DEHOGA-UMFRAGE

75 Prozent des MV-Tourismus stehen vor dem Aus

Seit Monaten keine Gäste und keine Einnahmen – Hotels und Gastronomie in MV sind von der Politik in der Corona-Pandemie geschlossen worden. Es drohen massenhafte Schließungen, heißt es aus der Branche.
Endzeit-Stimmung an einem menschenleeren Strand an der Ostsee: Die Tourismusbranche in MV liegt nach der Verlängerung des
Endzeit-Stimmung an einem menschenleeren Strand an der Ostsee: Die Tourismusbranche in MV liegt nach der Verlängerung des Lockdwons komplett am Boden. Jens Büttner
Schwerin ·

Lars Schwarz ist stinksauer. Lars Schwarz ist hochgradig enttäuscht. Lars Schwarz ärgert sich maßlos. Der Präsident des Dehoga-Verbandes in Mecklenburg-Vorpommern, der rund 1500 Hotels und gastronomische Betriebe mit tausenden von Mitarbeitern im Nordosten vertritt, spricht nach den „desaströsen Gipfel-Ergebnissen” aus der vergangenen Woche von einer „düsteren Endzeit-Stimmung”. Die Branche sei komplett am Boden, nachdem Kanzlerin Angela Merkel und 16 Länderchefs den Lockdown auch für den Tourismus bis mindestens 7. März verlängert haben.

+++ Aktualisierung: Es war ein politisches Erdbeben, das der Dehoga-Chef mit seiner Kritik in der Landesregierung im politischen Schwerin ausgelöst hat. Teile der Politik schlugen zurück – andere machten Hoffnung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Nordkurier-Plus-Beitrag "Politik verspricht, Frust in der Gastronomie-Branche zu besänftigen." +++

Mit fatalen Folgen für den wohl größten und bekanntesten Wirtschaftszweig Mecklenburg-Vorpommerns. „Noch Mitte Januar war uns versprochen worden, dass es im Februar zumindest einen Perspektivplan für Hotel- und Gastronomie-Unternehmen geben soll. Doch wieder einmal hat die Politik ein Versprechen gebrochen”, hat Schwarz das Vertrauen in die große Politik verloren. Und dieser Vertrauensverlust bezieht sich laut Schwarz auch auf die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Während wir in dieser Woche zum x-ten Mal wieder Stufenpläne zu einer vermeintlichen Öffnung von Hotels und Gastro-Betrieben ausarbeiten, sind die maßgeblichen Leute in der Staatskanzlei in den Winterferien”, wettert Schwarz hörbar angefressen.

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Detaillierte Hygienekonzepte soll unbeachtet geblieben sein

Es sei wie im vergangenen Jahr – beim ersten Lockdown. Dehoga und Tourismusverband würden Pläne mit detaillierten Hygienekonzepten schreiben und vorlegen – und die Politik sich diese dann gar nicht anschauen. „Viel schlechter als die Landes- und Bundesregierung kann man Krisenmanagement gar nicht machen”, betont Schwarz. Und untermauert seine Verzweiflung mit einer aktuellen Umfrage unter Hoteliers und Gastronomen: Demnach können 75 Prozent nicht mehr – es drohen massenhafte Schließungen.

Trotz der weit verbreiteten Existenznot – Lars Schwarz will für seine Mitglieder weiter kämpfen. „Am nächsten Mittwoch ist MV-Gipfel. Dort werden wir wieder gut vorbereitet mit unseren Öffnungsplänen werben. In der Hoffnung, dass die Politik zuhört.” Schwarz will sich nicht geschlagen geben – vielleicht können wir Ostern zumindest noch mit einheimischen Gästen ein wenig retten.”

Doch hört man sich in der Tourismusbranche in MV um, gibt es offenbar ein grundsätzliches Problem zwischen Politik auf der einen und Hoteliers und Gastronomen auf der anderen Seite. „Die Politik versteht einfach nicht, wie Wirtschaft funktioniert. Und die Politik, die stets nach der nächsten Wahl ihr Handeln ausrichtet, spürt ganz genau, dass auch in der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern die Akzeptanz für den Tourismus fehlt und Bürger den Touristen im Sommer eher als störend empfinden, weil er ihren Parkplatz in der Innenstadt blockiert”, sagt ein langjähriger und exzellenter Kenner der Branche. Aus Angst vor möglichen Nachteilen will er seinen Namen lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen. Auch dies offenbar ein Indiz für den tiefen Graben, der gegenwärtig zwischen Politik und Tourismus aufgerissen ist.

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Kommentare (5)

Die Reduzierung des Tourismus auf Usedom auf ein gesundes Maß, wäre dringend angeraten. Usedom ist infrastruktuell und logistisch am Ende der Fahnenstange. Im Sommer völlig überfüllt und zunehmend von Urlaubern die weder Abstand noch Rücksichtnahme gegenüber anderen kennen. Ein Gesundschrumpfen ist geboten!

im Sommer schon lange nicht mehr! Da bleibe ich lieber im Hinterland.

Wer hat Sie denn eigentlich gefragt? Bleiben Sie mal schön in Ihren vier Wänden. Draußen gibt es viel zu viele Viren!

Fehlen Restaurants, Bars, Cafes, Hotels, dann sinkt auch die Lebensqualität der Gesellschaft. Eine gesunde Gesellschaft lebt von Angeboten und Vielfalt. Diejenigen, die es ganzjährig zu Hause in den vier Wänden schön finden und Leben und Gesellschaft nur im Fernsehen sehen und sich daran erfreuen, gibt es und ist auch in Ordnung. Doch man darf auch an andere bzw. an die Mehrheit politisch denken und handeln.

pleite gehen. Hotels, Kneipen, Restaurants, ist doch so gewollt. Wer wird sich denn in Zukunft leisten können, einen Betrieb für 2-3 Monate im Jahr offenzu halten ? Das macht doch gar keinen Sinn.