löhne nicht, um der Region eine Zukunft zu geben.

SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery bat die Schiffbauer um Geduld. Alle Verantwortlichen arbeiteten gemeinsam mit der IG Metall an einer zukunftsfesten Lösung. Von den potenziellen Investoren würden aber schlüssige und durchfinanzierte Konzepte erwartet.

 

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